Die Fußball - WM 2006: Kein volkswirtschaftlich messbarer Nutzen, aber Gewinne für den Fußball und die Kneipenwirte

Pressemitteilung vom 18. April 2007

Auch wenn naturgemäß die Fußball-WM dem Veranstalter, der FIFA, und dem Deutschen Fußballbund eine beachtliche Millionensumme in die Kassen gespült hat, so hielt sich doch der wirtschaftliche Effekt des Sportereignisses in engen Grenzen. In Ihrer Analyse „Volkswirtschaftliche Bedeutung von Fußball-Weltmeisterschaften“ (Research Note 19) bewerten die DIW-Ökonomen Karl Brenke und Gert G. Wagner die Ausgaben und Einnahmen rund um die Fußball WM in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Dimension. Erstmals zeigen die Ökonomen anhand inzwischen vorliegender statistischer Daten, dass die im Vorfeld geäußerten Hoffnungen auf einen konjunkturellen Impuls durch die Fußball WM gänzlich übertrieben waren und bestätigen damit die Einschätzungen des DIW Berlin vom Juni 2006. (Wochenbericht 20/2006)

Grundsätzlich ist es schwer zu bewerten, in welchem Maße Investitionen aufgrund der Fußball WM getätigt wurden – zumal zu berücksichtigen ist, dass diese andere Investitionen verdrängt haben können. Selbst wenn man wahrscheinlich übertriebenen Schätzungen glaubt, belief sich der Anteil der WM-Investitionen in den Jahren von 2002 bis 2005 auf gerade einmal 0,4% der gesamten in Deutschland getätigten Investitionen – was 0,7 Promille der Wirtschaftsleistung entspricht. Realistischer ist die Annahme, dass der Effekt nur 0,2 Promille der Wirtschaftsleistung ausmachte.
Zwar zog es im Juni 2006 mehr Gäste aus dem Ausland nach Deutschland, doch blieb deren Zahl hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Zudem ist ein vermehrter Zustrom von Gästen aus dem Ausland ein in der Bundesrepublik seit Jahren zu beobachtender Trend. Die WM-Gäste aus dem Ausland dürften allenfalls 500 Mio. Euro ausgegeben haben, was eine volkswirtschaftlich vernachlässigbare Größe ist. Zusätzliche Beschäftigung hat die WM nur temporär geschaffen – etwa im Gastgewerbe. Im Einzelhandel waren gar keine Effekte aufgrund des Sportgroßereignisses zu erkennen.

Obwohl man zu dem Fazit kommen muss, dass von der WM keine nennenswerten positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte ausgegangen sind, hatte dieses sportlich-kulturelle „Event“ eine positive gesellschaftliche Bedeutung. Eine Fußball – WM trägt nicht nur zur weltweiten Völkerverständigung bei. Eine solche Veranstaltung bietet einem Land auch die Möglichkeit, sich nach außen hin positiv darzustellen. Und das ist Deutschland gewiss gut gelungen. Darüber hinaus war die WM 2006 ein Mosaikstein im Wandel der deutschen Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, die weltweit auch von großen „Events“ dieser Art gekennzeichnet sein wird.
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