Energiepreise: 200 Dollar fürs Öl? DIW Berlin empfiehlt mehr Nüchternheit in der Debatte

Pressemitteilung vom 7. Januar 2008

In der Debatte um die künftige Entwicklung des Ölpreises hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mehr Nüchternheit angemahnt. Zugleich wies das DIW Berlin die Kritik von Sachverständigenratsmitglied Wolfgang Wiegard an seiner jüngsten Prognose der Ölpreisentwicklung zurück. Das Institut hatte in der vergangenen Woche einen Preisanstieg auf bis zu 200 US-Dollar pro Barrel im kommenden Jahrzehnt für nicht ausgeschlossen gehalten.
„Ausgangspunkt der Debatte war die ebenso schlichte wie berechtigte Frage, welche Energiepreisentwicklungen in den nächsten Jahren zu erwarten sind“, sagte DIW-Sprecher Carel Mohn. „Es ist durchaus der Job von Wirtschaftsforschern hierzu Stellung zu nehmen – entscheidend ist, dass die entsprechenden Szenarien nachvollziehbar und plausibel sind.“ Das DIW Berlin mahnte zugleich eine intensivierte energiepolitische Debatte an. „Es kommt nicht auf die Magie einzelner Zahlen für den Öl- oder Gaspreis in zehn oder fünfzehn Jahren an,“ so DIW-Sprecher Mohn. „Was zu kurz kommt, ist die Frage, wie sich die deutsche und europäische Energiepolitik schon heute auf mehr Knappheit und steigende Energiepreise einstellen kann und muss.“ Zugleich erneuerte das DIW Berlin seine Einschätzung hinsichtlich der mittelfristigen Entwicklung des Ölpreises. Die weltweite Ölnachfrage wächst rasant, das globale Ölangebot jedoch nicht in dem Ausmaß wie es zur Nachfragedeckung notwendig wäre, eine Ölknappheit kann somit schon im Jahr 2020 auftreten. Die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt, Professor Claudia Kemfert, bestätigt: „Öl ist zwar derzeit noch nicht knapp, wird es aber werden - aufgrund der rasant steigenden Nachfrage in den Schwellenländern. Ohne eine „Weg-vom-Öl-Strategie“ machen sich die Volkswirtschaften zu abhängig von möglichen Lieferunterbrechungen und Preissteigerungen,“ sagte die Energieexpertin des DIW Berlin. „Langfristszenarien über 15 bis 20 Jahre sind, was sie sind: Szenarien, die eintreten können, aber nicht müssen - insbesondere dann nicht, wenn rechtzeitig gegengesteuert wird“.
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