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Wochenbericht des DIW Berlin 9/00

Weiter wachsende Bedeutung der privaten Ausgaben für den motorisierten Individualverkehr

Bearbeiter Ulrich Voigt
Die Ausgaben für Verkehrsleistungen sind eine der wichtigsten Verwendungskategorien im Budget der privaten Haushalte; ihre Bedeutung hat im Laufe der Zeit deutlich zugenommen. Im Jahre 1998 betrugen sie rund 310 Mrd. DM, dies entsprach einem Anteil an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte von rund 15 %. [1] Davon entfielen fast neun Zehntel auf Ausgaben zur Anschaffung und zum Betrieb von Personenkraftwagen.

Mit den hier vorgelegten Ergebnissen wird der Stellenwert der Verkehrsausgaben für die privaten Haushalte - auch nach Einkommensklassen differenziert - dargestellt und die Bedeutung zusätzlicher Belastungen, wie sie sich derzeit aus den Preiserhöhungen für Kraftstoffe ergeben, im Rahmen der Verbrauchsrechnung der Haushalte sichtbar gemacht.

Langfristige Entwicklung der Verkehrsausgaben der privaten Haushalte In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes werden die Käufe der privaten Haushalte nach Verwendungsbereichen, u. a. auch für Verkehrszwecke, differenziert ausgewiesen. Für die alten Bundesländer ist dabei eine weit zurückreichende Darstellung möglich.

Die langfristige Betrachtung zeigt, dass die Verkehrsausgaben einen ständig zunehmenden Stellenwert im Budget der privaten Haushalte erlangten (Tabelle 1). Sie nahmen in den alten Bundesländern von 4 Mrd. DM im Jahre 1950 auf 194 Mrd. DM im Jahre 1990 zu; mit einer Rate von 10,2 % im Jahresdurchschnitt stiegen sie wesentlich schneller als die Käufe der privaten Haushalte insgesamt (7,8 %).

Damit erhöhte sich die Bedeutung der Ausgaben für Mobilität beträchtlich. Während im Jahre 1950 lediglich 6,4 % der Konsumausgaben in den alten Ländern auf Verkehrsleistungen entfielen, stieg der Anteil bis 1990 auf 15 %. Mit der deutschen Wiedervereinigung expandierte aufgrund der überaus starken Zunahme der Käufe von Kraftfahrzeugen ostdeutscher Haushalte das Gewicht der Verkehrsausgaben besonders kräftig. Ihr Anteil am privaten Konsum in Deutschland entsprach Mitte der neunziger Jahre, nach einer gewissen Normalisierung, etwa dem in den alten Bundesländern vor der Vereinigung. Seitdem ist er weiter leicht gestiegen.

Derzeit bilden die Verkehrsausgaben nach den Ausgaben für Wohnungsmiete und denjenigen für Nahrungs- und Genussmittel die drittgrößte Verwendungskategorie im Budget der privaten Haushalte, während sie 1950 erst an sechster Stelle gestanden hatten. Diese Entwicklung zeigt, dass für die privaten Haushalte das Bedürfnis nach Mobilität, vor allem im Hinblick auf den eigenen Pkw, bei gestiegenem Einkommen und dadurch geschaffenen größeren Spielräumen bei der Ausgabengestaltung zu einem bestimmenden Faktor geworden ist, während die Aufwendungen für Nahrungs- und Genussmittel oder für Bekleidung und Schuhe an Bedeutung verloren haben.

Die Aufteilung der Verkehrsausgaben der Haushalte auf öffentliche und private Verkehrsmittel wird seit 1970 statistisch nachgewiesen (Tabelle 2). Danach entfällt nur ein relativ geringer Teil auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. [2] Ihr Anteil an den gesamten Verkehrsausgaben ist in den alten Bundesländern im Zeitraum 1970 bis 1990 von 18 % auf 12 % zurückgegangen. In Deutschland insgesamt lag dieser Anteil 1998 bei 13 %, absolut waren das rund 40 Mrd. DM.

Die starke Expansion der Verkehrsausgaben ging vor allem auf die private Motorisierung zurück. So sind die Ausgaben für die Anschaffung und Nutzung von Kraftfahrzeugen von 1970 bis 1990 in den alten Bundesländern im Jahresdurchschnitt um 7,8 % gestiegen. Die Zunahme übertraf damit die der Haushaltsausgaben insgesamt, die sich im Mittel um 6,6 % pro Jahr erhöhten. Im Jahre 1998 wendeten die Haushalte in Deutschland rund 270 Mrd. DM für die Anschaffung und Nutzung von Kraftfahrzeugen auf. Damit entfiel etwa jede achte Mark des privaten Konsums auf den motorisierten Individualverkehr.

Die starke Erhöhung der Verkehrsausgaben wird vor allem von der Entwicklung der Zahl der Personenkraftwagen geprägt. Während 1970 in Westdeutschland erst knapp die Hälfte aller Haushalte über ein eigenes Fahrzeug verfügte, waren es im Jahre 1990 schon etwa 70 % (Tabelle 3). In den letzten Jahren ist die Zahl der Haushalte, die sich erstmals motorisiert haben, weiter gestiegen. Nach den Ergebnissen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1998 verfügten gut drei Viertel aller Haushalte in Westdeutschland über wenigstens ein eigenes Fahrzeug. Zudem nimmt die Zweit- und Drittwagenmotorisierung weiter zu. Knapp ein Fünftel aller westdeutschen Haushalte besaß 1998 mehr als ein Fahrzeug; im Jahre 1988 waren es erst 14 %. [3]

Auch bei den Haushalten in Ostdeutschland lässt sich ein Trend zur Vollmotorisierung feststellen. Nachdem in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung die Ausgaben für die Anschaffung von Personenkraftwagen einen Anteil an den gesamten Konsumausgaben bis zu 17 % aufgewiesen und damit die westdeutschen Vergleichswerte um fast das Dreifache übertroffen hatten, waren bereits 1993 zwei Drittel aller Haushalte in den neuen Bundesländern mit mindestens einem eigenen Fahrzeug ausgestattet. Im Jahre 1998 betrug der Motorisierungsgrad 71 % und lag damit nur noch um 5 Prozentpunkte unter dem Wert in Westdeutschland. Bei der Zweit- und Drittwagenausstattung war mit gut 18 % das westdeutsche Ausstattungsniveau schon fast erreicht.

Verkehrsausgaben und Haushaltseinkommen Die wichtigste Bestimmungsgröße für die Entscheidung, ein eigenes Fahrzeug anzuschaffen und zu nutzen - und damit für die Höhe der Verkehrsausgaben -, ist das Haushaltseinkommen. Mit den Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 1998 ist eine differenzierte Betrachtung der Verkehrsausgaben und der Motorisierung nach Einkommensklassen möglich.

Die Ergebnisse zeigen, dass in den unteren Klassen ein eigener Wagen nicht zur Standardausstattung eines Haushalts gehört. So verfügt in der Gruppe mit einem monatlichen Nettoeinkommen bis zu 1 400 DM ein Drittel der Haushalte über einen Pkw, in der Einkommensklasse 1 400 DM bis 2 200 DM schon etwa die Hälfte. Auf beide Kategorien zusammen entfällt gut ein Viertel aller Haushalte. Von einem Haushaltseinkommen von 4 000 DM an (rund ein Drittel der Haushalte) ergeben sich Ausstattungsquoten von deutlich über 90 %. Diese steigen mit zunehmendem Einkommen nur noch geringfügig, so dass einkommensbedingte Beschränkungen bei der Entscheidung, ein eigenes Fahrzeug zu halten, hier kaum noch zu erkennen sind (Tabelle 4).

In den höheren Einkommensklassen spielen zudem Zweit- oder Drittfahrzeuge eine zunehmende Rolle. So entfallen z. B. in der Einkommensklasse 4 000 DM bis 5 000 DM auf jeden Haushalt im Mittel 1,3 Fahrzeuge; in der Klasse 5 000 DM bis 7 000 DM sind es 1,5. Mit steigendem Einkommen nimmt die Dichte weiter zu. In den oberen Einkommensbereichen dürfte daher noch Potential für eine weitere Zunahme der Zahl der Pkw vorhanden sein.

Die Ergebnisse der EVS zeigen, dass auch bei einkommensbezogener Betrachtung nur noch geringe Unterschiede in der Haushaltsmotorisierung zwischen West- und Ostdeutschland bestehen. Lediglich in den unteren Einkommensgruppen fallen die Ausstattungsquoten in Ostdeutschland etwas niedriger aus. Von einem Einkommen von etwa 3 000 DM an sind die Motorisierungswerte jedoch nahezu gleich. Auch hinsichtlich der Zweit- und Drittwagenausstattung sind keine signifikanten Unterschiede festzustellen.

Die monatlichen Ausgaben der Haushalte für Verkehrszwecke betrugen 1998 in den alten Bundesländern im Durchschnitt 690 DM (Tabelle 5). Ihre Höhe lässt ebenfalls eine deutliche Abhängigkeit vom Nettoeinkommen erkennen. Dies gilt sowohl für die Aufwendungen zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel als auch für die Ausgaben zur Anschaffung und Haltung von Personenkraftwagen.

So werden von den Haushalten in der niedrigsten Einkommensklasse (unter 1 800 DM) monatlich 37 DM für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ausgegeben. [4] Dieser Betrag steigt bis auf 99 DM in der höchsten Einkommensklasse (10 000 DM bis unter 35 000 DM). Die Zunahme verläuft jedoch unterproportional zum gesamten privaten Verbrauch, so dass der Anteil der Ausgaben für öffentliche Verkehrsmittel mit zunehmendem Einkommen rückläufig ist.

Die Ausgaben für den motorisierten Individualverkehr übertreffen mit monatlichen Beträgen von 81 DM in der untersten bis 1 546 DM in der obersten Einkommensklasse die Ausgaben für öffentliche Verkehrsmittel beträchtlich. Ihr Anteil am Konsum der Haushalte nimmt - im Unterschied zu dem der öffentlichen Verkehrsmittel - mit steigendem Einkommen zu. Er beträgt in der einkommensschwächsten Kategorie (bis 1 800 DM) 5 % und erreicht in den einkommensstarken Gruppen (7 000 DM und mehr) Werte von 17 % und 19 % (Tabelle 5). In Ostdeutschland liegen die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für Verkehrszwecke (590 DM) noch etwas unter dem westdeutschen Vergleichswert. Bei der Verteilung nach Einkommensgruppen ergibt sich für die Pkw-Ausgaben eine ähnliche Struktur: Mit steigendem Einkommen entfallen auch hier zunehmende Ausgabenanteile auf die Verkehrsleistungen.

Betrachtet man die Pkw-Ausgaben differenziert nach den Komponenten - Fahrzeuganschaffung,
- Reparaturen, Ersatzteile,

- Kraftstoffe sowie

- Steuern und Versicherungen,

so zeigt sich, dass der mit zunehmendem Einkommen steigende Anteil der Pkw- Ausgaben insgesamt fast ganz auf die Ausgaben für Fahrzeuganschaffung zurückzuführen ist. Die Ausgaben für die anderen Bereiche verändern sich etwa parallel zu den Gesamtausgaben der Haushalte. Für die Anschaffung von Pkw geben die Haushalte in Westdeutschland in der niedrigsten Einkommensklasse, für die die Daten statistisch belegt sind (2 500 DM bis unter 3 000 DM), im Durchschnitt 119 DM je Monat aus. [5] Demgegenüber entfällt auf Haushalte in der einkommensstärksten Gruppe mit 838 DM etwa das Siebenfache dieses Betrages. Der Anteil am privaten Verbrauch erhöht sich zwischen diesen beiden Einkommensklassen von 4,6 % auf 10,2 %.

Diese Verteilung macht deutlich, dass die Fahrzeuganschaffung im Budget der Haushalte eine herausragende Stellung hat. Sofern die Grundbedürfnisse gedeckt sind, werden frei verfügbare Mittel mit Priorität für den eigenen Wagen aufgewendet. In den höheren Einkommensklassen ist nicht nur die Mehrfachmotorisierung besonders ausgeprägt; die Ergebnisse der EVS zeigen auch, dass in diesen Gruppen in überdurchschnittlichem Maße fabrikneue Fahrzeuge gekauft oder geleast werden. Die zunehmenden Konsumanteile für die Fahrzeuganschaffung gerade in den wirtschaftlich besser gestellten Haushalten sind ein Anzeichen dafür, dass der Pkw von den Konsumenten als superiores Gut eingeschätzt wird. Sie belegen auch, dass sich bei den Ausgaben für die Pkw-Anschaffung vorerst keine Sättigungstendenzen abzeichnen.

Ausgaben für Kraftstoffe Neben den Kraftstoffpreisen und den spezifischen Verbrauchsmengen der jeweiligen Fahrzeuge bestimmen die Fahrleistungen der Haushalte die Ausgaben für Kraftstoffe. Insofern spiegeln die Verbrauchsausgaben der Haushaltsgruppen zu einem großen Teil auch einkommensbedingte Unterschiede der Pkw-Nutzung wider.

Die Spannbreite der Ausgaben liegt in Westdeutschland zwischen 26 DM je Monat in der niedrigsten Einkommensgruppe (unter 1 800 DM) und 230 DM bei den einkommensstärksten Haushalten. Die Unterschiede dürften - neben den unterschiedlichen Motorisierungsdichten - vor allem darauf zurückzuführen sein, dass in den wohlhabenderen Haushalten - u. a. wegen der stärkeren Mehrfachmotorisierung - höhere Fahrleistungen zu registrieren sind. [6] Die einkommensbedingte Zunahme der Kraftstoffausgaben in den Haushaltsgruppen verläuft durchweg parallel zur Steigerung des gesamten privaten Konsums. Der entsprechende Anteil der Kraftstoffausgaben in den verschiedenen Einkommensklassen liegt jeweils bei etwa 3 %.

Betrachtet man allein die motorisierten Haushalte, so zeigt sich, dass sich insbesondere in den unteren Einkommensklassen aufgrund des höheren Anteils nichtmotorisierter Haushalte die Belastungswerte erhöhen. Im Mittel aller Haushalte beträgt der Ausgabenanteil hier 4 %; in den Gruppen bis zu einem monatlichen Nettoeinkommen von 3 000 DM liegen sie zwischen 4 % und 5 %.

Entwicklung der Kraftstoffpreise In den neunziger Jahren haben sich die Kraftstoffe deutlich verteuert. So stieg der Preis für bleifreies Superbenzin, dem derzeit meist verwendeten Kraftstoff, von 1990 bis 1998 um 33 % und übertraf damit die Zunahme der allgemeinen Lebenshaltungskosten um 9 Prozentpunkte. Ursächlich für diese Entwicklung war ausschließlich die Steigerung der Steuerbelastung, vor allem von 1991 bis 1994. In diesem Zeitraum wurde die Mineralölsteuer für bleifreies Benzin um insgesamt 41 Pfennige je Liter angehoben.

Der Benzinpreis vor Steuern war im vergangenen Jahrzehnt starken Schwankungen unterworfen. Im Jahre 1998 (38 Pfennige) war er 9 Pfennige niedriger als 1990 (Abbildungen 1 und 2).

Derzeit sind bei Benzin und Diesel Preiserhöhungen zu verzeichnen, die sich zum einen durch Erhöhungen der Mineralölsteuer im Zuge der ökologischen Steuerreform [7] und zum anderen durch die Marktpreisentwicklung bei Rohöl ergeben. Gegenüber den Jahresdurchschnittswerten von 1998 waren die Preise Ende Januar 2000 für Benzin [8] um 18 % und für Diesel um 30 % höher. [9] An diesen Zunahmen sind die Erhöhung der Mineralölsteuer einschließlich der darauf entfallenden Mehrwertsteuer (insgesamt 14 Pfennige je Liter) zu etwa zwei Fünfteln beteiligt; der größere Teil der Preissteigerungen ist allerdings auf die Marktentwicklung zurückzuführen. Während die künftige Entwicklung des Rohölpreises unsicher ist, sind für die Mineralölsteuer bis 2003 Erhöhungen gegenüber 1998 von insgesamt 30 Pfennigen je Liter Benzin und Diesel gesetzlich festgelegt. Diese Erhöhungen (mit der anteiligen Mehrwertsteuer) verteuern für sich genommen den Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte um 23 % gegenüber 1998. Mit der Einkommens- und Verbrauchsstruktur 1998 kann die Bedeutung von Kraftstoffpreisänderungen im Budget der privaten Haushalte abgeschätzt werden. Daraus ergibt sich für das Jahr 2003 eine mittlere zusätzliche Ausgabenbelastung aller motorisierten Haushalte um 0,9 %. In den unteren Einkommensklassen (bis 2 500 DM) liegt sie mit bis zu 1,1 % noch etwas darüber.

Fazit In den vergangenen Jahrzehnten haben die Ausgaben der privaten Haushalte für Mobilität und insbesondere für den motorisierten Individualverkehr zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Entwicklung wird nach den vorliegenden Ergebnissen weiter anhalten. Sowohl die Zunahme der Verbrauchsausgaben im Zeitablauf als auch ihre einkommensbezogene Haushaltsverteilung zeigen, dass vorhandene Ausgabenspielräume zu einem überdurchschnittlichen Teil für den motorisierten Individualverkehr genutzt werden.

Die im Rahmen der ökologischen Steuerreform beschlossene Erhöhung der Mineralölsteuer führt zu Mehrbelastungen der Haushaltsbudgets, die sich insgesamt in moderaten Grenzen halten, wobei allerdings die einkommensschwächeren Haushalte relativ etwas stärker belastet werden. Zu berücksichtigen ist, dass sich die Preiserhöhungen auf vier Jahre verteilen. Zudem ergibt sich für viele Haushalte durch die im Maßnahmenbündel der ökologischen Steuerreform vorgesehene Reduzierung der Rentenversicherungsbeiträge eine gewisse Kompensation beim Nettoeinkommen. [10]

Angesichts der relativ preisunelastischen Nachfrage nach Kraftstoffen dürften die mit der ökologischen Steuerreform verbundenen Preiserhöhungen, die bei Benzin geringer als in der Vergangenheit ausfallen, nicht zu stärkeren Einschränkungen bei der Pkw-Benutzung führen. Tendenziell wird die Bereitschaft, Fahrzeuge mit geringerem Kraftstoffverbrauch einzusetzen, gestärkt werden. Dies wird allerdings in der Regel im Zusammenhang mit einer Ersatzbeschaffung erfolgen und sich daher erst mittel- bis langfristig auswirken. Kurzfristig dürfte nur mit einem geringen Rückgang der Fahrleistungen und des Kraftstoffabsatzes zu rechnen sein.

[1] Die Ergebnisse werden hier in der Gliederung des bislang vom Statistischen Bundesamt verwendeten deutschen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen dargestellt. Für das seit dem vergangenen Jahr verbindliche Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 1995 (ESVG 1995) wird nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes eine Rückrechnung der Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte vor 1991 auf die neue Klassifikation erst später erfolgen. Vgl. auch Peter Bless, Hartmut Essig, Norbert Hartmann und Wolfgang Strohm: Revisionen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen 1999 - Anlaß, Konzeptänderungen und neue Begriffe. In: Wirtschaft und Statistik, Heft 4/99, S. 257 ff.

[2] Diese Ausgaben werden vom Statistischen Bundesamt in der Kategorie "Fremde Verkehrsleistungen" ausgewiesen. Sie enthalten auch einen geringen Anteil für Güterverkehrsleistungen.

[3] Zur langfristigen Entwicklung der Haushaltsmotorisierung vgl.: Pkw- Bestandsentwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2010. Bearb.: Rainer Hopf. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 22/94, S. 357 ff.

[4] Bei diesen Ergebnissen der EVS ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine Durchschnittsbetrachtung handelt, in der auch Haushalte mit geringer Mobilität erfasst sind.

[5] In den untersten Einkommensklassen sind die Ausgaben für die Fahrzeuganschaffung statistisch zu gering repräsentiert und werden nicht ausgewiesen.

[6] Vgl. Hartmut Kuhfeld, Holger Schlör und Ulrich Voigt: Ökonomische Folgenanalyse im Rahmen des TAB-Projektes "Optionen zur Entlastung des Verkehrsnetzes und zur Verlagerung von Straßenverkehr auf umweltfreundlichere Verkehrsträger", Gutachten des DIW im Auftrag des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Berlin 1996, S. 129.

[7] Im Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform vom 24. März 1999 (BGBl.I, S. 378, 1999) sowie im Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform vom 16. Dezember 1999 (BGBl.I, S. 2432, 1999) ist u. a. eine Erhöhung der Mineralölsteuer um jeweils 6 Pfennige je Liter Benzin und Diesel zum 1. April 1999 sowie zum 1. Januar der Jahre 2000, 2001, 2002 und 2003 beschlossen worden. Zu den konzeptionellen Grundlagen einer ökologischen Steuerreform und der Einbeziehung des Verkehrssektors vgl. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung und Finanzwissenschaftliches Forschungsinstitut an der Universität Köln: Anforderungen von und Anknüpfungspunkte für eine Reform des Steuersystems unter ökologischen Aspekten, Gutachten im Auftrag des Umweltbundesamtes, Berlin 1999. Sowie: Ökologische Steuerreform: Umwelt- und steuerpolitische Ziele zusammenführen. Bearb.: Stefan Bach, Michael Kohlhaas, Bodo Linscheidt, Bernhard Seidel und Achim Truger. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 36/99, S. 643 ff.

[8] Gewichteter Durchschnitt nach den Verbrauchsanteilen von Normalbenzin, Super und Super Plus.

[9] Angaben der Firma ARAL.

[10] Zu einer Gesamtbewertung der bislang im Rahmen der ökologischen Steuerreform beschlossenen Maßnahmen vgl.: Nur zaghafter Einstieg in die ökologische Steuerreform. Bearb.: Stefan Bach und Michael Kohlhaas. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 36/99, S. 652 ff.

                                                                             
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Tabelle 1                                                                        
Käufe der privaten Haushalte in Deutschland nach Verwendungszwecken (1)         
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                                 1950  1960  1970  1980  1990  1991  1995  1998 
                                                                                
  Mrd. DM                                                                       
                                                                                
Nahrungsmittel, Getränke, Tabakw.  27    63   108   200   286   340   372   383 
Bekleidung, Schuhe                  9    20    37    76   107   128   136   136 
Wohnungsvermietung                  4    17    45   112   213   238   363   436 
Energie (ohne Kraftstoffe)          1     5    14    45    51    68    72    73 
Güter für                                                                       
 Haushaltsführung                   7    20    37    81   121   150   172   176 
 Gesundheits- und Körperflege       3     8    17    38    68    83   108   120 
 Verkehr                            4    14    46   104   194   256   278   312 
 Nachrichtenübermittlung            0     1     5    16    28    32    42    48 
 Bildung, Unterhaltung, Freizeit    5    14    37    85   134   165   188   204 
 Persönliche Ausstattung            2     8    16    49    91   111   149   162 
Käufe insgesamt                    63   170   361   804  1294  1569  1879  2051 
  Anteile in %                                                                  
                                                                                
Nahrungsmittel, Getränke, Tabakw.43,5  37,2  30,0  24,9  22,1  21,7  19,8  18,7 
Bekleidung, Schuhe               14,3  11,6  10,3   9,4   8,3   8,1   7,2   6,6 
Wohnungsvermietung                7,2   9,9  12,4  13,9  16,5  15,1  19,3  21,3 
Energie (ohne Kraftstoffe)        2,4   3,0   3,9   5,6   4,0   4,3   3,8   3,6 
Güter für                                                                       
 Haushaltsführung                10,6  11,5  10,1  10,1   9,4   9,6   9,1   8,6 
 Gesundheits- und Körperflege     4,3   4,9   4,6   4,7   5,3   5,3   5,7   5,9 
 Verkehr                          6,4   8,5  12,8  12,9  15,0  16,3  14,8  15,2 
 Nachrichtenübermittlung          0,3   0,5   1,3   1,9   2,1   2,1   2,2   2,4 
 Bildung, Unterhaltung, Freizeit  7,4   8,5  10,2  10,5  10,4  10,5  10,0   9,9 
 Persönliche Ausstattung          3,6   4,4   4,4   6,1   7,0   7,1   7,9   7,9 
Käufe insgesamt                   100   100   100   100   100   100   100   100 
                                                                                
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(1) In jeweiligen Preisen; bis einschließlich 1990 alte Bundesländer.           
Daten nach dem alten VGR-Konzept (vgl. Fußnote 1 des Textes).                   
Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW.                         
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Tabelle 2                                                                        
Ausgaben der privaten Haushalte für Verkehrsleistungen (1)                      
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
       Verkehr Öffentlicher  Motorisierter Individualverkehr (3)    Nachrichtl: 
      insgesamt Verkehr(2) Insge-  Fahrzeug- Kraft-dar. Mineral-Übr. Kfz-  Kfz- 
                            samt anschaffung stoffe  ölsteuer   Ausgaben Steuer 
                                                                          (4)   
                                         Mrd. DM                                
                                                                                
  1970   46,1     8,4      37,7      14,0      8,2      4,9     15,5     2,0    
  1975   69,3    11,7      57,6      20,8     16,4      8,5     20,4     2,8    
  1980  103,7    15,4      88,3      31,4     28,8     10,9     28,1     3,5    
  1985  133,3    18,4     114,8      43,3     35,3     13,1     36,3     3,9    
  1990  194,5    24,0     170,5      75,5     38,4     18,8     56,5     4,4    
                                                                                
  1991  255,7    30,1     225,6     102,4     49,9     28,1     73,4     5,1    
  1995  277,9    35,2     242,7     102,1     60,2     39,4     80,4     7,3    
  1998  312,3    41,1     271,2     116,3     62,0     37,4     92,9     8,0    
                                                                                
               Anteil an den Gesamtausgaben der privaten Haushalte in %         
                                                                                
  1970   12,7     2,3      10,4       3,9      2,3      1,3      4,3     0,6    
  1975   12,3     2,1      10,2       3,7      2,9      1,5      3,6     0,5    
  1980   12,9     1,9      11,0       3,9      3,6      1,4      3,5     0,4    
  1985   13,3     1,8      11,5       4,3      3,5      1,3      3,6     0,4    
  1990   15,1     1,9      13,2       5,8      3,0      1,5      4,4     0,3    
                                                                                
  1991   16,3     1,9      14,4       6,5      3,2      1,8      4,7     0,3    
  1995   14,8     1,9      12,9       5,4      3,2      2,1      4,3     0,4    
  1998   15,2     2,0      13,2       5,7      3,0      1,8      4,5     0,4    
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) In jeweiligen Preisen; bis einschließlich 1990 alte Bundesländer.           
(2) Einschl. Güterverkehrsleistungen.                                           
(3) Einschl. motorisierter Zweiräder.                                           
(4) Die Kfz-Steuer wird in der Verwendungsrechnung des Inlandsprodukts nicht    
bei den Käufen der privaten Haushalte erfasst.                                  
Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW.                         
=============================================================================== 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 3                                                                        
Ausstattung der privaten Haushalte mit Personenkraftwagen (1) am 1. Januar 1998 
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                             Einheit       Alte        Neue     Deutsch-        
                                          Bundes-     Bundes-    land           
                                          länder      länder                    
                                                                                
Anzahl der Haushalte                                                            
insgesamt                     Mill.        29,9         6,8        36,7         
 darunter Haushalte                                                             
 mit Pkw                      Mill.        22,8         4,8        27,6         
  mit einem Pkw               Mill.        17,0         3,5        20,6         
  mit zwei Pkw                Mill.         5,0         1,1         6,1         
  mit drei oder mehr Pkw      Mill.         0,7         0,2         0,9         
                                                                                
Ausstattungsgrad der                                                            
Haushalte                                                                       
 Haushalte mit Pkw              %          76,2        70,6        75,1         
 mit einem PKW                  %          56,9        52,3        56,0         
 mit zwei PKW                   %          16,8        16,0        16,7         
  mit drei oder mehr Pkw        %           2,4         2,3         2,4         
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) Ohne vorübergehend abgemeldete Fahrzeuge sowie rein gewerblich genutzte     
Pkw.                                                                            
Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW.                         
=============================================================================== 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 4                                                                        
Ausstattung der privaten Haushalte mit Pkw nach monatlichem Nettoeinkommen      
am 1. Januar 1998                                                               
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
Haushalte mit       Alte Bundesländer   Neue Bundesländer       Deutschland     
einem monatlichen                                                               
Nettoeinkommen    Haushalte   Pkw je   Haushalte   Pkw je   Haushalte  Pkw je   
  von ... DM bis   mit Pkw   Haushalt   mit Pkw   Haushalt   mit Pkw  Haushalt  
  unter ... DM       in %                 in %                in %              
                                                                                
1 400 - 1 400        32,1       0,3       26,3       0,3       30,8       0,3   
1 400 - 2 200        51,2       0,5       49,2       0,5       50,8       0,5   
2 200 - 3 000        73,6       0,8       71,6       0,8       73,2       0,8   
4 000 - 5 000        94,4       1,3       95,6       1,4       94,6       1,3   
5 000 - 7 000        96,2       1,5       97,2       1,6       96,3       1,5   
7 000 und mehr       97,7       1,7       96,3       1,8       97,6       1,7   
Alle Haushalte       76,2       1,0       70,6       0,9       75,1       1,0   
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW.                         
=============================================================================== 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 5                                                                        
Monatliche Aufwendungen der Haushalte für Verkehrsleistungen im Jahre 1998      
nach dem Nettoeinkommen                                                         
=============================================================================== 
                                                                                
Haushalte mit                       Alte Bundesländer                           
einem monatlichen  Privater Öffent-  Motor. Individualverkehr (2)               
Nettoeinkommen      Ver-    licher   Ins-   Fahr-  Repa- Kraft-Steuer,          
von . DM bis       brauch    Ver-   gesamt zeugan- ratur,stoffe Vers..          
unter . DM                  kehr (1)       schaff.Ers.teile                     
                                                                                
  Ausgaben in DM                                                                
                                                                                
     0 -  1 800     1 516     37       81      .    20    26    25              
 1 800 -  2 500     2 119     47      221      .    52    57    57              
 2 500 -  3 000     2 592     45      356    119    69    80    88              
 3 000 -  4 000     3 212     49      443    158    93    94    98              
 4 000 -  5 000     3 884     41      515    160   103   126   126              
 5 000 -  7 000     4 805     50      779    321   136   160   162              
 7 000 - 10 000     6 092     68    1 030    473   175   194   188              
10 000 - 35 000     8 248     99    1 546    838   255   230   223              
Alle Haushalte      4 136     54      633    266   115   126   126              
                                                                                
              Anteil an den Gesamtausgaben der privaten Haushalte in %          
                                                                                
     0 -  1 800       100    2,4      5,3     .    1,3   1,7   1,6              
 1 800 -  2 500       100    2,2     10,4     .    2,5   2,7   2,7              
 2 500 -  3 000       100    1,7     13,7    4,6   2,7   3,1   3,4              
 3 000 -  4 000       100    1,5     13,8    4,9   2,9   2,9   3,1              
 4 000 -  5 000       100    1,1     13,3    4,1   2,7   3,2   3,2              
 5 000 -  7 000       100    1,0     16,2    6,7   2,8   3,3   3,4              
 7 000 - 10 000       100    1,1     16,9    7,8   2,9   3,2   3,1              
10 000 - 35 000       100    1,2     18,7   10,2   3,1   2,8   2,7              
Alle Haushalte        100    1,3     15,3    6,4   2,8   3,0   3,0              
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
Haushalte mit                     Neue Bundesländer                             
einem monatlichen  Privater Öffent- Motor. Individualverkehr (2)                
Nettoeinkommen      Ver-    licher  Ins-   Fahr- Repa- Kraft-Steuer,            
von . DM bis       brauch    Ver-  gesamt zeugan-ratur,stoffe Vers.             
unter . DM                 kehr (1)       schaff.Ers.teile                      
                                                                                
  Ausgaben in DM                                                                
                                                                                
     0 -  1 800    1 381    35       72      .    15    19    26                
 1 800 -  2 500    2 097    39      251      .    40    48    77                
 2 500 -  3 000    2 456    42      323      .    62    73    99                
 3 000 -  4 000    3 056    41      409    118    86    95   110                
 4 000 -  5 000    3 874    50      700    314   107   124   155                
 5 000 -  7 000    4 561    48      844    336   140   172   196                
 7 000 - 10 000    5 985    63    1 481    816   195   207   263                
10 000 - 35 000    6 850    86    1 778      .   232   215   247                
Alle Haushalte     3 259    45      547    227    90   102   128                
                                                                                
           Anteil an den Gesamtausgaben der privaten Haushalte in %             
                                                                                
     0 -  1 800      100   2,5      5,2     .    1,1   1,4   1,9                
 1 800 -  2 500      100   1,9     12,0     .    1,9   2,3   3,7                
 2 500 -  3 000      100   1,7     13,2     .    2,5   3,0   4,0                
 3 000 -  4 000      100   1,3     13,4    3,9   2,8   3,1   3,6                
 4 000 -  5 000      100   1,3     18,1    8,1   2,8   3,2   4,0                
 5 000 -  7 000      100   1,1     18,5    7,4   3,1   3,8   4,3                
 7 000 - 10 000      100   1,1     24,8   13,6   3,3   3,5   4,4                
10 000 - 35 000      100   1,3     26,0     .    3,4   3,1   3,6                
Alle Haushalte       100   1,4     16,8    7,0   2,8   3,1   3,9                
                                                                                
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1) Einschließlich motorisierter Zweiräder.                                      
(2) Einschließlich sonstiger Verkehrsdienstleistungen.                          
Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW.                         
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Wochenbericht 9/2000