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Wochenbericht des DIW Berlin 45/01

Arbeitsmarkt im Abschwung

Bearbeiter Camille Logeay
Mit dem konjunkturellen Rückschlag hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland erheblich verschlechtert. Noch im vergangenen Jahr war die Arbeitslosigkeit spürbar zurückgegangen und die Beschäftigung merklich gestiegen. Hinzu kam, dass im Zuge der Revision der Erwerbstätigenstatistik vom Statistischen Bundesamt im August 2000 die Zahl der Erwerbstätigen deutlich nach oben korrigiert wurde, für das Jahr 1999 z. B. um 1,8 Mill. Personen. Dieses Mehr an Erwerbstätigkeit ist allerdings ausschließlich das Ergebnis einer besseren Erfassung der geringfügigen Beschäftigung, wie sie seit der im April 1999 in Kraft getretenen Neuregelung dieser Art von Beschäftigungsverhältnissen definiert ist. [1] Mit den revidierten Daten ergibt sich auch ein erheblich günstigeres Bild der Beschäftigungsentwicklung, vor allem in der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Doch wird sich angesichts des Abschwungs dieser positive Trend zunächst nicht fortsetzen.
Beschäftigung reagiert stark auf Konjunktur Von 1991 bis 1993 war die Beschäftigungsentwicklung durch die unmittelbaren Effekte der Wiedervereinigung und der nachfolgenden Rezession gekennzeichnet. Die Zahl der Erwerbstätigen nahm in diesem Zeitraum um mehr als eine Million Personen ab (Abbildung 1). Mit der Überwindung der Rezession stabilisierte sich die Beschäftigung. Der leichten Zunahme im Aufschwung 1994 folgte dann aber - bedingt vor allem durch die Krise der Bauwirtschaft in Ostdeutschland 1995/96 - wieder ein Rückgang. Insgesamt gab es in diesen drei Jahren bei leichtem Wachstum keine nachhaltige Ausweitung der Erwerbstätigkeit.

Erst mit dem kräftigeren Aufschwung im Zeitraum 1997 bis 2000 stieg die Beschäftigung mit etwa 1,5 Mill. zusätzlichen Arbeitsplätzen deutlich. Hier waren die Dienstleistungsbereiche Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister mit einem Plus von 6,4 % die treibende Kraft. Schlusslichter waren das produzierende Gewerbe (-0,3 %), die Land- und Forstwirtschaft (-1,0 %) und der Bau (-2,7 %). Diese Entwicklung kennzeichnet den anhaltenden Strukturwandel von einer industriegeprägten zu einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft.

Die Zunahme der Erwerbstätigkeit in diesem Zeitraum ist hauptsächlich auf die Ausweitung der so genannten geringfügigen Beschäftigung [2] zurückzuführen, die gerade im Dienstleistungsbereich besonders ausgeprägt war. Dies zeigt sich auch beim Vergleich der alten mit den im August 2000 revidierten Daten. Hinzu kam der anhaltende Anstieg der regulären Teilzeitarbeit; die Teilzeitquote insgesamt stieg von 11,8 % im Jahre 1991 auf 17,6 % im vergangenen Jahr. [3]

Mit dem Konjunkturabschwung seit Herbst 2000 ist diese insgesamt positive Entwicklung allerdings zu Ende gegangen. Die Aussichten für dieses Jahr sind denn auch vor dem Hintergrund der ungünstigen Konjunkturprognosen düster. So ist die Beschäftigung schon seit Anfang dieses Jahres rückläufig; in den ersten beiden Quartalen gab es ein Minus von jeweils etwa 30 000 Personen. [4] Die Erwartung einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,7 % für dieses Jahr [5] impliziert ein Wachstum von 0,5 % für das zweite Halbjahr 2001. Dieses Tempo ist nicht ausreichend, um die Abwärtsentwicklung bei der Beschäftigung aufzuhalten. Bis Mitte kommenden Jahres ist mit einem weiteren Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen zu rechnen.

Angesichts der stark steigenden Teilzeitarbeit wird die Ausweitung der Beschäftigung - gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen - überzeichnet. Ein genauerer Indikator ist das Arbeitsvolumen. Zu dessen Messung werden hier zwei verschiedene Konzepte verwendet: das geleistete Arbeitsvolumen (Gesamtwirtschaft) und das bezahlte Arbeitsvolumen (nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte). [6] Die erste Größe misst die Zahl der Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen, die unter Berücksichtigung z. B. von Urlaubszeiten, Krankheitstagen und Überstunden tatsächlich geleistet werden. Mit der zweiten Größe werden dagegen die bezahlten Arbeitsstunden der Arbeitnehmer erfasst, und zwar unabhängig vom Umfang der tatsächlich geleisteten Arbeit. Allerdings wird mit diesem Konzept die Kostenbelastung durch den Einsatz des Faktors Arbeit besser abgebildet.

Aus dem Verlauf des Arbeitsvolumens ergibt sich eine deutlich schwächere Beschäftigungsentwicklung als aus der Veränderung der Zahl der Erwerbstätigen. Bei den Erwerbstätigen war Ende 2000 das Niveau von 1991 fast wieder erreicht, bei den Arbeitsstunden hingegen noch lange nicht (Abbildung 2). So gesehen war die Beschäftigungsentwicklung in den 90er Jahren sehr ungünstig. Die Kluft zwischen den beiden Indikatoren (Personen und Stunden) ist ständig größer geworden, besonders seit Mitte der 90er Jahre.

Beschäftigungsschwelle wird niedriger Das Zusammenspiel von gesamtwirtschaftlichem Wachstum und Arbeitsmarktstruktur kommt u. a. in der Beschäftigungsschwelle zum Ausdruck. Sie ist jene Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts, ab der die Beschäftigung steigt; berechnet wird sie hier auf der Basis einer ökonometrischen Schätzung (zu den Ergebnissen vgl. Kasten). Dabei ist zu beachten, dass das Ergebnis eine Art Mittelwert über einen bestimmten Zeitraum darstellt. Mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen variiert die Beschäftigungsschwelle; sie ist also kein feststehender Wert, sondern kann sich von Periode zu Periode ändern. In Phasen eines lang anhaltenden Wachstums wie in den USA in den 90er Jahren werden die Unternehmen in der Erwartung einer positiven Konjunkturentwicklung zunächst relativ viele Arbeitskräfte einstellen, und die Beschäftigungsschwelle wird niedrig sein. Mit längerer Dauer eines Aufschwungs können Arbeitskräfte jedoch knapp werden; die Beschäftigungsschwelle wird dann im Zuge verstärkter Rationalisierungsanstrengungen steigen. Werden diese Knappheiten hingegen z. B. durch Zuwanderungen oder eine adäquate Bildungspolitik gemildert, wird die Beschäftigungsschwelle entsprechend niedriger sein. In der Höhe der Beschäftigungsschwelle kommt also auch zum Ausdruck, wie flexibel der Arbeitsmarkt auf Wachstum und Konjunktur zu reagieren vermag.

Für die verschiedenen Messkonzepte ergeben sich unterschiedliche Beschäftigungsschwellen. Üblicherweise reagieren die Unternehmen auf Schwankungen der Wirtschaftsaktivität zunächst mit einer Anpassung der Stundenzahl - im Aufschwung durch eine Ausweitung der Überstunden und im Abschwung durch eine Reduzierung der Arbeitszeit, beispielsweise durch Kurzarbeit. Erst wenn sich die Aufschwungs- oder Abschwungstendenzen verfestigen, passen die Unternehmen auch die Zahl der Beschäftigten an. Die Konjunkturabhängigkeit müsste also bei der Stundenzahl stärker ausgeprägt sein als bei der Zahl der Erwerbstätigen. Dies ist nach den Schätzungen auch der Fall, wie die Koeffizienten für die Abhängigkeit der Erwerbstätigenzahl bzw. des Arbeitsvolumens vom Bruttoinlandsprodukt zeigen (vgl. Ergebnisse im Kasten). Vor dem Hintergrund der Reduzierung der durchschnittlichen Arbeitszeit ist allerdings zu erwarten, dass die Beschäftigungsschwelle für die Erwerbstätigen niedriger liegt als für die Arbeitsstunden. Dies trifft für den untersuchten Zeitraum tatsächlich zu. Von Anfang 1994 bis Mitte 2001 betrug die Differenz zwischen den beiden Beschäftigungsschwellen fast einen Prozentpunkt: Die Zahl der Erwerbstätigen stieg bereits bei einem Wachstum von 1,1 %, [7] während das Arbeitsvolumen erst bei einem Wachstum von wenigstens 1,9 % (bezahltes Volumen) bzw. 2,0 % (geleistetes Volumen) ausgeweitet wurde (Tabelle 1). Ein Vergleich mit den 80er Jahren (Westdeutschland vom ersten Quartal 1980 bis zum vierten Quartal 1990) zeigt, dass die Beschäftigungsschwellen seither leicht gesunken sind.

Arbeitslosigkeit steigt wieder Die Arbeitslosigkeit hat sich mit der üblichen Verzögerung spiegelbildlich zu der Erwerbstätigkeit entwickelt (Abbildung 3). Die Zahl der Arbeitslosen stieg von 2,6 Mill. im Jahr 1991 auf knapp 4,4 Mill. im Jahr 1997. Mit der besseren Konjunktur im Zeitraum 1998 bis 2000 bildete sich die Arbeitslosigkeit auf knapp 3,9 Mill. Personen im vergangenen Jahr zurück. Seit Anfang dieses Jahres ist sie aber als Folge des konjunkturellen Rückschlags, der Mitte 2000 einsetzte, wieder gestiegen. Der Jahresdurchschnitt 2001 dürfte zwar leicht unter dem Niveau vom Vorjahr liegen, doch nimmt die Zahl im saisonbereinigten Verlauf weiter zu.

Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt ist ausschließlich auf die Entwicklung in Westdeutschland zurückzuführen. In den neuen Ländern sind nach wie vor arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und die demographischen Veränderungen entscheidend, nicht aber die Konjunktur. So geht das Erwerbspersonenpotential nach Schätzungen des IAB in Ostdeutschland zurück: [8] Dort haben in den letzten fünf Jahren demographische Effekte (-68 000 Personen pro Jahr im Durchschnitt), der Rückgang der Erwerbsneigung (-18 000) und die Abwanderung (-15 000) den Arbeitsmarkt entlastet. Dadurch hat sich die Rückführung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (Abbildung 4) mit Ausnahme des Jahres 1998 nicht entsprechend in den Arbeitslosenzahlen niedergeschlagen. Dies dürfte auch in diesem Jahr der Fall sein.

Strukturelle Arbeitslosigkeit in Deutschland gestiegen Die Ursachen der Arbeitslosigkeit können schematisch nach zwei Hauptkategorien unterschieden werden. In die eine Kategorie fallen Faktoren, die als strukturell einzustufen sind. Darunter versteht man u. a. einen Mangel an geographischer oder beruflicher Mobilität. Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften ist in den 90er Jahren gestiegen; [9] der gleichzeitige Anstieg der Arbeitslosigkeit, insbesondere bei wenig Qualifizierten, deutet mithin auf strukturelle Probleme. [10] Diese werden mit dem Begriff "Mismatch" (mangelnde Übereinstimmung) bezeichnet. Zur zweiten Kategorie zählen Ursachen, die als konjunkturell einzuordnen sind. Hier gibt es einen unmittelbaren negativen Zusammenhang zwischen Wachstum und Arbeitslosigkeit. Allerdings sind die Grenzen zwischen beiden Kategorien fließend. So kann sich konjunkturell entstandene Arbeitslosigkeit zu einer strukturellen verfestigen, wenn die Arbeitslosen im Laufe der Zeit an Qualifikation verlieren.

Ein Instrument zur Trennung der beiden Ursachen ist die Beveridge-Kurve. [11] Sie bildet eine Beziehung zwischen der Quote der offenen Stellen (= Vakanzenquote) und der Arbeitslosenquote ab. Die theoretische Kurve verläuft konvex um die 45°-Linie. [12] Eine gesunde Wirtschaft sollte sich möglichst nahe an dieser Linie (angemessenes Wachstumsniveau) und am Ursprung (kleiner Mismatch) befinden. Im ersten Fall bestehen theoretisch für alle Arbeitslosen Beschäftigungsmöglichkeiten, im zweiten werden sie auch weitgehend genutzt. Abbildung 5 zeigt die Beveridge-Kurve für Deutschland und die USA. Bei der Interpretation ist zweierlei zu berücksichtigen. Erstens sind die Unternehmen nicht verpflichtet, ihre offenen Stellen anzumelden, was dazu führt, dass die Vakanzenquote unterschätzt ist. [13] Zweitens ist für die USA nur ein Index der offenen Stellen (help wanted index) verfügbar, so dass nur eine Vakanzenquote berechnet werden kann, die sich zu der "wahren" proportional verhält. Die Skala der Ordinatenachse für die USA ist folglich ohne Bedeutung. Allerdings kann man die 45°-Linie approximieren, indem man die Annahme trifft, dass der Arbeitsmarkt in den USA im Durchschnitt geräumt war; die Mittelwerte der beiden Variablen (Index der offenen Stellen und Arbeitslosenquote) haben sich nicht verändert.

Aus der graphischen Darstellung kann man zwei wesentliche Erkenntnisse ziehen. Sowohl in den USA als auch in Deutschland traten Arbeitslosigkeit und Vakanzen immer zugleich auf. Das bedeutet, dass ein bestimmter Grad von Mismatch fortwährend bestand. In Deutschland hat sich die Beveridge-Kurve zumindest einmal seit der Wiedervereinigung nach außen verschoben; der Mismatch ist also größer geworden. Dies lässt sich insbesondere durch den Transformationsprozess in Ostdeutschland erklären. Ob es mehrfache Verschiebungen gab, ist auf der derzeitigen Datenbasis noch nicht festzustellen. Auch in den USA dürfte sich die Kurve verschoben haben, aber nicht nur nach außen, sondern seit den 90er Jahren auch nach innen. Der Mismatch hat sich nach einer Vergrößerung in den 70er und 80er Jahren wieder verkleinert, so dass er in den 90er Jahren sogar geringer war als zwei Jahrzehnte zuvor.

Eine andere wesentliche Differenz zwischen den beiden Ländern besteht darin, dass man sich in Deutschland fast durchgängig rechts auf der Kurve befunden hat. Dies deutet auf ein niedriges Wachstum hin. In den USA geht die Kurve dagegen immer wieder von unten rechts nach oben links und umgekehrt. Die einzelnen Aufschwünge waren also - anders als in Deutschland - immer kräftig genug, um die Abschwünge wettzumachen. Dieser Befund spricht dafür, dass neben strukturellen Problemen, die sich aus dem Anpassungsprozess in Ostdeutschland ergeben, auch das schwache Wachstum während der 90er Jahre eine wesentliche Ursache für den Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit gewesen ist. Bestätigt wird dies auch durch die Ergebnisse in Tabelle 2, die die durchschnittlichen Wachstumsraten in den beiden Ländern zeigt.

Fazit Der Aufschwung am Arbeitsmarkt in Deutschland ist inzwischen zu Ende gegangen. Seit Beginn dieses Jahres geht die Beschäftigung zurück und die Arbeitslosigkeit steigt. Die wohl bis Anfang nächsten Jahres andauernde konjunkturelle Schwäche lässt erwarten, dass sich die ungünstige Arbeitsmarktentwicklung bis Mitte 2002 fortsetzt. Danach sollte mit dem prognostizierten Aufschwung eine allmähliche Wende einsetzen. Wie die Berechnungen zur Beschäftigungsschwelle zeigen, bedarf es derzeit nur einer geringen Ausweitung der gesamtwirtschaftlichen Produktion - in Höhe von gut einem Prozent -, um zumindest die Zahl der Teilzeitbeschäftigten zu erhöhen. Soll auch die Beschäftigung im Sinne des Arbeitsvolumens zunehmen, muss der Aufschwung schon kräftiger, nämlich fast doppelt so stark, ausfallen. Ob dies der Fall sein wird, ist höchst unsicher, da die wirtschaftliche Dynamik im Wesentlichen von der Nachfrage aus dem Ausland kommen dürfte. Primär käme ein solcher Aufschwung auch nur dem Arbeitsmarkt in Westdeutschland zugute, da die exportorientierten Sektoren hier einen großen Anteil haben. In Ostdeutschland bliebe die Lage unverändert schlecht, da Entlastungen aufgrund des abnehmenden Erwerbspersonenpotentials und der vergleichsweise günstigen Entwicklung der Industrie durch negative Impulse aus dem Baugewerbe und durch die Reduzierung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen kompensiert würden. Es besteht somit die Gefahr, dass sich der Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit in Deutschland fortsetzt. Schwaches Wachstum und ungelöste Anpassungsprobleme in Ostdeutschland lassen keine nachhaltige Umkehr der ungünstigen Arbeitsmarktsituation erwarten.
Kasten -
Schätzung der Beschäftigungsschwelle

Die Theorie, die der Berechnung einer Beschäftigungsschwelle zugrunde liegt, ist das Okun'sche Gesetz. Demnach sind Schwankungen des Bruttoinlandsprodukts um seinen Trend mit entsprechenden Schwankungen der Arbeitslosigkeit verbunden. Während auf lange Sicht das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von der Kombination von Kapital, Arbeit und technischem Fortschritt abhängt, reagieren die Unternehmen kurzfristig auf Nachfrageschwankungen mit einem Beschäftigungsabbau oder -aufbau. Eine positive Entwicklung der Nachfrage würde also die Beschäftigung (Zahl der Stunden und/oder der Arbeitnehmer) erhöhen und die Arbeitslosigkeit verringern. Die Beschäftigungsschwelle gibt an, wie stark die positive Nachfrageentwicklung sein müsste, um zu einer Beschäftigungsausweitung zu führen.

Die hier vorgelegten Schätzungen basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes sowie - für das Arbeitsvolumen - auf den vom DIW Berlin veröffentlichten Berechnungsergebnissen. Die Daten vor 1991 beziehen sich nur auf Westdeutschland. Dabei ist zu beachten, dass die Revision vom August 2000 nur bis 1991 zurückgeführt wurde; ein genauer Vergleich der Werte vor und nach 1991 ist also nur eingeschränkt möglich.

Als endogene Variable wird jeweils die Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept), das geleistete Arbeitsvolumen (der Erwerbstätigen) und das bezahlte Arbeitsvolumen (der abhängig Beschäftigten) herangezogen. Als Exogene dient das reale Bruttoinlandsprodukt. Die Beschäftigungsschwelle ergibt sich aus dem Quotienten der Konstanten und dem Koeffizienten des Bruttoinlandsprodukts, multipliziert mit minus eins.

(Schätzergebnisse der Berechnungen zur Beschäftigungsschwelle siehe Tabelle 3)



[1] Mit der Neuregelung vom 1. April 1999 wurde die geringfügige Beschäftigung in das Meldeverfahren zur Sozialversicherung grundsätzlich einbezogen.

[2] Die ausschließlich geringfügig Beschäftigten arbeiten weniger als 15 Stunden pro Woche und verdienen weniger als 630 DM im Monat.

[3] Vgl. OECD: Employment Outlook, June 2001.

[4] Diese Zahlen beruhen auf nach BV4 saisonbereinigten Reihen.

[5] Vgl.: Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft im Herbst 2001. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 43/2001.

[6] Das Arbeitsvolumen ergibt sich aus dem Produkt der Beschäftigtenzahl und der durchschnittlichen Arbeitszeit. Für beide Konzepte werden Berechnungen des DIW benutzt.

[7] Diese wie auch die folgenden Aussagen in diesem Abschnitt beziehen sich immer auf eine Situation mit durchschnittlicher konjunktureller Entwicklung innerhalb des betrachteten Zeitraums.

[8] Vgl. IAB-Kurzbericht, Nr. 1/2001, S. 9.

[9] Vgl. Emil Magvas: Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot in West- und Ostdeutschland 1998, 1999, 2000. In: IAB-Werkstattbericht, Nr. 12/2001, S. 3-4.

[10] Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeit für den Zeitraum 1970-1998 hat auch gezeigt, dass sich die Schere der Beschäftigungschancen zwischen den unteren und oberen Qualifikationsebenen immer weiter öffnet. Vgl. Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nr. 4/1999, S. 434 ff. Eine grobe Schätzung für das Jahr 2000 ergibt bundesweit eine Arbeitslosenquote in der Größenordnung von 38 % für Ungelernte gegenüber 6 % für die Gruppe, die über einen Schulabschluss verfügt.

[11] Benannt nach dem englischen Ökonomen W. H. Beveridge (1879-1963). Vgl. Wolfgang Franz: Arbeitsmarktökonomik. Berlin 1999, S. 196 ff.

[12] Auf dieser Linie sind beide Quoten gleich.

[13] Zu diesem Problem und zu Schätzungen der Meldequote siehe IAB-Kurzbericht, Nr. 5/1999, und IAB-Werkstattbericht, Nr. 12/2001.

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Tabelle 1
Beschäftigungsschwellen (1) nach
verschiedenen Messkonzepten

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                                 Erwerbs-  Geleistetes  Bezahltes
                                  tätige     Arbeits-    Arbeits-
                                             volumen     volumen

1. Qu. 1980 bis 4. Qu. 1990        1,3         2,5         2,0
1. Qu. 1994 bis 2. Qu. 2001        1,1         2,0         1,9

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(1) Erforderliche jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (in %),
 ab der die Beschäftigung steigt.

Quelle: Berechnungen des DIW Berlin.

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Tabelle 2
Wachstum in Deutschland und den USA (1)

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                   Deutschland (2)   USA

1960 bis 1972           4,3          4,2
1973 bis 1982           1,6          2,0
1983 bis 1990           3,1          3,9
1991 bis 2000           1,6          3,8

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(1) Durchschnittliche Jahreszuwachsraten des realen Bruttoinlandsprodukts in %.
(2) Vor 1991 Westdeutschland.

Quellen: OECD; Statistisches Bundesamt.

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Tabelle 3
Schätzergebnisse der Berechnungen zur Beschäftigungsschwelle

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                                        Verzögerte Endogene
Beschäftigung                Konstante
                                           t-1       t-2

                             1. Quartal 1980 bis 4. Quartal 1990

Erwerbstätige
                               -0,133     1,342    -0,440 
adj. R² = 0,986 / DW = 1,978  (-3,441)  (12,708)  (-4,334)

Geleistetes Arbeitsvolumen
                               -0,612     0,415       -
adj. R² = 0,390 / DW = 2,017  (-3,112)   (3,502)      -

Bezahltes Arbeitsvolumen
                               -0,952       -       0,357
adj. R² = 0,711 / DW = 2,336  (-4,813)      -      (3,695)

                             1. Quartal 1994 bis 2. Quartal 2001

Erwerbstätige
                               -0,185     0,813       -
adj. R² = 0,874 / DW = 1,693  (-1,711)  (12,850)      -

Geleistetes Arbeitsvolumen
                               -1,960       -         -
adj. R² = 0,454 / DW = 1,229  (-4,911)      -         -

Bezahltes Arbeitsvolumen
                               -0,787     0,568       -
adj. R² = 0,732 / DW = 1,611  (-2,846)   (5,408)      -

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                                  Bruttoinlandsprodukt   Beschäf-
Beschäftigung                                            tigungs-
                                 t         t-1      t-2  schwelle (1)

                              1. Quartal 1980 bis 4. Quartal 1990

Erwerbstätige
                                0,100       -        -
adj. R² = 0,986 / DW = 1,978   (5,670)      -        -      1,3

Geleistetes Arbeitsvolumen
                                0,241       -        -
adj. R² = 0,390 / DW = 2,017   (3,517)      -        -      2,5

Bezahltes Arbeitsvolumen
                                 -          -     0,472
adj. R² = 0,711 / DW = 2,336     -          -    (5,775)    2,0

                              1. Quartal 1994 bis 2. Quartal 2001

Erwerbstätige
                               0,172        -        -
adj. R² = 0,874 / DW = 1,693  (3,154)       -        -      1,1

Geleistetes Arbeitsvolumen
                               0,990        -        -
adj. R² = 0,454 / DW = 1,229  (5,007)       -        -      2,0

Bezahltes Arbeitsvolumen
                                 -        0,405      -
adj. R² = 0,732 / DW = 1,611     -       (3,095)     -      1,9

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t-Werte in Klammern.

(1) Erforderliche jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (in %),
 ab der die Beschäftigung steigt.

Quelle: Berechnungen des DIW Berlin.

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