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Wochenbericht des DIW Berlin 16/03

Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft
im Frühjahr 2003

1. Die Lage der Weltwirtschaft

Bearbeiter Institute
Beurteilung der Wirtschaftslage durch folgende Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e. V., Hamburg:

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin
Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv, Hamburg
ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München
Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel
Institut für Wirtschaftsforschung, Halle
Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen

Abgeschlossen in Hamburg am 11. April 2003.

Überblick Die Weltwirtschaft wird im Frühjahr 2003 durch große Unsicherheiten belastet. Die Eskalation des Irak-Konflikts kam zu einer Zeit, in der die weltwirtschaftliche Erholung ohnehin schleppend verlief. Weder die politischen noch die wirtschaftlichen Folgen des Irak-Konflikts sind derzeit verlässlich abzuschätzen.

Zu einer Erholung der Weltkonjunktur, die sich in der ersten Jahreshälfte 2002 abgezeichnet hatte, ist es nicht zuletzt wegen der Unsicherheiten nicht gekommen. In nahezu allen Industrieländern hat sich der Produktionsanstieg nach dem Sommer 2002 verringert. Im Verlauf des Jahres blieb der Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts zumeist unter dem trendmäßigen Wachstum. Besonders schwach war die konjunkturelle Dynamik im Euroraum; hier nahm die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung über das ganze Jahr hinweg ab. Selbst in den USA, wo die Impulse durch die Geld- und Fiskalpolitik besonders kräftig waren, kam es nur vorübergehend zu einer stärkeren Expansion von Produktion und Nachfrage.

Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass sich die Wachstumsbedingungen weltweit verschlechtert haben; diese Faktoren wirken derzeit noch fort. So ist nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 das Vertrauen von Investoren und Konsumenten in die weltpolitische Stabilität gesunken. Die Furcht vor neuen Anschlägen erfordert höhere Sicherheitsaufwendungen, die die Rentabilität der Unternehmen verringern und die wirtschaftliche Aktivität belasten. Insbesondere die Luftfahrt und der Tourismus sind durch die verschlechterte globale Sicherheitslage in eine Krise geraten. Ferner brachen die Aktienkurse auf breiter Front ein, wozu auch Bilanzskandale in großen Unternehmen beitrugen. In dieser ohnehin labilen Situation wurde die Weltkonjunktur zusätzlich durch den Irak-Konflikt gedämpft. Dieser führte zu einem deutlichen Anstieg des Ölpreises, neuerlichen empfindlichen Kursverlusten an den Aktienmärkten sowie einer Eintrübung des Geschäftsklimas und des Verbrauchervertrauens.

Vor dem Hintergrund des eskalierenden Irak-Konflikts blieb die wirtschaftliche Dynamik in den Industrieländern auch zu Beginn des laufenden Jahres gering. In den USA hat sich das Konjunkturklima nochmals verschlechtert; insbesondere verlor die zuvor sehr robuste Nachfrage der privaten Haushalte deutlich an Fahrt. Im Euroraum dürfte sich der Produktionsanstieg weiter verlangsamt haben; zu der Schwäche der Binnennachfrage kamen die dämpfenden Wirkungen der Euroaufwertung. In Japan wurde die Konjunktur ebenfalls durch eine Aufwertung der heimischen Währung belastet. Sie trug dazu bei, dass die exportinduzierte Erholung zum Stillstand kam.

In den Schwellenländern ingesamt flachte sich die Produktion nach dem Sommer 2002 ab, wenngleich weniger ausgeprägt als in den Industrieländern. In Ostasien nahm sie - bei allerdings erheblichen Unterschieden von Land zu Land - weiter kräftig zu, nicht zuletzt angeregt von der ungebrochenen Wirtschaftsdynamik in China. In Lateinamerika ist die Lage insgesamt nach wie vor labil; allerdings scheint sich die Produktion zu stabilisieren. In Mittel- und Osteuropa blieb die gesamtwirtschaftliche Aktivität dank einer robusten Inlandsnachfrage aufwärts gerichtet, wenn auch weniger deutlich als zuvor.

Risiken durch den Irak-Konflikt Die erneute Dämpfung des weltweiten Konjunkturklimas in den vergangenen Monaten war vor allem durch die ökonomischen Konsequenzen des Irak-Konflikts bestimmt. Die Vorbereitung und die Durchführung des Krieges sind zwar insbesondere in den USA auch mit zusätzlicher Nachfrage verbunden. Weltweit überwiegen jedoch die negativen Effekte, die vor allem von dem kräftigen Ölpreisanstieg und dem weiteren Rückgang der Aktienkurse ausgelöst wurden. Auch wertete der US-Dollar im Vorfeld des Irak-Krieges merklich ab.

Mit dem Ausbruch des Krieges im März 2003 bildete sich der Ölpreis zurück, die Aktienkurse erholten sich etwas, und die Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro kam zum Stillstand. Der vorliegenden Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass die Folgen des Irak-Krieges räumlich und zeitlich begrenzt bleiben und die Belastungen der Weltkonjunktur rasch nachlassen. Es ist unterstellt, dass sich der Ölpreis im Prognosezeitraum bei einem Niveau von 25 US-Dollar pro Barrel einpendelt, dass sich der Wechselkurs des US-Dollar gegenüber den großen Währungen nicht nennenswert verändert - gegenüber dem Euro ist ein Kurs von 1,08 bis Ende 2004 angenommen - und dass sich die Aktienkurse stabilisieren.

Sollten sich diese Annahmen als unzutreffend erweisen, könnte die Weltkonjunktur belastet werden (Kasten 1.1). Ein deutlich höherer Ölpreis wirkt über verschiedene Kanäle auf die Konjunktur: So kommt es in dem Maße, in dem die ölexportierenden Länder die zusätzlichen Einnahmen kurzfristig nicht für Güterkäufe in den ölimportierenden Ländern verwenden, zu Entzugseffekten. Die gestiegenen Rohölpreise schlagen rasch auf das Preisniveau durch; auch mögliche Zweitrundeneffekte über die Lohnentwicklung könnten die Geldpolitik zu Zinsanhebungen veranlassen. Zudem könnte ein neuerlicher Aktienkurseinbruch Investitionen und Konsum belasten und eine durchgreifende Erholung der Konjunktur verhindern oder zumindest verzögern. Die Gesamtwirkungen einer Abwertung des US-Dollar, die sich im Zuge eines Vertrauensverlustes in die US-Wirtschaft ergeben könnten, hängen insbesondere davon ab, wie Lohn- und Geldpolitik auf die damit verbundenen Preiseffekte reagieren.

Nur verhaltene Konjunkturerholung Bei den hier getroffenen Annahmen ist zu erwarten, dass sich das Vertrauen von Konsumenten und Investoren festigt; die von der Wirtschaftspolitik ausgehenden Anregungen werden dann von dieser Seite nicht mehr konterkariert. Die Geldpolitik ist in den Industrieländern schon seit längerem expansiv ausgerichtet. Als Reaktion auf die konjunkturelle Stockung im vergangenen Winterhalbjahr wurden die Leitzinsen nochmals gesenkt. In den meisten Industrieländern liegen die kurzfristigen Zinsen real auf einem sehr niedrigen Niveau, in den USA sind sie sogar negativ. Allerdings wurden mit dem deutlichen Kursrückgang an den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten das Vermögen der privaten Haushalte reduziert und die Kapitalbeschaffung der Unternehmen erschwert - ein Effekt, der besonders in den USA und in Großbritannien ins Gewicht fällt.

Angesichts der schwachen Konjunktur und geringer Inflationsrisiken werden die Leitzinsen vorerst wohl niedrig bleiben. Im Euroraum dürften sie in diesem Frühjahr sogar nochmals leicht gesenkt werden, denn hier stehen den geldpolitischen Impulsen bremsende Wirkungen der Euroaufwertung gegenüber. In Japan liegt der Leitzins weiterhin bei null. Dennoch ist dort die Geldmenge in weiter Abgrenzung nur wenig gestiegen. Auch deshalb ist ein Ende der Deflation in Japan nicht in Sicht.

Die Fiskalpolitik ist insbesondere in den USA deutlich expansiv ausgerichtet. Dort wird das konjunkturbereinigte Budgetdefizit in diesem Jahr vor allem aufgrund der Kriegskosten weiter stark zunehmen. Im kommenden Jahr werden erhebliche Steuersenkungen wirksam, so dass trotz der dann geringeren Militärausgaben kein Rückgang des strukturellen Defizits zu erwarten ist. Auch in Großbritannien befindet sich die Fiskalpolitik auf einem Expansionskurs, der die wirtschaftliche Aktivität in diesem und im nächsten Jahr stützt. Im Euroraum wird das strukturelle Defizit angesichts der schwachen Konjunktur im Prognosezeitraum wohl nicht zurückgeführt werden. Eine weitgehend neutrale Fiskalpolitik dürfte auch die japanische Regierung verfolgen; der Einstieg in die Haushaltskonsolidierung ist erneut verschoben worden.

Bei diesen Rahmenbedingungen werden im Verlauf des zweiten Halbjahres 2003 die wirtschaftlichen Auftriebskräfte in den Industrieländern die Oberhand gewinnen. Die Erholung dürfte jedoch insgesamt verhalten ausfallen. Einer raschen konjunkturellen Expansion stehen verschiedene Faktoren entgegen. So dürften Luftfahrt und Tourismus noch geraume Zeit unter der latenten Gefahr weiterer Terroranschläge leiden. Die Nachfrage nach IT-Gütern wird zwar weiter zunehmen; ein ähnlich kräftiger Anstieg wie in den späten 90er Jahren ist aber nicht in Sicht. Dämpfende Effekte gehen vorerst noch von dem relativ starken Rückgang der Aktienkurse in jüngerer Zeit aus. In den USA besteht im privaten Sektor weiterhin Konsolidierungsbedarf; insbesondere die Sparquote der privaten Haushalte erscheint gemessen am langfristigen Durchschnitt immer noch niedrig. Vor diesem Hintergrund ist mit einer nur mäßigen Expansion der Ausgaben der privaten Haushalte zu rechnen, zumal einige Sonderfaktoren entfallen, die den Konsum bisher gestützt haben. Angesichts der sehr kräftigen wirtschaftspolitischen Impulse dürfte sich in den USA gleichwohl eine merkliche Erholung durchsetzen.

Die anziehende US-Konjunktur gibt Impulse für die übrigen Industrieländer. Allerdings hat sich deren preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Dollarraum verschlechtert. Dadurch werden die Nachfrageimpulse aus den USA vorerst gedämpft. Dies gilt insbesondere für den Euroraum. Dennoch wird sich im Prognosezeitraum auch hier eine - wenngleich moderate - konjunkturelle Belebung einstellen, da retardierende Faktoren wegfallen und die Geldpolitik anregend wirkt. In Japan wird die Produktion allmählich wieder etwas stärker ausgeweitet.

In den Industrieländern insgesamt wird das reale Bruttoinlandsprodukt trotz der Belebung in der zweiten Hälfte dieses Jahres mit 1,8 % ähnlich schwach steigen wie im vergangenen Jahr (Tabelle 1.2). Erst 2004 dürfte die Produktion mit 2,6 % wieder etwa so kräftig zunehmen wie im mittelfristigen Trend. Bei dieser Entwicklung bessert sich die Lage an den Arbeitsmärkten erst im Verlauf des kommenden Jahres spürbar. Der Preisanstieg, der sich zuletzt wegen des höheren Ölpreises merklich verstärkt hatte, schwächt sich im weiteren Verlauf dieses Jahres wieder ab. Auch im kommenden Jahr dürfte die Inflation angesichts der in den meisten Ländern geringen Kapazitätsauslastung niedrig bleiben. Andererseits ist das Risiko einer Deflation in den USA, aber auch im Euroraum vor dem Hintergrund der konjunkturellen Belebung und einer starken Geldmengenexpansion gering.

Die Festigung der Konjunktur in den Industrieländern wird auch die wirtschaftliche Aktivität in der übrigen Welt anregen (Tabelle 1.3). Die Expansion in den ostasiatischen Schwellenländern gewinnt dann wieder an Tempo. In Lateinamerika dürfte sich die Konjunktur nicht zuletzt wegen einer stärkeren Zunahme der Auslandsnachfrage allmählich erholen. In den mittel- und osteuropäischen Reformländern wird sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts ebenfalls beschleunigen. Bei alledem dürfte sich die Expansion des Welthandels, die sich in der zweiten Jahreshälfte 2002 deutlich abgeschwächt hatte, wieder verstärken. Für 2003 ist mit einer Zunahme des Welthandels von reichlich 4 1/2 % zu rechnen, nach knapp 3 % im vergangenen Jahr. Im kommenden Jahr dürfte sie 7 1/2 % betragen.

Die erwartete konjunkturelle Erholung verläuft also regional in unterschiedlichem Tempo. Wieder einmal ist der Aufschwung in den USA relativ kräftig. Reflex dieser Entwicklung ist ein weiter zunehmender Fehlbetrag in der US-Leistungsbilanz. Hier wird davon ausgegangen, dass die USA ähnlich wie im vorigen Jahrzehnt wegen der günstigeren Entwicklung für Investoren besonders attraktiv sein werden, das Defizit in der Leistungsbilanz also ohne nennenswerten Risikoaufschlag finanziert wird. Die Wahrscheinlichkeit einer völlig anderen Reaktion erhöht sich aber mit zunehmendem Fehlbetrag. Nähmen die Investoren beispielsweise das steigende Budgetdefizit des Staates als Hinweis für verschlechterte Wachstumsbedingungen in den USA, könnte es zu einer abrupten Abwertung des US-Dollar kommen, die die Erholung insbesondere im Euroraum und in Japan zusätzlich belasten würde.

Kräftige wirtschaftspolitische Impulse in den USA In den USA ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage im vergangenen Jahr spürbar gestiegen; das reale Bruttoinlandsprodukt übertraf den Vorjahreswert um 2,4 %. Die Erholung verlief allerdings sehr unstetig, und die konjunkturelle Expansion hat sich seit dem Herbst wieder merklich abgeschwächt.

Insbesondere trübte sich das Verbrauchervertrauen erheblich ein, und der private Konsum verlor an Dynamik. Zum einen beendete die Automobilindustrie ihre Finanzierungsoffensive, zum anderen haben sich die Beschäftigungsperspektiven zuletzt verschlechtert. Darüber hinaus beschleunigte sich der Preisauftrieb wegen der gestiegenen Ölpreise. Im Februar 2003 betrug die Teuerungsrate der privaten Lebenshaltung 3 %, nach 2 % im vergangenen Herbst. Auch wenn diese Entwicklung die zugrunde liegende Preistendenz nicht widerspiegelt - die Kernrate der Inflation hat sich im gleichen Zeitraum sogar noch leicht auf 1,8 % verringert -, impliziert sie doch einen erheblichen Kaufkraftentzug. Schließlich dämpften die starken Vermögenseinbußen an den Aktienmärkten, zu denen es im Laufe des vergangenen Jahres insbesondere wegen des Irak-Konflikts und der Bilanzskandale gekommen war. Gestützt wurde der private Konsum lediglich durch die Entwicklung im privaten Immobiliensektor. Bei weiter sinkenden Hypothekenzinsen konnten die finanziellen Belastungen durch Umschuldung nochmals reduziert werden. Zudem führten die steigenden Immobilienpreise zu einem Vermögenszuwachs. Die privaten Bauinvestitionen nahmen daher bis zuletzt kräftig zu. Beim gewerblichen Bau setzte sich zwar der Rückgang wegen der immer noch hohen Überkapazitäten fort, allerdings in merklich verlangsamtem Tempo. Die Ausrüstungsinvestitionen sind schon seit dem vergangenen Frühjahr deutlich aufwärts gerichtet; vor allem kam es im IT-Sektor zu einer spürbaren Belebung. Auf die Investitionsneigung dürfte sich positiv ausgewirkt haben, dass die Gewinne der Unternehmen seit Jahresbeginn 2002 wieder steigen. Eine erhebliche Dämpfung ging zum Jahresende von einem Einbruch der Exporte aus. Da zugleich die Importe anhaltend stark zunahmen, verringerte sich der reale Außenbeitrag weiter.

Die Finanzpolitik wirkte im Jahre 2002 stark anregend. Schon im Sommer 2001 hatte sie mit der stufenweisen Senkung der Einkommensteuer einen expansiven Kurs eingeschlagen. Im Gefolge der Terroranschläge vom 11. September wurden dann ein Konjunkturpaket verabschiedet und die Ausgaben für Verteidigung und innere Sicherheit spürbar erhöht. Diese wurden im Vorfeld des Irak-Krieges nochmals ausgeweitet. Zusätzlich hat die Regierung dem Kongress jüngst einen Nachtragshaushalt in Höhe von rund 75 Mrd. US-Dollar zur Deckung der kriegsbedingt höheren Militärausgaben vorgelegt. Hier wird angenommen, dass die Kriegskosten überwiegend im ersten Halbjahr 2003 anfallen. Zwar werden wohl nach der militärischen Auseinandersetzung weiterhin Ausgaben für Truppenstationierungen zu tragen sein; sie dürften aber erheblich geringer ausfallen als die Kosten für den Krieg.

Ferner ist damit zu rechnen, dass der Kongress demnächst die für den Prognosezeitraum relevanten Steuersenkungen des im Januar von der Regierung eingebrachten "Jobs and Growth Plan" (Tabelle 1.4) beschließen wird; dagegen wird die vorgeschlagene Abschaffung der Dividendenbesteuerung wohl abgelehnt. Die Maßnahmen dürften in diesem Finanzjahr erst wenig wirken; im nächsten Fiskaljahr, das am 1. Oktober 2003 beginnt, werden sie das strukturelle Defizit wohl um 0,8 Prozentpunkte in Relation zum Bruttoinlandsprodukt erhöhen.

Insgesamt wird der Bundeshaushalt, der 2002 erstmals seit fünf Jahren wieder mit einem Defizit - in Höhe von 1,5 % des Bruttoinlandsprodukts - abgeschlossen hatte, im laufenden Haushaltsjahr einen deutlich höheren Fehlbetrag ausweisen. Angesichts der konjunkturbedingt abermals ungünstigen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung sowie der Kosten des Krieges dürfte er 3,3 % des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Wegen der kräftigen Steuerentlastung wird die Defizitquote 2004 trotz deutlich verringerter Militärausgaben ähnlich hoch sein wie in diesem Jahr.

Die monetären Rahmenbedingungen haben sich seit dem Herbst 2002 insgesamt weiter verbessert. Der Expansionsgrad der Geldpolitik wurde durch die erneute Leitzinssenkung im November 2002 noch erhöht. Die realen Geldmarktzinsen (deflationiert mit der Kerninflationsrate), die schon seit einiger Zeit negativ sind, sanken weiter. Die Kapitalmarktzinsen bewegen sich seit längerer Zeit sowohl nominal als auch real auf niedrigem Niveau. Hinzu kam die fortgesetzte Abwertung des US-Dollar. Angesichts der noch unsicheren konjunkturellen Lage ist nicht damit zu rechnen, dass die Zentralbank schon 2003 ihren Kurs ändern wird. Erst im Frühjahr 2004, wenn die Festigung der Konjunktur gesichert erscheint, dürfte die amerikanische Zentralbank die Zinsen anheben, dann aber angesichts des sehr niedrigen Niveaus deutlich, um frühzeitig zunehmenden Inflationserwartungen vorzubeugen. Die Institute erwarten, dass die Zinsen bis zum Jahresende 2004 um insgesamt rund 1,5 Prozentpunkte steigen.

Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahresdurchschnitt 2003 um 2,4 % zunehmen (Abbildung 1.1). Die konjunkturelle Dynamik wird allerdings durch diese Rate merklich überzeichnet, denn ohne die kriegsbedingt höheren Staatsausgaben wäre der Anstieg in der ersten Jahreshälfte 2003 erheblich geringer. Insbesondere der private Konsum bleibt schwach: Zum einen zeichnet sich am Arbeitsmarkt keine durchgreifende Besserung ab, zum anderen deutet sich eine Verschlechterung der Lage am privaten Immobilienmarkt an. Die Sparneigung dürfte leicht zunehmen. Nur durch die steuerlichen Entlastungen, die Ende dieses Jahres und in stärkerem Maße in der ersten Jahreshälfte 2004 zur Geltung kommen werden, beschleunigt sich der Anstieg des privaten Konsums leicht.

Die Investitionsneigung scheint sich angesichts der Eskalation des Irak-Konflikts wieder abgeschwächt zu haben. Wenn sich der kriegsbedingte Attentismus aufgelöst hat, dürften die Ausrüstungsinvestitionen wieder beschleunigt ausgeweitet werden, da sich die Gewinnsituation verbessert hat, die Zinsen niedrig bleiben und sich die Absatz- und Ertragsaussichten erneut aufhellen. Wegen der noch nicht abgeschlossenen Konsolidierung bei den Bauinvestitionen bleibt das Tempo bei den gewerblichen Investitionen insgesamt aber moderat. Im kommenden Jahr dürften die Auftriebskräfte endgültig die Oberhand gewinnen. Die gesamtwirtschaftliche Produktion wird 2004 wohl um 3,5 % steigen; die negative Produktionslücke wird dabei deutlich geringer.

Die Teuerungsrate für die private Lebenshaltung wird im Jahresdurchschnitt 2003 wegen des vorübergehenden Ölpreisanstiegs mit rund 2,4 % merklich höher sein als im Vorjahr (1,6 %). Mit niedrigeren Ölpreisen wird sie im kommenden Jahr etwas geringer ausfallen. Die Arbeitslosenquote geht erst im Verlauf des Jahres 2004 spürbar zurück. Das Defizit in der Leistungsbilanz, das im vergangenen Jahr 4,6 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt betrug, steigt im Prognosezeitraum deutlich.

Geringe Dynamik in Japan In Japan nahm die gesamtwirtschaftliche Produktion im Jahresverlauf 2002 deutlich zu; im vierten Quartal lag das reale Bruttoinlandsprodukt um 2,8 % höher als ein Jahr zuvor. Wegen des niedrigen Niveaus zu Jahresbeginn war der Anstieg im Jahresdurchschnitt allerdings mit 0,3 % nur gering. Getragen wurde die konjunkturelle Erholung vor allem von der Auslandsnachfrage. Dabei profitierte Japan von der kräftigen Konjunktur im asiatischen Raum, insbesondere in China. Aber auch die Binnennachfrage belebte sich merklich. Die Investitionen legten im Jahresverlauf deutlich zu. Trotz anhaltenden Beschäftigungsabbaus und sinkender Lohneinkommen stieg der private Verbrauch, denn die Sparquote ging zurück.

Die Deflation wurde trotz der konjunkturellen Erholung nicht überwunden. Der Bank von Japan gelang es nicht, eine höhere Geldmengenexpansion herbeizuführen, obwohl sie an der Nullzinspolitik festhielt und massiv Liquidität für die Geschäftsbanken bereitstellte. Die weit gefasste Geldmenge (M2 einschließlich Depositenzertifikaten) stieg im Jahresdurchschnitt 2002 nur um etwa 2 %, obwohl die Geldbasis gegenüber dem Vorjahr um etwa 20 % ausgeweitet wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Probleme bei der Finanzintermediation immer noch nicht gelöst sind. Hohe Bestände an notleidenden Krediten und unklare Bewertungsvorschriften wirkten bremsend auf die Kreditvergabe der Geschäftsbanken; die Kredite an den Privatsektor gingen bis zuletzt zurück. Die Zentralbank hat angekündigt, den Geschäftsbanken zur Sicherung ihrer Solvenz in großem Umfang Aktien abzukaufen. Implizit ist damit eine Stützung des Aktienmarktes verbunden. Die monetären Rahmenbedingungen verschlechterten sich auch dadurch, dass der Yen im Verlauf des Jahres 2002 gegenüber dem US-Dollar aufgewertet hat. Die Bank von Japan dürfte einem weiteren Kursanstieg durch Devisenmarktinterventionen entgegenwirken; es gibt allerdings keine Anzeichen dafür, dass sie eine deutliche Abwertung des Yen erreichen will. Sie wird an der Nullzinspolitik ebenso wie an der reichlichen Liquiditätsversorgung des Geschäftsbankensektors festhalten. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass diese Politik ausreicht, um die Deflation zu beenden.

Die Finanzpolitik hat angesichts der binnenwirtschaftlichen Fragilität die zunächst angestrebte Obergrenze für das Budgetdefizit überschritten. Das strukturelle Defizit dürfte sich im Jahre 2002 gegenüber dem Vorjahr kaum verändert haben. Auch in diesem und im nächsten Jahr wird die Finanzpolitik wahrscheinlich in etwa neutral wirken.

Vor diesem Hintergrund wird sich die gesamtwirtschaftliche Dynamik im Prognosezeitraum zunächst abschwächen (Abbildung 1.2). Die Exporte dürften infolge der höheren Bewertung des Yen und der flacheren Weltkonjunktur kaum noch zunehmen. Im späteren Jahresverlauf werden sie sich mit einem Anziehen der Auslandsnachfrage wieder beleben. Dies wirkt sich auch positiv auf die Binnennachfrage aus. Alles in allem wird das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2003 um 1,2 % zunehmen. Im kommenden Jahr dürfte der Anstieg eine ähnliche Größenordnung erreichen. Die Arbeitslosenquote wird zunächst noch etwas steigen; der Rückgang der Konsumentenpreise setzt sich fort.

Zügiger Produktionsanstieg in den ostasiatischen Schwellenländern In den ostasiatischen Schwellenländern nimmt die gesamtwirtschaftliche Produktion seit Ende 2001 erheblich rascher zu als in der übrigen Welt. Bei einer anhaltend günstigen internationalen Wettbewerbsposition wurde der Aufschwung zunächst vom Export getragen. Nicht zuletzt die Ausfuhr von elektronischen Produkten nahm stark zu. Seit vergangenem Sommer flaute die Auslandsnachfrage allerdings mit der schwächeren Konjunktur in den Industrieländern ab. Zugleich weitete aber China, das sich mehr und mehr zu einem Wachstumszentrum der Region entwickelt, seine Nachfrage kräftig aus. Darüber hinaus hat sich die Binnenkonjunktur in den ostasiatischen Schwellenländern - gestützt von einer expansiv ausgerichteten Geld- und Finanzpolitik - verstärkt. Vor allem der private Konsum expandierte sehr deutlich, insbesondere in Südkorea und Thailand. Insgesamt hat sich der Produktionsanstieg aber seit dem vergangenen Sommer auch in den ostasiatischen Schwellenländern etwas verlangsamt; er ist freilich immer noch kräftig. Die Leistungsbilanz weist weiterhin fast überall Überschüsse auf. In einigen Ländern betrugen sie im vergangenen Jahr 6 %, in Taiwan sogar 9 % des Bruttoinlandsprodukts.

In diesem Jahr dürfte die Expansion weiter an Fahrt verlieren. Der Krieg im Irak verunsichert auch in dieser Region Konsumenten und Investoren. Neben der vorerst anhaltenden Schwäche der Weltkonjunktur spielt auch eine Rolle, dass der hohe Ölpreis fast überall - außer im Ölexportland Indonesien - zu einem deutlichen Einkommensentzug führt. In einigen Ländern werden zudem Rückgänge im Tourismus, auch wegen des Terroranschlags auf Bali im vergangenen Jahr, die gesamtwirtschaftliche Aktivität dämpfen. Ein weiteres jüngst aufgetretenes Risiko stellt die Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS dar. Gleichwohl dürfte die hohe Eigendynamik in der Region anhalten, auch wenn Geld- und Finanzpolitik vereinzelt wegen zunehmender inflationärer Tendenzen weniger expansiv ausgerichtet sind. In Südkorea wurden daher die Leitzinsen bereits angehoben. In anderen Ländern rückt das Bestreben nach Konsolidierung der öffentlichen Haushalte in den Vordergrund. Die gesamtwirtschaftliche Produktion wird sich in diesem Jahr insgesamt langsamer erhöhen als 2002. Die erwartete Erholung der Weltwirtschaft wird aber im späteren Verlauf dieses Jahres auf eine Beschleunigung hinwirken. Unter diesen Umständen wird die Zuwachsrate des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahre 2004 wieder etwas höher sein als in diesem Jahr.

Stabilisierungs- tendenzen in Lateinamerika Im vergangenen Jahr wurde in Lateinamerika insgesamt die konjunkturelle Talsohle durchschritten. In den meisten Ländern war die Produktion im Jahresverlauf wieder aufwärts gerichtet. In Venezuela ging die wirtschaftliche Aktivität jedoch nicht zuletzt wegen eines monatelangen Generalstreiks im Winter stark zurück.

Seit den Finanzkrisen in den Schwellenländern in den Jahren 1997 und 1998 ist auf den internationalen Kapitalmärkten ein erhöhtes Risikobewusstsein gegenüber Anlagen in Lateinamerika zu beobachten; die Zinsdifferenz gegenüber vergleichbaren Anlagen in Industrieländern ist teilweise sehr hoch. Die großen Länder Lateinamerikas haben dieses Problem mit unterschiedlichem Erfolg bewältigt. Die geringsten Schwierigkeiten hatte Mexiko; dort scheint mit der Integration in die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA auch ein Stabilitätsimport gelungen zu sein. Die konjunkturelle Entwicklung im Jahre 2002 war zwar angesichts der stockenden Erholung in den USA enttäuschend, die makroökonomischen Rahmendaten sind jedoch robust. Dagegen befindet sich Argentinien, das Ende 2001 die Bedienung seiner internationalen Schulden einstellen musste, in einer tiefen Krise. Immerhin scheint der Tiefpunkt mittlerweile durchschritten zu sein, die Produktion ist zuletzt wieder ein wenig gestiegen. Auch Brasilien stand im vergangenen Jahr dicht vor einer Finanzkrise. Im Vorfeld der Präsidentenwahlen im Oktober kam es zu Verunsicherungen über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs, die zu hohen Risikoaufschlägen auf brasilianische Anleihen führten. Die wirtschaftliche Entwicklung in Lateinamerika wird nicht zuletzt davon abhängen, ob sich die Finanzmärkte von der Stabilitätsorientierung der Wirtschaftspolitik in Brasilien überzeugen lassen. Die Entwicklung in den letzten Monaten gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Die seit Anfang dieses Jahres amtierende Regierung hat durch Ausgabendisziplin und eine Straffung der Geldpolitik das Vertrauen der internationalen Anleger in die Stabilität der Wirtschaft stärken können. Dazu trugen auch ein Beistandskredit des IWF und die Verringerung des Leistungsbilanzdefizits aufgrund der kräftigen Abwertung des Real bei.

Vor diesem Hintergrund und im Zuge einer gewissen Stabilisierung der Lage in Argentinien und Venezuela wird sich die Region insgesamt etwas erholen. In Anbetracht der eher noch schwachen Weltkonjunktur kann für dieses Jahr allerdings nur mit einem Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität von 1,5 % gerechnet werden. Im Gefolge der weltwirtschaftlichen Belebung wird sich die Expansion in Lateinamerika im kommenden Jahr merklich verstärken; das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte dann um 3,5 % zunehmen.

Anhaltende Expansion in Mittel- und Osteuropa In Mitteleuropa und im Baltikum schwächte sich die Expansion im Jahre 2002 leicht ab, die gesamtwirtschaftliche Produktion blieb aber aufwärts gerichtet. Im Jahresdurchschnitt nahm das reale Bruttoinlandsprodukt mit 2,6 % deutlich stärker zu als in der Europäischen Union. In Polen wurde die langwierige Konjunkturflaute im vergangenen Jahr überwunden; im Jahresverlauf belebte sich die gesamtwirtschaftliche Aktivität. Ausschlaggebend hierfür war eine kräftige Ausweitung der Exporte. In den übrigen Ländern der Region wurde die Konjunktur dagegen vorrangig von der Binnennachfrage getragen. Impulse kamen zumeist vom Staat, etwa durch Steuerentlastungen und eine kräftige Erhöhung von Transferzahlungen. Der private Verbrauch legte, gestützt durch hohe Reallohnsteigerungen, deutlich zu. Die Investitionstätigkeit blieb in den meisten Ländern rege, auch wenn die Dynamik merklich nachließ. Die Exportzuwächse verlangsamten sich vielfach. Dabei schlugen sowohl die zum Teil erhebliche reale Aufwertung einiger Währungen als auch die Konjunkturflaute in Westeuropa zu Buche. Bei rasch steigenden Importen nahm das Leistungsbilanzdefizit in einer Reihe von Ländern merklich zu. Die Inflation schwächte sich nahezu überall weiter ab, wozu der Rückgang der Nahrungsmittelpreise infolge guter Ernten beitrug. Angesichts des ruhigeren Preisklimas senkten viele Zentralbanken ihre Zinsen deutlich; die kurzfristigen Realzinsen sind seit der zweiten Jahreshälfte 2002 zurückgegangen.

Im Prognosezeitraum wird sich die wirtschaftliche Dynamik in der Region wieder verstärken. Dabei bleibt die Binnennachfrage die wichtigste Stütze der Konjunktur: Zum einen wird der private Verbrauch bei anhaltenden Reallohnsteigerungen weiter kräftig expandieren; zum anderen werden die Investitionen im Jahresverlauf, angeregt durch die vorangegangenen Zinsschritte, beschleunigt steigen. Angesichts der vielfach niedrigen Realzinsen werden für den Prognosezeitraum nur vereinzelt weitere Zinssenkungen unterstellt. Die Finanzpolitik wirkt im laufenden Jahr - mit wenigen Ausnahmen - in etwa neutral, eine wesentliche Rückführung der hohen Defizite zeichnet sich im Jahre 2003 nicht ab. Im nächsten Jahr dürfte die Fiskalpolitik allerdings auf einen restriktiven Kurs einschwenken und die Binnennachfrage dämpfen, denn die hohen Haushaltsdefizite lassen sich nicht über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. Dagegen werden die Exporte mit der konjunkturellen Erholung in Westeuropa im Jahre 2004 an Fahrt gewinnen. Von dem geplanten EU-Beitritt acht mitteleuropäischer und baltischer Staaten im Mai 2004 wird kein nennenswerter konjunktureller Impuls ausgehen, da die Integration der Gütermärkte schon recht weit vorangeschritten ist. Mittelfristig wird jedoch das Vertrauen der ausländischen Investoren in diese Länder gestärkt; die langfristigen Realzinsen dürften weiter sinken. Alles in allem wird das reale Bruttoinlandsprodukt in Mitteleuropa und im Baltikum im Jahre 2004 durchschnittlich um 3,6 % zulegen, nach 3,1 % in diesem Jahr (Tabelle 1.5). Die Inflation wird im Prognosezeitraum zumeist leicht zurückgehen. Trotz der recht kräftigen Produktionsausweitung wird die Arbeitslosenquote nur geringfügig sinken, denn die Produktivität nimmt ähnlich stark zu wie die Produktion, auch weil noch transformationsbedingte Umstrukturierungen im Unternehmenssektor erfolgen.

In Russland nahm das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahresdurchschnitt 2002 mit 4,3 % etwas schwächer zu als im Vorjahr (5,0 %). Der private Verbrauch legte infolge anhaltend hoher Reallohnsteigerungen weiterhin kräftig zu; die Investitionsdynamik ließ dagegen angesichts einer sich verschlechternden Finanzlage der Unternehmen deutlich nach. Dämpfend wirkte auch die Zunahme der Importneigung im Zuge der realen Aufwertung des Rubel. Im Jahre 2003 wird die russische Wirtschaft noch vom hohen Ölpreis profitieren. Binnenwirtschaftlich wirkt vor allem der private Verbrauch weiterhin stützend. Zugleich werden die Importe weiter schneller als die Exporte steigen, so dass der Außenbeitrag rückläufig sein wird. Gefahren für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gehen von der anhaltenden Gewinnkompression im Unternehmenssektor, aber auch von der fortgesetzten realen Aufwertung des Rubel aus. Alles in allem wird sich die gesamtwirtschaftliche Expansion weiter leicht abschwächen. Für den Jahresdurchschnitt 2003 ist ein Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts um 4 % zu erwarten; 2004 dürfte er sich auf 3,5 % belaufen. Vor diesem Hintergrund wird sich die Arbeitslosenquote im Prognosezeitraum nur noch leicht verringern. Die Inflationsrate wird - auch aufgrund der Aufwertungstendenzen des Rubel - geringfügig sinken.

Kasten 1.1

Simulationen zu den Effekten abweichender Verläufe von Ölpreis, Wechselkurs und Aktienkurs


Um abschätzen zu können, wie sich Änderungen von Ölpreis, Wechselkurs und Aktienkurs auf die Konjunktur auswirken, wurden Simulationsrechnungen mit dem OEF-Modell [1] durchgeführt. Das Modell enthält Gleichungen für wichtige makroökonomische Variablen wie Investitionen, Konsum oder Außenhandel sowie Funktionen für die Preis- und Lohnbildung in den großen Wirtschaftsräumen. Die Geldpolitik reagiert endogen, im Euroraum einer Geldmengenregel folgend, in den USA gemäß einer Taylor-Regel.

Folgende Schocks wurden simuliert:

1. Ölpreisschock: Der Ölpreis liegt permanent um 40 % (rund 10 US-Dollar pro Barrel) über dem Niveau im Basisszenario. Ein solcher Anstieg führt dazu, dass der Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts in diesem und im nächsten Jahr im Euroraum jeweils um knapp 1/4 Prozentpunkt gedrückt wird; in den USA fällt der dämpfende Effekt etwas geringer aus (Tabelle 1.1). Die Inflation beschleunigt sich; in der Folge steigen die kurzfristigen Zinsen.

2. Wechselkursschock: Der US-Dollar wertet permanent um 10 % gegenüber dem Euro ab. Daraufhin expandiert in den USA die Produktion um etwa 1/4 Prozentpunkt schneller; die Inflation erhöht sich merklich, der kurzfristige Zins steigt mit Verzögerung ebenfalls deutlich an. Im Euroraum kommt es dagegen zu einem kräftigen Rückgang der Inflation und der kurzfristigen Zinsen, die wirtschaftliche Aktivität wird leicht gedämpft.

3. Aktienkursschock: Das Aktienkursniveau in den USA und im Euroraum liegt permanent um 10 % niedriger als im Basisszenario unterstellt. Im Modell gehen davon nur geringe Wirkungen auf Produktion und Preise in den betrachteten Wirtschaftsräumen aus.

Die Simulationen sind lediglich als Beispielrechnungen zu verstehen. Bei der Interpretation der ermittelten Wirkungen ist zu beachten, dass sich Veränderungen gegenüber den unterstellten Schocks nur dann proportional auswirken, wenn sie nicht zu stark sind. Bei einem sehr hohen Impuls könnten überproportional große Effekte resultieren. Ähnlich verhält es sich, wenn mehrere der isoliert simulierten Schocks gleichzeitig auftreten. Es ist möglich, dass die Wirkung größer ist als die Summe der partiellen Effekte. Alle Aussagen gelten unter der Annahme struktureller Konstanz; bei einem anderen als dem in der Vergangenheit beobachteten Verhalten von Wirtschaftssubjekten und Politik würde es zu anderen Ergebnissen kommen.

[1] Welt-Modell des Forschungsinstituts Oxford Economic Forecasting (http://www.oef.com).


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Tabelle 1.1
Ergebnisse der Simulationsrechnungen
Abweichungen von der Basissimulation in Prozentpunkten

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                  Ölpreisanstieg   Abwertung des US-Dollar   Aktienkursrückgang
                       (1)                   (2)                     (3)
                   2003   2004           2003   2004             2003   2004

USA

Veränderungsrate
 des realen Brut-
 toinlandsprodukts -0,1   -0,2            0,2    0,2             -0,1   -0,2
Inflationsrate      0,2    0,4            0,7    1,1              0,0   -0,1
Kurzfristiger Zins  0,2    0,3            0,1    0,7              0,0   -0,2

Euroraum

Veränderungsrate
 des realen Brut-
 toinlandsprodukts -0,2   -0,2           -0,1   -0,1              0,0    0,0
Inflationsrate      0,4    0,3           -0,5   -0,7              0,0    0,0
Kurzfristiger Zins  0,6    0,2           -0,9   -1,2              0,0   -0,1

Deutschland

Veränderungsrate
 des realen Brut-
 toinlandsprodukts -0,2   -0,2           -0,1   -0,2             -0,1   -0,1
Inflationsrate      0,4    0,2           -0,5   -0,5              0,0    0,0
Kurzfristiger Zins  0,6    0,2           -0,9   -1,2              0,0   -0,1

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Permanente Erhöhung des Ölpreises um 40 % ab dem 1. Quartal 2003.
(2) Permanente Abwertung des US-Dollar um 10 % gegenüber dem Euro ab dem
 1. Quartal 2003.
(3) Permanente Absenkung des Aktienkursniveaus in den USA und im
 Euroraum um 10 % ab dem 1. Quartal 2003.

Quelle: Berechnungen der Institute.

GD Frühjahr 2003

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 1.2
Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote
in den Industrieländern

-------------------------------------------------------------------------------
                  Bruttoinlandsprodukt  Verbraucherpreise    Arbeitslosenquote
         Gewicht                              (1)                (2) in %

           (BIP)   Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

            in %   2002   2003   2004   2002   2003   2004   2002   2003   2004

Deutschland  8,0    0,2    0,5    1,8    1,3    1,3    1,2    8,2    9,1    9,1
Frankreich   5,7    1,2    1,0    2,4    1,9    1,8    1,6    8,7    9,2    9,2
Italien      4,7    0,4    0,8    2,2    2,6    2,3    2,0    9,0    9,2    9,2
Spanien      2,5    2,0    1,8    3,0    3,6    3,3    2,7   11,4   12,2   12,2
Niederlande  1,7    0,3    0,3    2,0    3,9    2,7    2,0    2,7    3,7    3,8
Belgien      1,0    0,7    1,0    2,4    1,6    1,6    1,4    7,3    7,8    7,6
Österreich   0,8    1,0    1,0    2,4    1,7    1,6    1,5    4,3    4,3    4,2
Finnland     0,5    1,6    2,4    3,3    2,0    1,9    1,8    9,1    8,9    8,6
Griechenland 0,5    4,0    3,3    4,0    3,9    3,5    3,0    9,9    9,5    9,0
Portugal     0,5    0,5   -0,8    1,4    3,7    3,8    3,0    5,1    6,5    6,8
Irland       0,4    6,0    4,0    4,8    4,7    4,5    3,5    4,4    4,6    4,5
Luxemburg    0,1    0,4    1,5    3,0    2,1    2,9    2,2    2,4    3,0    2,8

Euroraum
 (3)        26,3    0,8    0,9    2,3    2,2    2,0    1,8    8,3    8,9    8,9

Groß-
 britannien  6,2    1,8    2,3    2,5    1,3    1,5    1,5    5,1    5,1    5,1
Schweden     0,9    1,9    1,5    2,5    2,0    2,3    2,1    4,9    5,3    5,0
Dänemark     0,7    1,6    1,3    2,1    2,4    2,3    2,0    4,5    4,9    4,7

Europäische
 Union (3)  34,1    1,0    1,2    2,3    2,1    2,0    1,7    7,6    8,1    8,1

Schweiz      1,1    0,1    1,0    1,5    0,7    1,0    1,0    2,8    3,8    3,5
Norwegen     0,7    1,2    1,5    2,3    0,8    3,5    2,5    3,9    4,2    4,0

Westeuropa
 (3)        35,9    1,1    1,2    2,3    2,0    2,0    1,7    7,5    8,0    7,9

USA         43,2    2,4    2,4    3,5    1,6    2,4    2,2    5,8    5,8    5,6
Japan       17,9    0,3    1,2    1,1   -0,9   -0,6   -0,5    5,4    5,6    5,6
Kanada       3,0    3,4    3,0    3,3    2,2    2,8    2,6    7,7    7,3    7,0

Insgesamt
 (3)       100,0    1,6    1,8    2,6    1,3    1,7    1,6    6,6    6,8    6,7

Nachrichtlich:
Exportge-
 wichtet (4)  -     1,3    1,4    2,5    2,0    2,1    1,8     -      -      -

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Westeuropa (außer Schweiz): Harmonisierter Verbraucherpreisindex.
(2) Standardisiert.
(3) Summe der aufgeführten Länder. Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise
 gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar;
 Arbeitslosenquote gewichtet mit der Zahl der Erwerbspersonen von 2001.
(4) Summe der aufgeführten Länder. Gewichtet mit den Anteilen an der deutschen
 Ausfuhr von 2001.

Quellen: Angaben nationaler und internationaler Institutionen;
Berechnungen der Institute; 2003 und 2004: Prognose der Institute.

GD Frühjahr 2003

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 1.3
Reales Bruttoinlandsprodukt in ausgewählten Regionen
der Weltwirtschaft
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

-------------------------------------------------------------------------------
                           2002  2003  2004

Industrieländer insgesamt   1,6   1,8   2,6
darunter:
     USA                    2,4   2,4   3,5
     Japan                  0,3   1,2   1,1
     Euroraum               0,8   0,9   2,3
     Übriges Westeuropa     1,6   1,9   2,3

Schwellenländer
darunter:
     Mittel- und Osteuropa  3,4   3,5   3,6
     Ostasien (1)           4,4   4,0   4,5
     Lateinamerika (2)     -1,0   1,5   3,5

Insgesamt (3)               1,6   1,9   2,8

Nachrichtlich:
Welthandel, real            2,7   4,7   7,4

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Gewichteter Durchschnitt aus: Südkorea, Taiwan,
Indonesien, Thailand, Malaysia, Singapur, Philippinen.
Gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar.
(2) Gewichteter Durchschnitt aus: Brasilien, Mexiko,
Argentinien, Kolumbien, Venezuela, Chile. Gewichtet
mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar.
(3) Summe der aufgeführten Ländergruppen. Gewichtet mit dem 
Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar.

Quellen: Angaben nationaler und internationaler Institutionen;
 Berechnungen der Institute; 2003 und 2004: Prognose der Institute.

GD Frühjahr 2003

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-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 1.4
Rechnerische Budgeteffekte der geplanten Einzelmaßnahmen 
des "Jobs and Growth Plan" vom 6. Januar 2003
Veränderung gegenüber der ursprünglichen Budgetplanung in Mrd. US-Dollar, 
Fiskaljahre

-------------------------------------------------------------------------------
                                                            2003   2004    2005
                                                                            bis
Einnahmenseite                                                             2013

Aufhebung der "Sunset Provision" im Steuergesetz von 2001     *     -1     -601
Aufhebung der Dividendensteuer                               -8    -23     -365
Vorgezogene Einkommensteuersenkung                          -25    -78     -133
Erhöhte Abschreibung auf Forschungsaufwendungen               0     -1      -55
Abbau der "Alternative Minimum Tax"                          -1     -9      -27
Erhöhte Abschreibung auf Investitionen                       -1     -3      -24
Gutschrift für Pflegeversicherung                             0      *      -18
Gutschrift für gemeinnützige Spenden                          *     -1      -14
Gutschrift für sozialen Wohnungsbau                           0      *      -15
Gutschriften für Krankenversicherung                          0      *      -13
Erhöhter Sparerfreibetrag                                     2      3      -10
Andere Maßnahmen                                             -1     -5      -61

Insgesamt                                                   -34   -118   -1 336

Ausgabenseite
Negative Einkommensteuer und Kinderfreibetrag                 4      1       44
Arbeitslosenversicherung                                      0      0       17
Zuschüsse für Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen    0      3        1

Insgesamt                                                     4      4       62

Kosten insgesamt                                            -38   -122   -1 398

-------------------------------------------------------------------------------
* Zwischen -0,5 und +0,5 Mrd. US-Dollar.

Quelle: Congressional Budget Office
(www.cbo.gov/ftpdoc.cfm?index=4129&type=1).

GD Frühjahr 2003

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-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 1.5
Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote
in Mittel- und Osteuropa

-------------------------------------------------------------------------------
                  Bruttoinlandsprodukt  Verbraucherpreise   Arbeitslosenquote
         Gewicht                                                    in %
           (BIP)   Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

            in %   2002   2003   2004   2002   2003   2004   2002   2003   2004

Polen       24,8    1,3    2,5    3,3    1,9    1,5    2,0   19,9   20,0   19,0
Tschechien   7,9    2,0    2,5    3,3    1,8    1,5    2,5    7,3    7,5    7,0
Ungarn       7,3    3,3    3,5    3,8    5,3    5,2    4,7    5,6    5,7    5,5
Rumänien     5,6    4,9    4,5    4,5   22,8   18,0   15,0   10,2   10,0    9,5
Slowakei     2,8    4,4    3,8    4,0    3,3    7,0    4,5   18,6   18,0   18,0
Slowenien    2,6    3,0    3,5    3,8    7,5    6,5    5,5    6,4    6,5    5,2
Bulgarien    1,9    4,0    4,0    4,0    5,8    4,0    3,5   17,4   17,2   17,0

Mitteleuropa
 (1)        52,9    2,4    3,0    3,5    5,0    4,4    4,2   14,2   14,2   13,5

Estland      0,8    5,8    4,8    5,0    3,6    3,5    3,5   10,3   10,0    9,5
Lettland     1,1    6,1    5,5    5,5    1,9    2,0    2,0   13,5   12,5   12,0
Litauen      1,7    5,9    5,0    5,0    0,3    0,2    1,0   11,3   10,5   10,0

Baltische
 Länder (1)  3,5    5,9    5,1    5,2    1,5    1,5    1,8   11,9   11,1   10,6

Mitteleuropa
 und Bal-
 tikum (1)  56,4    2,6    3,1    3,6    4,8    4,2    4,0   14,1   14,0   13,4

Russland    43,6    4,3    4,0    3,5   16,0   14,0   13,0    7,1    6,5    6,0

Insgesamt
 (1)       100,0    3,4    3,5    3,6    9,7    8,5    7,9   10,0    9,6    9,1

Nachrichtlich:
Exportge-
 wichtet (2)  -     2,9    3,2    3,6     -      -      -      -      -      -

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Summe der aufgeführten Länder. Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise
 gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar;
 Arbeitslosenquote gewichtet mit der Zahl der Erwerbspersonen von 2001.
(2) Gewichtet mit den Anteilen an der deutschen Ausfuhr in diese Länder
 von 2001.

Quellen: Angaben nationaler und internationaler Institutionen;
Berechnungen der Institute; 2003 und 2004: Prognose der Institute.

GD Frühjahr 2003

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