Hauptstadtrolle Berlins: wirtschaftlich ein Gewinn, fiskalisch ein Verlust

DIW Wochenbericht 6 / 2006, S. 65-74

Kurt Geppert, Dieter Vesper

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Abstract

Berlin hat durch die Übernahme der Hauptstadtfunktion spürbare wirtschaftliche Impulse erhalten. Sie ergeben sich ausder Präsenz und der laufenden Arbeit der hauptstadtbezogenen Bundeseinrichtungen sowie aus der in ihrem Umfeld angesiedelten Botschaften, Interessenvertretungen und Medienbüros. Darüber hinaus ist Berlin durch seine neue Rolleattraktiver für Besucher und Investoren geworden. Die insgesamt daraus resultierenden Effekte für die Wirtschaft Berlinssind für sich genommen zwar beträchtlich (Bruttowertschöpfung: +2,4 %, Zahl der Arbeitsplätze: +34 000); dies ändert allerdings nichts an dem immer noch großen wirtschaftlichen Rückstand Berlins gegenüber anderen deutschen Metropolen. In fiskalischer Hinsicht ist die Hauptstadtrolle für Berlin eher ein "Verlustgeschäft". Nach Berücksichtigung der Umverteilungen im Länderfinanzausgleich und der Kosten im Zusammenhang mit den hauptstadtbedingten Einwohnerzuwanderungen verbleiben Berlin jährliche Mehreinnahmen von lediglich 15 Mill. Euro. Dem stehen aber beträchtliche hauptstadtbedingte Aufwendungen - z. B. im Bereich der öffentlichen Sicherheit - gegenüber, die bisher nur teilweise durch Zahlungen des Bundes ausgeglichen werden.

Dieter Vesper

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Makroökonomie