Einkommensungleichheit und Umverteilung in Westdeutschland, Großbritannien und Schweden 1950 bis 2000

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 1 / 2006, S. 174-194

Christoph Birkel

Abstract

Die langfristige Entwicklung der Einkommensverteilung und der Verteilungswirkung von Transfers in Westdeutschland, dem Vereinigten Königreich und Schweden als Exponenten unterschiedlicher wohlfahrtsstaatlicher Regime wird anhand von Daten aus nationalen Quellen und der Luxembourg Income Study (LIS) dargestellt. Der vielfach dokumentierte "U-Turn" findet sich in allen drei Ländern auch bei Kontrolle von Kompositionseffekten. Ebenso werden die Befunde für Niveauunterschiede und Entwicklungstendenzen bei der Umverteilungswirkung nicht erheblich durch Unterschiede beziehungsweise Veränderungen in der demographischen Struktur beeinflusst, treten bei deren Kontrolle aber deutlicher hervor. Die vorliegende Evidenz bezüglich der Umverteilungseffizienz unterstützt überwiegend Korpi und Palmes These des "Umverteilungsparadoxes". Die Befunde werden im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung von Einkommensungleichheit und Umverteilungspolitiken diskutiert.

Based on national sources and data from the Luxembourg Income Study (LIS), a description of the long-term development of the income distribution and redistribution in three countries representing distinct welfare regimes (West Germany, the United Kingdom, and Sweden) is given. The frequently documented "U-turn" is identified in all three countries, even when the composition of the population is kept constant. The findings regarding differences in levels as well as trends in distributional effects of transfers are not affected by differences or changes in the demographic structure, too, but show up more clearly if those are controlled for. The evidence regarding redistributive efficiency predominantly supports Korpi und Palme's thesis of the "paradox of redistribution". The findings are discussed with respect to the future development of income inequality and redistributive policies.