Entwicklung der Altersarmut in Deutschland

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 2 / 2011, S. 101-118

Jan Goebel, Markus M. Grabka

Abstract

Seit dem Jahr 2000 sinken die von der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) ausgezahlten individuellen Beträge fur männliche Neurentner. Wer heute in Rente geht, erhält im Schnitt sieben Prozent weniger als jemand, der noch vor zehn Jahren in den Ruhestand wechselte. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Bezieher von Grundsicherung im Alter seit 2003 deutlich zu. Dennoch zeigt sich, dass das generelle relative Armutsrisiko für ältere Menschen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren in etwa gleich geblieben ist - obwohl das Armutsrisiko für die Gesamtbevölkerung anstieg. Ein potentiell dämpfender Faktor sind veränderte Haushaltsstrukturen. Der Anteil der in Paarhaushalten lebenden älteren Menschen hat in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen. Vor dem Hintergrund der vergangenen Rentenreformen mit einer stärkeren Betonung der privaten Altersvorsorge, kann zudem aufgezeigt werden, dass bei den derzeit im Ruhestand befindlichen Personen diese Säule der Alterssicherung noch von geringer Bedeutung ist und je nach Einkommenshöhe variiert. Letztlich werden zur Beschreibung der Wohlfahrtsposition älterer Menschen neben den laufenden Einkommen auch deren individuelle Nettovermögen analysiert. Immerhin ein Fünftel aller Personen, die von relativer Einkommensarmut bedroht sind, können auf nennenswertes Vermögen zurückgreifen. Bei den älteren Menschen ist dieser Anteil deutlich höher und macht mehr als ein Drittel aus. Damit ergibt sich insgesamt ein Anteil von zehn Prozent älterer Menschen, die sowohl ein Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle aufweisen als auch über keine nennenswerten Vermögen verfügen.

Since 2000, the individual monthly payments from the Germany Statutory Pension Insurance Scheme (GRV) to new male pensioners have been declining. Those entering retirement today receive an average of 7 percent less than those who retired ten years ago. At the same time, the number of recipients of old-age basic income support (Grundsicherung im Alter) has risen significantly since 2003. Nevertheless, our findings show that the general relative poverty risk for older people in Germany has remained roughly constant over the last ten years-although the poverty rate of the population as a whole has been increasing. Changing household structures may be a moderating factor: the percentage of older persons living in couple households has increased substantially in the last 20 years. Despite recent pension reforms designed to encourage private pension saving, we found that for those currently in retirement, the prevalence of private pensions is still low and varies depending on income. Finally, to describe the welfare situation of older people, we analyzed not only current income but also individual net worth. We found that one-fifth of all persons living near the poverty line possess substantial assets that they can fall back on. Among the elderly, this percentage is substantially higher: more than one-third of all people over 65. The results also show that 10 percent of elderly people have an income below the poverty line and also lack any sizeable assets.

Jan Goebel

Direktorium SOEP und Bereichsleitung Data-Operation und Forschungsdatenzentrum in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

Markus M. Grabka

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel



JEL-Classification: D31;D33;I32
Keywords: Poverty risk, old age, SOEP
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.80.2.101
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/99654