Arbeitsmigration in Zentralasien: Kinder profitieren nicht von Geldüberweisungen

DIW Wochenbericht 6 / 2012, S. 11-17

Antje Kröger

get_appDownload (PDF  471 KB)

get_appGesamtausgabe/ Whole Issue (PDF  2.19 MB)

Abstract

In den zentralasiatischen Ländern Kirgistan und Tadschikistan müssen viele Erwachsene ihre Familien zeitweilig verlassen, um sich in anderen Regionen oder Ländern einen Arbeitsplatz zu suchen. Die Geldüberweisungen an die Familien stellen in beiden Ländern einen erheblichen wirtschaftlichen Faktor dar. Das DIW Berlin hat zwei Aspekte dieser Arbeitsmigration genauer untersucht: die Auswirkungen der Geldüberweisungen auf Bildung und Gesundheit der Kinder sowie die Folgen zeitweiliger Auswanderung von Vätern auf das Wohlergehen der zurückbleibenden Kinder und auf die Entscheidungsmacht innerhalb des Haushalts. Die Ergebnisse der Untersuchung sind ernüchternd: Durch die Abwesenheit eines Elternteils - in der Regel des Vaters - verschlechtert sich die Situation der Kinder in Kirgistan eher. Die Geldsendungen können diesen Effekt offenbar nicht wettmachen. Für Mädchen zeigen sich negativere Auswirkungen auf die Einschulungsrate als für Jungen. Auch ergeben sich Hinweise auf Mangelernährung bei kleinen Kindern sowie schlechtere gesundheitliche Angewohnheiten bei Jungen in Haushalten von Arbeitsmigranten. In tadschikischen und kirgisischen Haushalten, bei denen der Vater in einem anderen Land arbeitet, verlagert sich die Entscheidungsmacht zu den zurückbleibenden Müttern, und diese lassen dann den Töchtern im Durchschnitt mehr Unterstützung in der Ausbildung zukommen als den Söhnen. Jungen gehen seltener und Mädchen häufiger zur Schule, wenn sie in einem Haushalt mit abgewandertem Vater leben. Doch nach der Rückkehr des Vaters kehren sich die Verhältnisse wieder um.



JEL-Classification: F22;O53;I21;C23;R23
Keywords: migration, remittances, education, health, central asia
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/58074