Das Wohlergehen von Kindern als Zielgröße politischen Handelns

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 1 / 2014, S. 69-86

Axel Schölmerich, Alexandru Agache, Birgit Leyendecker, Notburga Ott, Martin Werding

Abstract

Das Wohlergehen von Kindern wird als relevante Zielgröße familienpolitischen Handelns betrachtet. Aus entwicklungsbezogenen Individualdaten im Datensatz des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und der Erweiterungsstudie „Familien in Deutschland“ (FiD) werden mittels theoriegestützter konfirmatorischer Faktorenanalysen für die untersuchten Altersgruppen zunächst Indikatoren 1. Ordnung für das Wohlergehen von Kindern generiert und diese auf ihre Messmodelleigenschaften überprüft. In einem zweiten Schritt werden die so gewonnenen Indikatoren zu altersspezifischen Wohlergehensfaktoren 2. Ordnung mit gutem Fit mit den Daten zusammengefasst. Verschiedene Kontextvariablen (Familienstatus, außerfamiliäre Betreuung, ökonomische und subjektive Belastung der Familie, Gesundheitsstatus), die durch politisches Handeln unterschiedlich beeinflussbar sind, werden mit einem Strukturgleichungsmodell auf ihre Wirkung auf das kindliche Wohlergehen geprüft. Kombinierte subjektive und ökonomische Belastung von Eltern wirkt sich auf negativ auf das Wohlergehen von Kindern aus, der Gesundheitszustand der Kinder spielt eine vermittelnde Rolle, und diese Effekte sind durch andere Kontextfaktoren (außerfamiliäre Betreuung, Häufigkeit dyadisch-didaktischer Interaktion) in ihrer Wirkung moderierbar. Die Implikationen für die Familienpolitik werden diskutiert.

Summary: Child well-being is a highly relevant goal of family policy. Based on individual developmental data from the Socio-oeconomic Panel and an extension study, domain-specific well-being indicators were derived using confirmatory factor analyses for five age groups (Newborns, 2-3, 5-6, 7-8, and 9-10 years). The specific indicators can be combined into a general well-being index with good fit to the data. Contextual variables, like family structure, economic stress, child health, and use of day care, which can be modified in varying degrees by family policy measures explain significant, albeit relatively small, proportions of the variance of this general well-being indicator as shown using structural equation modeling. The generally negative effect of subjective and objective economic hardship and concerns regarding child well-being can be modified by certain parent-child interactions and by participation in child care. Implications of these observations for family policy are discussed.

Themen: Familie, Bildung



JEL-Classification: H31;H5;J13
Keywords: Wohlergehen von Kindern, Entwicklungspsychologie, sozioökonomischer Kontext,Indikatoren, empirische Analysen
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.83.1.69
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/111765