Modernisierung und Innovation bei CO₂-intensiven Materialien: Lehren aus der Stahl- und Zementindustrie

DIW Wochenbericht 29/30 / 2015, S. 667-677

Karsten Neuhoff, Andrzej Ancygier, Jean-Pierre Ponssard, Philippe Quirion, Nagore Sabio, Oliver Sartor, Misato Sato, Anne Schopp

get_appBeitrag (PDF  207 KB)

Abstract

Seit 2007 ist die europäische Zement- und Stahlindustrie mit einer starken Nachfragereduktion konfrontiert, die zu Überkapazitäten führte. Aus diesem Grund kommt es nur in begrenztem Maße zu Reinvestitionen bei Produktionsanlagen. Dies gefährdet jedoch die längerfristige Wirtschaftlichkeit und den Erhalt vieler Anlagen. Neue Perspektiven für diese Branchen könnten sich aus Innovations-und Modernisierungsoptionen ergeben, die im Zusammenhang stehen mit neuen Anforderungen an effizientere und CO2-ärmere Produktionsprozesse, mit einer steigenden Nachfrage nach höher¬wertigen Materialien mit geringerem Gewicht und mit neuen Anwendungen in den Bau-, Transport- und Energiesektoren. Allerdings wurden bisher nur wenige dieser Möglichkeiten genutzt, was auf die bisherigen politischen Maßnahmen zurückgeführt werden kann. In Zukunft können solche Innovations- und Modernisierungsmöglichkeiten verstärkt wahrgenommen werden, wenn eine langfristige Perspektive geschaffen wird: Dazu gehört erstens ein effektiver CO2-Preis, der aus dem EU-Emissionshandelssystem hervorgeht. Er gibt Produzenten einen Anreiz zur Umstellung auf eine CO2-ärmere Produktion und Zwischen- und Endverbrauchern Anreize für die Nutzung CO2-ärmerer Materialien sowie eine effizientere Verwendung des jeweiligen Materials. Zweitens ist die öffentliche Förderung von Innovationen einschließlich Demonstrationsprojekten zur Kommerzialisierung neuer Prozesse und Materialien erforderlich. Drittens sollte eine Anpassung institutioneller Rahmenbedingungen wie Normen und Standards sowie die Ausbildung von Hand¬werkern erfolgen, um die Nutzung von neuen Produktionsprozessen und Materialien zu ermöglichen.

Since 2007, the European cement and steel sectors have been characterized by substantial surplus production capacity. Hence re-investment in primary production of many materials remains limited and endangers the longer-term economic viability of many plants. Opportunities for innovation and modernization could overcome these challenges. They are linked to new demands for more efficient and low¬er-carbon production processes, higher-value materials with less weight and carbon intensity, and new applications in construction, transport and the energy sector. Only a limited share of these opportunities has been captured so far, which can be attributed to the policies implemented to date. For the future realization of innovation and modernization opportunities, a clear longer-term perspective is required in three policy elements. First, an effective carbon price emerging from the European Union Emissions Trading System (EU ETS) that is relevant both for producers, to facilitate switching to lower-carbon production, and also for intermediate and final consumers to create a viable long-term business case for large-scale investments in lower carbon processes, materials, and efficient use. Second, public funding for the innovation and demonstration of breakthrough technologies. Third, institutional arrangements including aspects like norms and standards as well as provisions for training of craftsmen need to be adjusted to enable the use of new production processes and materials.



JEL-Classification: L20;L61;Q50
Keywords: Energy Intensive Industries, Materials, Steel, Cement, Mitigation, EU ETS
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/113239