Einkommensnachteile von Müttern im Vergleich zu kinderlosen Frauen in Deutschland

Aufsätze referiert extern - Web of Science 4 / 2015

Paul Schmelzer, Karin Kurz, Kerstin Schulze

In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 67 (2015), 4. S. 737-762

Abstract

Wie in anderen OECD-Staaten hat auch in Deutschland die Frauen- und Müttererwerbsbeteiligung stark zugenommen, allerdings bestehen noch immer Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, welche für Frauen mit Kindern am größten ausfallen. Diese werden oft mit Humankapitalentwertung, der Signalwirkung von (langen) Erwerbsunterbrechungen und der möglichen Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt erklärt. Vernachlässigt wurde in der bisherigen Forschung jedoch die Frage, welchen Einfluss es hat, ob Mütter ihre Erwerbsunterbrechung über die gesetzlich vorgesehene Freistellungsphase hinaus ausdehnen oder nicht. Wir erwarten vor allem für Mütter, die länger als die gesetzlich maximal vorgesehene Freistellungsphase zu Hause bleiben, Lohneinbußen. Daneben untersuchen wir, inwieweit sich die negativen Folgen von Erwerbsunterbrechungen zwischen Müttern, die über unterschiedlich hohes Humankapital in Form von beruflichen Abschlüssen verfügen, und zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheiden. Unsere Analyse basiert auf den Daten des SOEP (1984 bis 2011) und kontrolliert Effekte unbeobachteter Heterogenität. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass es keine generelle und dauerhafte „motherhood wage penalty“ gibt, sondern dass vor allem Unterbrechungen, die über die gesetzlich vorgesehene Phase hinaus gehen, zu niedrigeren Löhnen führen, da sie wahrscheinlich als Signal für eine niedrige Karriereorientierung der Mütter fungieren. Außerdem spielt Bildung eine entscheidende Rolle: Vor allem Frauen mit Hauptschulabschluss und beruflicher Ausbildung scheinen bei langen Unterbrechungen mit großen, dauerhaften Lohneinbußen, andere Mütter jedoch nur mit geringen, vorübergehenden oder keinen Einbußen rechnen zu müssen.

As in other OECD countries, female and maternal employment rates have increased tremendously in Germany, though there is still a wage “gender gap” which is largest for women with children. This is often explained by the depreciation of human capital, the signaling effect of (long) employment breaks and the possible discrimination of mothers in the labour market. However, research has neglected the question what influence it has whether mothers stay out of work beyond the maximal length of the legal leave of absence or not. We expect wage penalties particularly for those mothers who extend their leave of absence. Besides we examine whether the negative impact of employment interruptions varies between mothers with different amounts of human capital in the form of vocational qualifications and between East and West Germany. Our analysis is based on data from the GSOEP (1984–2011) and controls for unobserved heterogeneity. Overall, our results show that there is no general or permanent “motherhood wage penalty”, but that mainly breaks exceeding the legally suggested duration lead to lower wages, as they probably signal a low career orientation of mothers. Further, education plays a crucial role: Especially women with low secondary education and vocational training suffer from large, permanent wage penalties while other mothers suffer only from smaller, non-permanent penalties or even experience no penalties.

Paul Schmelzer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel



Keywords: Wage, Parental leave, Maternal employment, Re-entry, Human capital, Signaling, Education, Vocational training
DOI:
http://dx.doi.org/10.1007/s11577-015-0346-1