Mangelnde Gleichberechtigung bei Finanzentscheidungen trägt zu geringerer Finanzbildung von Frauen bei

Pressemitteilung vom 16. November 2016

DIW Berlin untersucht für mehrere Länder die Ursachen für die geringere Finanzbildung von Frauen – Neben Einkommen, Bildung und Erfahrung spielen kulturelle Faktoren eine wesentliche Rolle – Durch bessere Finanzbildung könnten Frauen effektiver für das Alter vorsorgen

In den meisten Ländern der Welt wissen Frauen weniger über Finanzen als Männer. Sozio-demographische Faktoren wie Einkommen, Alter und Bildung sowie die Erfahrung mit Finanzangelegenheiten liefern Erklärungen für diesen Gender Gap in der finanziellen Bildung. Insbesondere spielen kulturelle Faktoren wie die Rolle der Frau in der Gesellschaft eine wesentliche Rolle. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Die Studie untersucht insbesondere Deutschland, die USA und Thailand. Frauen in Deutschland und den USA schneiden bei Tests zur finanziellen Bildung schlechter ab als Männer, auch diejenigen mit hoher Bildung oder Alleinstehende. In Thailand dagegen wissen Frauen genauso viel, und teilweise mehr, über Finanzen und Geld als Männer. „Kulturell bedingt übernehmen in Thailand Frauen oft die finanzielle Verantwortung im Haushalt, in diesem Punkt herrscht dort mehr Gleichberechtigung als bei uns“, erklärt Studienautorin Antonia Grohmann.

Frauen müssen finanziell besser vorsorgen können

In westlichen Ländern sollten immer mehr Menschen für das Alter privat vorsorgen. Insbesondere Frauen, die eine höhere Lebenserwartung und brüchigere Erwerbsbiografien haben als Männer, sind auf private Vorsorge angewiesen. Gleichzeitig werden Finanzprodukte immer komplizierter und eine solide Finanzbildung ist entscheidend, um die richtigen Anlageentscheidungen treffen zu können. „Die Politik sollte versuchen, die Finanzbildung im Allgemeinen und besonders von Frauen zu verbessern“, so Grohmann.

Dabei sollte zum einen die Rechenfertigkeit von Mädchen besser gefördert werden – Studien zeigen, dass Mädchen in den meisten Ländern schlechter in Mathematik abschneiden als Jungen. Zusätzlich sollte sich der Schulunterricht mehr mit Finanzbildung befassen und dabei ein besonderes Augenmerk auf Mädchen gerichtet werden, um ihr Selbstvertrauen in diesem Feld zu stärken. „Auch, und das ist ganz wesentlich, verbessert sich die Finanzbildung, wenn sich die Rolle der Frauen in der Gesellschaft ändert“, schlussfolgert Grohmann. „Die Gleichstellung von Männern und Frauen, auch auf dem Arbeitsmarkt, sollte ein generelles Ziel der Politik sein.“

Links

  • DIW Wochenbericht 46/2016 (PDF, 2.47 MB)
  • Interview mit Antonia Grohmann: "In den meisten Ländern wissen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer in Sachen Finanzen" (Print (PDF, 90.19 KB) und
    O-Ton von Antonia Grohmann
    In den meisten Ländern wissen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer über Finanzen - Interview mit Antonia Grohmann

Themen: Bildung, Gender

Antonia Grohmann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Weltwirtschaft