Kinder mit Migrationshintergrund: Mit wem gehen sie in die Kita?

DIW Wochenbericht 51/52 / 2017, S. 1206-1213

Ludovica Gambaro

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Abstract

In Deutschland ist der Anteil der Kinder, die frühkindliche Bildungsund Betreuungseinrichtungen (Kitas) besuchen, in den letzten beiden Jahrzehnten rasant gestiegen. Diese Einrichtungen sind somit ein zentraler Ort des frühkindlichen Lernens geworden. Für Kinder mit Migrationshintergrund, die in ihren Familien eine andere Sprache sprechen als Deutsch, bietet der Besuch einer Kita das Potential, frühzeitig mit der deutschen Sprache in Kontakt zu kommen. Ein wichtiger, aber oft kaum beachteter Faktor in dieser Hinsicht ist die Zusammensetzung der Gruppen in den einzelnen Kitas. Besuchen Kinder mit Migrationshintergrund Kitas, in denen die meisten der anderen Kinder ebenfalls einen Migrationshintergrund haben? Der vorliegende Bericht weist für Deutschland erstmals systematisch nach, wie Kinder, und insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund, über die verschiedenen Tageseinrichtungen verteilt sind, und untersucht somit das Ausmaß der Segregation. Anhand von administrativen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik aus dem Zeitraum 2007 bis 2016 wird gezeigt, dass ein Drittel der Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache Einrichtungen besucht, an denen die Mehrheit der anderen Kinder einen ähnlichen Hintergrund hat. Es wird argumentiert, dass die Zusammensetzung der Gruppen ein entscheidender Faktor für die Qualität der Betreuung und Bildung einer Kita ist. Positiv ist zu bewerten, dass dieser Faktor auch über behutsame politische Interventionen beeinflusst werden kann.

Ludovica Gambaro

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung und Familie



JEL-Classification: J15;J13;I24;H75
Keywords: Early education and care, peer group composition, segregation, migrant background