Ungleiche Einkommensverteilung in Deutschland grundsätzlich akzeptiert aber untere Einkommen werden als ungerecht wahrgenommen

DIW Wochenbericht 37 / 2018, S. 801-807

Jule Adriaans, Stefan Liebig

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Abstract

Einkommensunterschiede stehen in Deutschland immer wieder im Fokus öffentlicher Debatten. Daten von Beschäftigten aus der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) und einer separaten Studie (LINOS) zeigen: Dass es Ungleichheiten im Erwerbseinkommen gibt, wird tendenziell als gerecht wahrgenommen; dennoch empfindet ein substantieller Anteil der Befragten die aktuelle Verteilung der Bruttoerwerbseinkommen in Deutschland als ungerecht. Dies trifft vor allem auf die Mitte und das untere Ende der Einkommensverteilung zu: Eine breite Mehrheit der Befragten bewertet die niedrigen und mittleren Erwerbseinkommen insgesamt als zu niedrig. Hohe Einkommen werden dagegen viel seltener als ungerecht empfunden. Die Analyse zeigt, dass wahrgenommene Ungerechtigkeiten im oberen Bereich der Einkommensverteilung mit der Reduktion der eigenen Anstrengungen am Arbeitsplatz einhergehen, empfundene Ungerechtigkeit am unteren Ende der Einkommensverteilung hingegen mit dem Rückzug aus dem demokratischen Meinungsbildungsprozess.

Jule Adriaans

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

Stefan Liebig

Direktorium in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel



JEL-Classification: D31;D63;M52
Keywords: earnings inequality, fair earnings, reactions to unfair earnings
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2018-37-1