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DIW Wochenbericht

49 / 2018 EU-Staatsanleihen in Bankbüchern: Home Bias allgegenwärtig, aber Eigenkapitalbedarf sehr unterschiedlich Dominik Meyland, Dorothea Schäfer S. 1043-1051

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Abstract:

Das aktuelle Regelwerk zur Bankenregulierung erlaubt ein Risikogewicht von null für EU-Staatsanleihen. Seit der europäischen Verschuldungskrise wird verstärkt über die Aufhebung des Eigenkapitalprivilegs gestritten, weil die Nullgewichtung als ein Grund für die engen Verbindungen zwischen den Risiken von Staaten und Banken gesehen wird. Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des Home Bias – also der Neigung der europäischen Großbanken, überproportional in Staatsanleihen des Heimatlandes zu investieren – für Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien. Außerdem wird der potentielle Eigenkapitalbedarf für den Fall der Abschaffung der Nullgewichtung von Staatsanleihen bestimmt. Es zeigt sich, dass der Home Bias in den letzten vier Jahren bei vielen europäischen Großbanken zugenommen hat. Auf den zusätzlichen Eigenkapitalbedarf wirkt sich der Home Bias nur bei spanischen und italienischen Banken aus, da deren Heimatstaaten eine vergleichsweise schwache Ratingnote haben. Die Abschätzung des zusätzlichen Eigenkapitalbedarfs im Falle der Aufhebung des Eigenkapitalprivilegs zeigt für die italienischen Banken mit 11,5 Milliarden Euro den höchsten Kapitalbedarf an, gefolgt von den spanischen Banken mit 9,5 Milliarden Euro. Damit würde die Abschaffung des Eigenkapitalprivilegs die Finanzierung der Staatsschulden in Italien und Spanien deutlich erschweren. Es wäre daher empfehlenswert, die Risikogewichtung für Staatsanleihen erst nach der Stabilisierung der Staatsverschuldung einzuführen. Gleichzeitig sollten Maßnahmen ergriffen werden, die es den Banken erleichtern, ihren Home Bias abzubauen und ihr Staatsanleihenportfolio besser zu diversifizieren

JEL-Classification:

G20;G28;G01

Keywords:

bank capital regulation, sovereign bonds