Fast jedes zehnte Kind geht auf eine Privatschule – Nutzung hängt insbesondere in Ostdeutschland zunehmend vom Einkommen der Eltern ab

DIW Wochenbericht 51/52 / 2018, S. 1103-1111

Katja Görlitz, C. Katharina Spieß, Elena Ziege

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  • Gut neun Prozent der SchülerInnen in Deutschland gehen auf eine Privatschule – Anteil in Ostdeutschland etwas höher als in Westdeutschland
  • Studie untersucht auf Basis von SOEP-Daten sozioökonomische Unterschiede in der Nutzung von Privatschulen und deren zeitliche Entwicklung getrennt für West- und Ostdeutschland
  • Im Osten besuchen gut 23 Prozent der Kinder aus Akademikerelternhäusern eine Privatschule, im Westen knapp 17 Prozent – rund 20 beziehungsweise 13 Prozentpunkte mehr als 1995
  • In Ostdeutschland entscheidet auch das Haushaltseinkommen immer stärker darüber, ob SchülerInnen auf eine private oder öffentliche Schule gehen
  • Um zunehmender sozialer Segregation entgegenzuwirken, könnten mehr Bundesländer als bisher das Schulgeld begrenzen und eine konkrete Einkommensstaffelung vorschreiben

„Es geht auch darum, dass öffentliche Schulen für alle Gruppen, also auch für bildungs- und einkommensstarke Haushalte, wieder attraktiver werden müssen, damit die große Segregation in unterschiedliche Schultypen nicht noch weiter fortschreitet und wir nicht zunehmend getrennte Lernumwelten haben.“ C. Katharina Spieß

Der Anteil von Kindern, die eine Privatschule besuchen, hat sich seit Beginn der 1990er Jahre fast verdoppelt: Mittlerweile gehen gut neun Prozent aller SchülerInnen in Deutschland auf eine Privatschule. In Ostdeutschland liegt ihr Anteil mit etwas mehr als zehn Prozent inzwischen über dem Anteil in Westdeutschland (knapp neun Prozent). Wie dieser Bericht auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigt, spielt die Bildung der Eltern sowohl in west- als auch in ostdeutschen Bundesländern eine immer größere Rolle für die Privatschulnutzung. In Ostdeutschland gehen gut 23 Prozent aller SchülerInnen aus Akademikerelternhäusern auf eine Privatschule, in Westdeutschland knapp 17 Prozent – rund 20 beziehungsweise 13 Prozentpunkte mehr als 1995. In Ostdeutschland werden auch mit Blick auf die Haushaltseinkommen die Unterschiede in der Privatschulnutzung immer größer. Die soziale Segregation zwischen den privaten und öffentlichen Schulen hat über die Zeit also deutlich zugenommen. Um dem entgegenzuwirken, sind unterschiedliche Maßnahmen denkbar. Mehr Bundesländer als bisher könnten zum Beispiel das Schulgeld begrenzen und eine konkrete Einkommensstaffelung vorschreiben. Zudem könnten Maßnahmen ergriffen werden, die öffentliche Schulen für Familien mit einer höheren Bildung wieder attraktiver machen.

Dem deutschen Grundgesetz zufolge sind alle BürgerInnen berechtigt, eine Privatschule zu gründen (Art. 7 Abs. 4 Grundgesetz). Die Mehrheit der Privatschulen in Deutschland zeichnet sich dadurch aus, dass SchülerInnen dort ihre gesetzliche Schulpflicht erfüllen können.infoEs wird zwischen Ergänzungsschulen und Ersatzschulen unterschieden, wobei die Mehrheit der Privatschulen Ersatzschulen sind. Für sie treffen die beschriebenen Merkmale zu, nicht jedoch für Ergänzungsschulen. Wie öffentliche Schulen stehen sie unter Aufsicht des Staates – sie müssen sich also unter anderem an die Prüfungs- und Versetzungsordnungen halten, die auch für öffentliche Schulen gelten.infoDeutscher Bundestag (2017): Privatschulen im voruniversitären (allgemeinbildenden) Bildungsbereich in Deutschland (online verfügbar; abgerufen am 4. Dezember 2018. Dies gilt auch für alle anderen Online-Quellen dieses Berichts, sofern nicht anders vermerkt).

Privatschulen dürfen ein Schulgeld verlangen, aber grundsätzlich ihre SchülerInnen nicht nach den „Besitzverhältnissen“ der Eltern diskriminieren, wie es im Grundgesetz weiter heißt (Art. 7 Abs. 4 GG). Das von den Eltern zu zahlende Schulgeld muss entweder nach dem Einkommen gestaffelt werden oder so niedrig sein, dass es von allen Eltern gezahlt werden kann.infoVgl. zum Beispiel Stephan Köppe (2012): Wahlfreiheit und Nutzerrollen im deutschen Bildungssystem. WSI Mitteilungen, 3, 206–215 (online verfügbar). Dieses sogenannte „Sonderungsverbot“ schreibt allerdings keinen genauen Höchstbetrag oder eine exakte Einkommensstaffelung vor.infoDer baden-württembergische Landtag stellte zwar 2017 fest, dass gegen das Sonderungsverbot verstoßen wird, wenn Eltern mehr als 160 Euro monatlich für eine Schule zahlen müssen. Die Handhabung des Sonderungsverbots ist jedoch in jedem Bundesland anders. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind die einzigen Bundesländer, in denen sichergestellt wird, dass GeringverdienerInnen keine Schulgelder zahlen müssen. Vgl. Marcel Helbig und Michael Wrase (2017): Übersicht über die Vorgaben zur Einhaltung des Sonderungsverbots in den Bundesländern: Aktualisierte und ergänzte Fassung auf der Grundlage der in NVwZ 2016 entwickelten Kriterien. WZB Discussion Paper 2017-004 (online verfügbar).

Bei der Mehrheit der Privatschulen in Deutschland handelt es sich um konfessionelle Schulen (in der Regel evangelisch oder katholisch ausgerichtet), gefolgt von reformpädagogischen Schulen wie Waldorf- oder Montessorischulen. Daneben existieren internationale Schulen und andere weltanschauliche Privatschulen.infoVgl. beispielsweise Heiner Ullrich und Susanne Strunck (2009): Zwischen Kontinuität und Innovation: Aktuelle Entwicklungen im deutschen Privatschulwesen. Zeitschrift für Pädagogik 55 (2), 228–243 (online verfügbar).

Anstieg des Privatschüleranteils in Ostdeutschland besonders stark

Gut neun Prozent der SchülerInnen in Deutschland besuchen derzeit Schulen in freier Trägerschaft, die allgemein als Privatschulen bezeichnet werden. Diese machen elf Prozent aller allgemeinbildenden Schulen aus. Fast 13 Prozent der PrivatschülerInnen gehen auf Grundschulen, 36 Prozent auf Gymnasien.infoVgl. Statistisches Bundesamt (2018): Private Schulen, Schuljahr 2017/2018. Fachserie 11, Reihe 1.1. (online verfügbar); und ergänzende Zeitreihen-Statistiken. Allerdings können elf Prozent der SchülerInnen der Freien Waldorfschulen nicht nach Primar- und Sekundarschulbereich getrennt werden.

Die Bedeutung von Privatschulen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen: Lag der Anteil der PrivatschülerInnen an allen SchülerInnen im Jahr 1992 noch bei knapp fünf Prozent, gingen im Jahr 2017 mit 9,1 Prozent so viele SchülerInnen wie nie zuvor auf eine Privatschule (Abbildung 1).infoStatistisches Bundesamt (2018), a.a.O. Besonders stark war der Anstieg in Ostdeutschland: Hier hat sich der Anteil der PrivatschülerInnen seit 1992 mehr als verzehnfacht. Während in den ostdeutschen Bundesländern im Jahr 1992 nur knapp ein Prozent aller SchülerInnen Privatschulen besuchten, betrug die Quote 2017 bereits 10,1 Prozent.infoStatistisches Bundesamt (2018), a.a.O. Seit 2011 übersteigt die Privatschulnutzung in Ostdeutschland den entsprechenden Anteil in Westdeutschland, wo er heute 8,8 Prozent beträgt. Bemerkenswert ist außerdem, wie massiv der Anstieg im Osten um die Jahrtausendwende war, nachdem die Entwicklung zuvor noch vergleichsweise moderat verlief.

Möglicherweise schicken Eltern ihre Kinder deshalb verstärkt auf Privatschulen, weil sie davon ausgehen, dass diese einen größeren Lernerfolg versprechen als öffentliche Schulen. Vergleicht man jedoch die erreichten Abschlüsse, unterscheiden sich die Bildungserfolge der Jugendlichen aus Schulen in freier und öffentlicher Trägerschaft nicht systematisch. Aktuelle Analysen zeigen, dass die erreichten Kompetenzen von SchülerInnen aus Privatschulen und aus öffentlichen Schulen im Mittel nur geringfügig voneinander abweichen.infoVgl. Klaus Klemm et al. (2018): Privatschulen in Deutschland. Trends und Leistungsvergleiche. Friedrich-Ebert-Stiftung (online verfügbar). Die Analysen berücksichtigen dabei, dass sich die Schülerschaft dieser Schulen in wichtigen lern- und leistungsrelevanten Merkmalen wie dem sozioökonomischen Status, der Familiensprache und dem Geschlecht unterscheiden.infoLediglich für die Kompetenzbereiche „Zuhören“ (Deutsch) und „Hörverstehen“ (Englisch) gilt dies nicht: Hier erzielen die SchülerInnen der Schulen in privater Trägerschaft auch bei Berücksichtigung wichtiger lern- und leistungsrelevanter Merkmale bessere Leistungsergebnisse. Vgl. Klemm et al. (2018), a.a.O. Für frühere Analysen vgl. zum Beispiel Monika Jungbauer-Gans, Henning Lohmann und C. Katharina Spieß (2012): Bildungsungleichheiten und Privatschulen in Deutschland. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 64–85.

PrivatschülerInnen sind eine selektive Gruppe

Wie in der Fachöffentlichkeit vielfach vermutet, unterscheidet sich die Schülerschaft in Privatschulen von der in öffentlichen Schulen. Eine Studie des DIW Berlin aus dem Jahr 2009 hat dies für den Zeitraum 1987 bis 2007 eindrücklich belegt:infoVgl. Henning Lohmann, C. Katharina Spieß und Christoph Feldhaus (2009): Der Trend zur Privatschule geht an bildungsfernen Schichten vorbei. DIW Wochenbericht Nr. 38, 640–646 (online verfügbar); und Jungbauer-Gans et al. (2012), a.a.O. Demnach besuchten im Jahr 2007 SchülerInnen, deren Eltern ein Abitur haben, häufiger eine Privatschule als SchülerInnen, deren Eltern kein Abitur haben. Die damaligen Analysen zeigten außerdem, dass die soziale Selektion in den Jahren 1997 bis 2007 zunahm: So stieg der Anteil der PrivatschülerInnen aus „bildungsnahen“ Elternhäusern in diesem Zeitraum um rund 77 Prozent, während der Anteil der PrivatschülerInnen aus „bildungsferneren“ Elternhäusern um lediglich zwölf Prozent zulegte. Auch aktuelle Analysen auf Basis von Ländervergleichen des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) aus den Jahren 2015 und 2016 belegen, dass PrivatschülerInnen Eltern mit einem höheren HISEI-IndexinfoHISEI steht für Highest International Socio-Economic Index of Occupational Status. haben, also sozioökonomisch bessergestellt sind.infoVgl. Klemm et al. (2018), a.a.O. DIW Econ, ein rechtlich unabhängiges Tochterunternehmen des DIW Berlin, hat im März 2018 für den Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) eine Analyse durchgeführt. Dabei ergaben sich mit Blick auf das Einkommen – so die Interpretation des Berichts – keine deutlichen Unterschiede zwischen Haushalten mit Kindern in Privatschulen und Haushalten mit Kindern in öffentlichen Schulen. Diese Analyse bezieht sich im Gegensatz zum vorliegenden Wochenbericht jedoch auf Haushalte statt SchülerInnen und basiert ausschließlich auf SOEP-Daten aus dem Jahr 2015. Darüber hinaus werden die Haushaltseinkommen anders unterteilt und keine Differenzierungen nach West- und Ostdeutschland vorgenommen. Ziel dieser Studien war es jedoch nicht, detaillierter mögliche West-Ost-Unterschiede zu untersuchen und zeitliche Entwicklungen in der sozioökonomischen Selektion der PrivatschülerInnen getrennt für West- und Ostdeutschland zu beschreiben. Angesichts der großen West-Ost-Unterschiede beim Anstieg der Privatschulquote seit 1992 scheint eine solche Differenzierung jedoch von besonderem Interesse. Neben einer detaillierten Beschreibung der Merkmalsunterschiede von PrivatschülerInnen und SchülerInnen öffentlicher Schulen in West- und Ostdeutschland beschreibt der vorliegende Wochenbericht daher auch die Trends sozioökonomischer Unterschiede getrennt für West- und Ostdeutschland. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob mit dem starken Anstieg der Privatschulnutzung auch ein Anstieg der sozialen Selektion einherging.

Unterschiede in der Privatschulnutzung zwischen West- und Ostdeutschland …

Diese Studie verwendet Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin. Wie die früheren Analysen des DIW Berlin zeigen, kann das SOEP den Besuch von Privatschulen sehr gut abbilden. Dies zeigt sich daran, dass mit den SOEP-Wellen die Nutzungsquoten der amtlichen Statistik repliziert werden können. So ergibt sich für Deutschland auf Basis des SOEP ein Privatschüleranteil an allen SchülerInnen von rund neun Prozent im Jahr 2015 – dem aktuellsten Jahr, für das im SOEP entsprechende Informationen vorliegen (neun Prozent in Westdeutschland und zehn Prozent in Ostdeutschland). Dies entspricht den Berechnungen auf Basis der amtlichen Statistik für das Jahr 2015. Im Gegensatz zu anderen Datensätzen, die Informationen über PrivatschülerInnen enthalten, etwa die Ländervergleiche des IQB, handelt es sich beim SOEP um eine repräsentative Haushalts- und Personenbefragung.infoVgl. Jan Goebel et al. (2018): The German Socio-Economic Panel Study (SOEP). Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik / Journal of Economics and Statistics. Die Analysen dieses Berichts basieren auf SOEPv33.1 (online verfügbar; doi: 10.5684/soep.v33.1).

Über den Haushaltsfragebogen des SOEP wird regelmäßig im Abstand von einigen Jahren der Schulträger für alle im Haushalt lebenden Kinder unter 17 Jahren erfasst. Privatschulen sind im Folgenden als Schulen mit kirchlichen, gemeinnützigen oder gewerblichen Trägern definiert. Das SOEP erlaubt es, PrivatschülerInnen für unterschiedliche Jahre nach ihren sozioökonomischen und soziodemografischen Merkmalen sowie ihrer regionalen Zugehörigkeit zu unterscheiden. Die jährlichen Daten der amtlichen Statistik lassen hingegen nur eine nach Schularten, Regionen und Nationalität der SchülerInnen differenzierte Betrachtung zu.

… nach kindbezogenen Merkmalen

Zunächst werden die Merkmale von PrivatschülerInnen den Merkmalen der Schülerschaft an öffentlichen Schulen gegenübergestellt. Wie auch in anderen Studien zeigt sich, dass Mädchen sowohl in West- als auch in Ostdeutschland auf Privatschulen in der Mehrheit sind (Tabelle 1). Auch mit Blick auf den Migrationshintergrund des Kindes bestätigen sich die Ergebnisse anderer Studien: Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ist unter PrivatschülerInnen sehr viel geringer als in der Referenzgruppe, also unter SchülerInnen an öffentlichen Schulen. In Westdeutschland haben unter PrivatschülerInnen 27 Prozent einen Migrationshintergrund und unter SchülerInnen öffentlicher Schulen 36 Prozent. In Ostdeutschland sind die Anteile deutlich geringer (drei beziehungsweise sechs Prozent), unterscheiden sich aber ebenfalls im statistischen Sinne signifikant voneinander.

Tabelle 1: Merkmale von SchülerInnen in West- und Ostdeutschland

Westdeutschland Ostdeutschland
SchülerInnen in ... SchülerInnen in ...
Privatschulen öffentlichen Schulen Differenz Privatschulen öffentlichen Schulen Differenz
sofern nicht anders vermerkt Spaltenprozente Prozentpunkte sofern nicht anders vermerkt Spaltenprozente Prozentpunkte
Kindbezogene Merkmale
Alter (in Jahren) 12,5 12,4 0,2 12,3 12,1 0,2
Weiblich 60,8 49,5 11,3*** 54,1 44,3 9,8*
Migrationshintergrund 26,6 35,8 −9,2*** 2,6 6,2 −3,6***
Elternbezogene Merkmale
Höchster Bildungsabschluss der Eltern
Ohne Berufsabschluss 16,1 27,7 −11,6*** 3,8 9,7 −6,0***
Ausbildung 63,3 60,4 2,9 61,4 78,4 −16,9***
Studium 20,6 11,9 8,7*** 34,8 11,9 22,9***
Vollzeiterwerbstätigkeit der Eltern
Beide Eltern 14,6 13,3 1,3 27,0 33,8 −6,8
Ein Elternteil 76,0 74,2 1,8 66,5 48,0 18,5***
Kein Elternteil 9,4 12,5 −3,1* 6,5 18,2 −11,7***
Religionszugehörigkeit der Eltern
Beide Eltern christlich 55,2 45,3 9,9*** 19,4 9,3 10,1***
Ein Elternteil christlich 8,4 10,8 −2,4* 23,9 14,8 9,1**
Kein Elternteil christlich 15,5 17,5 −2,0 36,1 50,6 −14,5**
Religion fehlend (nicht erfragt) 20,9 26,4 −5,5** 20,6 25,3 −4,7
Haushaltsbezogene Merkmale
Äquivalenzgewichtetes Nettoeinkommen des Haushalts (in Euro pro Jahr) 24414,9 19817,0 4597,9*** 22636,5 17204,2 5432,3***
Äquivalenzgewichtetes Nettoeinkommen des Haushalts in Quintilen
1. Einkommensquintil 11,3 19,2 −7,8*** 10,3 19,6 −9,4***
2. Einkommensquintil 12,7 18,0 −5,3*** 9,7 18,4 −8,7***
3. Einkommensquintil 17,9 19,1 −1,2 10,8 16,4 −5,6*
4. Einkommensquintil 25,1 22,4 2,7 20,6 23,0 −2,5
5. Einkommensquintil 32,9 21,2 11,7*** 48,7 22,5 26,1***
Bezug von Transferleistungen 7,8 10,7 −2,8* 4,9 19,6 −14,7***
Haushaltstyp
Paarhaushalt 81,0 81,6 −0,6 85,3 74,0 11,3***
Alleinerziehend 17,0 16,8 0,2 14,3 24,4 −10,1***
Sonstige 2,0 1,6 0,4 0,5 1,6 −1,1*
Anzahl weiterer Kinder im Haushalt 0,9 1,0 −0,1*** 1,0 0,9 0,1
Gemeindegrößenklasse
weniger als 20000 EinwohnerInnen 36,0 41,2 −5,1* 39,0 51,2 −12,2**
20000 bis 100000 EinwohnerInnen 31,2 30,7 0,5 31,4 24,9 6,5
mehr als 100000 EinwohnerInnen 32,8 28,1 4,6* 29,6 23,9 5,7
Schultyp
Grundschule 25,4 30,2 −4,9* 32,1 37,7 −5,6
Hauptschule 5,1 9,1 −4,0*** 0,2 1,8 −1,6***
Realschule 19,9 21,1 −1,2 10,9 22,3 −11,4***
Gymnasium 32,5 26,5 6,0** 42,8 29,5 13,3**
Gesamtschule 5,7 10,8 −5,1*** 4,9 5,7 −0,9
Sonstige Schule 11,4 2,2 9,2*** 9,2 3,0 6,2**
Beobachtungen 873 9450 211 1712

Anmerkungen: ***, **, * gibt die Signifikanz auf dem 1-, 5- und 10-Prozent-Niveau an. Bei Kindern von Alleinerziehenden beziehen sich der höchste Bildungsabschluss, die Vollzeiterwerbstätigkeit und die Religion ausschließlich auf den jeweils alleinerziehenden Elternteil. Das äquivalenzgewichtete jährliche Haushaltsnettoeinkommen berücksichtigt bei der Gewichtung die Größe und Zusammensetzung der Haushalte.

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von SOEP v33.1 (2011, 2013, 2015), gewichtet.

... nach elternbezogenen Merkmalen

Unterscheidet man die Privatschulnutzung nach elternbezogenen MerkmaleninfoBei Kindern von Alleinerziehenden beziehen sich der höchste Bildungsabschluss, die Vollzeiterwerbstätigkeit und die Religion nur auf den jeweils alleinerziehenden Elternteil., zeigt sich, dass sowohl in West- als auch in Ostdeutschland der Anteil von Kindern, bei denen zumindest ein Elternteil einen Studienabschluss hat, bei PrivatschülerInnen sehr viel höher ist als in der Referenzgruppe (Tabelle 1). Auffällig ist, dass die Differenz zwischen beiden Gruppen in Ostdeutschland (23 Prozentpunkte) sehr viel größer ist als in Westdeutschland (neun Prozentpunkte). Das heißt, dass PrivatschülerInnen in Ostdeutschland sehr viel häufiger aus Akademikerhaushalten stammen als in Westdeutschland. Kinder, deren Eltern keinen Berufsabschluss haben, sind mit 16 Prozent in Westdeutschland und mit nur vier Prozent in Ostdeutschland unter PrivatschülerInnen deutlich seltener vertreten als unter SchülerInnen öffentlicher Schulen (28 beziehungsweise zehn Prozent).

Nach der Vollzeiterwerbstätigkeit der Eltern unterscheidet sich die Privatschülerschaft nur in Ostdeutschland stark von SchülerInnen an öffentlichen Schulen: Auf Privatschulen ist der Anteil von SchülerInnen mit nur einem in Vollzeit erwerbstätigen Elternteil mit 67 Prozent deutlich höher als der entsprechende Anteil an öffentlichen Schulen (48 Prozent). Außerdem kommen PrivatschülerInnen insbesondere in Ostdeutschland zu einem sehr viel geringeren Anteil aus Haushalten, bei denen kein Elternteil in Vollzeit erwerbstätig ist.

Da es sich bei einem Großteil der Privatschulen um Schulen kirchlicher Träger handelt, ist eine weitere Differenzierung nach der Religionszugehörigkeit der Eltern interessant. Hier zeigt sich, dass an Privatschulen sowohl in West- als auch in Ostdeutschland der Anteil von SchülerInnen, deren Eltern beide eine christliche Religionszugehörigkeit haben, sehr viel höher ist als an öffentlichen Schulen. Allerdings sind die Niveauunterschiede groß: Während es in Westdeutschland 55 Prozent aller PrivatschülerInnen sind, deren Eltern eine christliche Religionszugehörigkeit haben, sind es in Ostdeutschland mit 19 Prozent deutlich weniger.

… nach haushaltsbezogenen Merkmalen

Außerdem ergeben sich größere Unterschiede bei haushaltsbezogenen Merkmalen wie dem jährlichen bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen.infoDieser Beitrag verwendet bei allen Analysen das äquivalenzgewichtete jährliche Haushaltsnettoeinkommen, das bei der Gewichtung dem Bedarf des Haushalts nach der Größe und der Zusammensetzung Rechnung trägt. Das Konzept des äquivalenzgewichteten Einkommens wird im DIW Glossar unter dem Begriff „Äquivalenzeinkommen“ beschrieben (online verfügbar). PrivatschülerInnen leben signifikant häufiger in Haushalten mit hohen Einkommen als SchülerInnen an öffentlichen Schulen. In Ostdeutschland sind die Einkommensunterschiede zwischen beiden Gruppen mit etwa 5 400 Euro größer als in Westdeutschland mit etwa 4 600 Euro. Dies macht sich auch beim Anteil von Kindern aus Haushalten mit Transferbezug (beispielsweise Arbeitslosengeld II) bemerkbar. Auch hier sind die Unterschiede in Ostdeutschland besonders deutlich: Auf Privatschulen kommen nur fünf Prozent der Kinder aus Haushalten mit Transferbezug, während es unter SchülerInnen an öffentlichen Schulen 20 Prozent sind.

Hinsichtlich des Haushaltstyps zeigen sich für Westdeutschland keine signifikanten Unterschiede. In Ostdeutschland sind unter PrivatschülerInnen im Vergleich zu SchülerInnen öffentlicher Schulen Kinder Alleinerziehender seltener und Kinder aus Paarhaushalten häufiger vertreten. Hinsichtlich des Wohnorts der SchülerInnen zeigt sich, dass PrivatschülerInnen seltener aus Städten oder Gemeinden mit weniger als 20 000 EinwohnerInnen kommen als SchülerInnen an öffentlichen Schulen.

… nach Schultypen

Die Verteilung auf die unterschiedlichen Schultypen bestätigt die Ergebnisse der amtlichen Statistik, denen zufolge PrivatschülerInnen besonders häufig in Gymnasien zu finden sind. Auf 33 Prozent der PrivatschülerInnen in Westdeutschland und sogar 43 Prozent in Ostdeutschland trifft das zu, während im öffentlichen Schulbereich nur 27 beziehungsweise 30 Prozent der SchülerInnen ein Gymnasium besuchen.

… nach Primar- und Sekundarstufe getrennt

Werden nur Grundschulkinder untersucht (ohne Tabelle), sind die Unterschiede nach der Bildung und dem Einkommen der Eltern in Ostdeutschland zwischen privaten und öffentlichen Schulen ähnlich ausgeprägt wie unter allen SchülerInnen. Die großen Differenzen nach dem Einkommen der Eltern sind nur noch für Ostdeutschland statistisch signifikant, auch wenn sie sich von der Tendenz her nach wie vor auch für Westdeutschland zeigen. In Westdeutschland finden sich außerdem keine statistisch signifikanten Unterschiede mehr nach dem Studium der Eltern. Wird nur die Gruppe der SekundarschülerInnen betrachtet (ohne Tabelle), bleiben die Unterschiede zwischen PrivatschülerInnen und SchülerInnen öffentlicher Schulen nach der Bildung und dem Einkommen der Eltern für West- und Ostdeutschland im Vergleich zur gesamten Schülerschaft unverändert.

Bildung und Einkommen der Eltern zunehmend entscheidend

Nachdem insbesondere mit Blick auf den höchsten Bildungsabschluss der Eltern und das Haushaltseinkommen größere Unterschiede zwischen den SchülerInnen auf privaten und öffentlichen Schulen festgestellt werden konnten, liegt die Frage nahe, wie sich diese Unterschiede über die Zeit entwickelt haben. Der höchste Bildungsabschluss der Eltern hat hinsichtlich der Privatschulnutzung insbesondere in Ostdeutschland deutlich an Bedeutung gewonnen (Abbildung 2). Seit 1995 ist der Anteil der PrivatschülerInnen unter Akademikerkindern in etwa um das Achtfache gestiegen – von fast drei auf gut 23 Prozent. Auch in Westdeutschland ist die Privatschulnutzung von Kindern aus bildungsnahen Haushalten gestiegen, allerdings deutlich weniger stark als in Ostdeutschland. Die Differenz in der Privatschulnutzung von Kindern der höchsten im Vergleich zur niedrigsten elterlichen Bildungsgruppe hat sich von 1995 bis 2015 von weniger als einem Prozentpunkt auf zehn Prozentpunkte vergrößert. In Ostdeutschland hingegen ist dieser Unterschied von sehr geringen Differenzen auf 19 Prozentpunkte gestiegen.

Eine Unterscheidung nach dem Nettoeinkommen zeigt ähnliche Tendenzen (Abbildung 3). Vor 20 Jahren waren die Unterschiede in der Privatschulnutzung in Westdeutschland zwischen den einkommensstärksten 20 Prozent der Haushalte (fünftes Einkommensquintil) und dem einkommensschwächsten Fünftel der Haushalte (erstes Einkommensquintil) mit nur zwei Prozentpunkten noch sehr gering. Im Jahr 2015 betrug der Unterschied fünf Prozentpunkte. Kinder aus einkommensstarken Haushalten gehen also immer häufiger auf eine Privatschule – im Jahr 2015 waren es fast zwölf Prozent. In Ostdeutschland sind die Nutzungsunterschiede auch nach den Einkommen deutlich stärker gestiegen. Bis 2005 waren sie noch relativ gering, danach wurden sie größer: 2015 besuchten nahezu 21 Prozent der Kinder aus Haushalten des obersten Einkommensquintils eine Privatschule, während es unter den Kindern aus dem untersten Einkommensquintil nur etwa acht Prozent waren.

Multivariate Analysen bestätigen die Ergebnisse

Um auszuschließen, dass diese zeitlichen Trends in den Nutzungsunterschieden durch bisher nicht einbezogene Faktoren erklärt werden können, werden multivariate Regressionsanalysen durchgeführt. So kann geprüft werden, ob die Ergebnisse auch dann Bestand haben, wenn weitere Faktoren in den Analysen berücksichtigt werden (Tabelle 2). Dazu zählen Unterschiede zwischen den Bundesländern und weitere soziodemografische Merkmale der Haushalte, Eltern und Kinder, etwa der Haushaltstyp, die elterliche Erwerbstätigkeit und die Religionszugehörigkeit.

Tabelle 2: Entwicklung der Privatschulnutzung nach Bildung und Einkommen der Eltern

Multivariate Regressionsanalysen für die Jahre 1995 bis 2015

West Ost
Koeffizient Standardfehler Koeffizient Standardfehler
Äquivalenzgewichtetes Nettoeinkommen des Haushalts in Quintilen (Referenz: 1. Einkommensquintil)
2. Einkommensquintil * Trend 0,0016* 0,0009 0,0004 0,0015
3. Einkommensquintil * Trend −0,0003 0,0011 −0,0015 0,0015
4. Einkommensquintil * Trend 0,0017 0,0011 0,0002 0,0018
5. Einkommensquintil * Trend 0,0006 0,0014 0,0055** 0,0024
Höchster Bildungsabschluss der Eltern (Referenz: ohne Berufsabschluss)
Ausbildung * Trend 0,0014* 0,0008 0,0015 0,0021
Studium * Trend 0,0041** 0,0016 0,0069** 0,0032
Beobachtungen 20389 4716
R-Quadrat 0,0484 0,1203

Lesebeispiel: In Ostdeutschland ist die Privatschulnutzungsquote von Haushalten im obersten Einkommenquintil in den Jahren 1995 bis 2015 um jährlich 0,55 Prozentpunkte stärker gestiegen als in Haushalten im untersten Einkommensquintil.

Anmerkungen: ***, **, * gibt die Signifikanz auf dem 1-, 5- und 10-Prozent-Niveau an. Standardfehler sind auf Haushaltsebene geclustert. Weitere Kontrollvariablen: Trend, höchster Bildungsabschluss der Eltern, äquivalenzgewichtetes Nettoeinkommen des Haushalts in Quintilen, Bezug von Transferleistungen, Gemeindegrößenklasse, Migrationshintergrund, Religionszugehörigkeit der Eltern, Bundesland, Anzahl weiterer Kinder im Haushalt, Schultyp, Haushaltstyp, Alter des Kindes, Geschlecht des Kindes, Vollzeiterwerbstätigkeit der Eltern.

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von SOEP v33.1 (1995, 1997, 2002, 2005, 2007, 2011, 2013 und 2015), gewichtet.

Für Westdeutschland ergeben die multivariaten Analysen leichte Verschiebungen zwischen den Nutzungsanteilen des zweiten Einkommensquintils im Vergleich zum untersten Quintil (Tabelle 2). Diese sind hinsichtlich ihrer Höhe allerdings als eher gering einzustufen. In Ostdeutschland bestätigt sich der starke Anstieg von PrivatschülerInnen aus Haushalten des obersten Einkommensquintils – auch dann, wenn andere soziodemografische und regionale Merkmale berücksichtigt werden. Von 1995 bis 2015 ist die Nutzungsquote des obersten Einkommensquintils um jährlich knapp 0,6 Prozentpunkte stärker gestiegen als die des untersten Quintils. Bezogen auf 20 Jahre entspricht dies einem Auseinanderdriften der Nutzungsquoten um knapp elf Prozentpunkte – das kommt dem zuvor beschriebenen Trend nahe (Abbildung 3). Sonstige soziodemografische Merkmale können die steigenden Nutzungsunterschiede in Ostdeutschland nach den Einkommen also nur zu einem geringen Teil erklären.

Die Ergebnisse nach dem elterlichen Bildungshintergrund bestätigen, dass sich über die Zeit sowohl in West- als auch in Ostdeutschland eine verstärkte Privatschulnutzung von Kindern aus bildungsnahen Haushalten abzeichnet: Der Abstand zu Kindern aus bildungsferneren Haushalten steigt signifikant. In Ostdeutschland nahm die Privatschulnutzung von Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil ein Studium abgeschlossen hat, im Vergleich zu Eltern ohne Berufsabschluss mit jährlich 0,7 Prozentpunkten stärker zu als in Westdeutschland (0,4 Prozentpunkte).

Weitere Ergebnisse (ohne Tabelle) unterscheiden die bisherigen Analysen nach dem Primar- und Sekundarschulbereich. Sie machen deutlich, dass die Trends der Nutzungsunterschiede nach der Bildung und dem Einkommen der Eltern in Ostdeutschland vor allem auf den Grundschulbereich zurückgehen. In Westdeutschland hingegen sind die zunehmenden Nutzungsunterschiede nach der elterlichen Bildung insbesondere im Sekundarschulbereich zu beobachten. Man könnte vermuten, dass dies an einem zunehmenden Anteil von Gymnasien unter den westdeutschen Privatschulen liegt, die in der Zusammensetzung der Schülerschaft stärker sozial segregiert sind als andere Schulen. Weiterführende Analysen zeigen jedoch, dass die westdeutschen Trends nach dem elterlichen Bildungshintergrund auch dann bestehen bleiben, wenn man sich den Sekundarschulbereich ohne die Gymnasien ansieht.

Die starke Selektion nach dem Einkommen in Ostdeutschland könnte zum Beispiel darauf zurückzuführen sein, dass dort höhere Kosten für den Privatschulbesuch anfallen. Auf Basis der SOEP-Daten ist es möglich, für die Jahre 2013 und 2015 Schulkosten für Privatschulen zu vergleichen (Tabelle 3). Diese liegen im Osten mit durchschnittlich 105 Euro pro Monat unter denen in Westdeutschland mit 115 Euro im Monat. Allerdings ist die Differenz von zehn Euro nicht im statistischen Sinne signifikant.infoDie mit den SOEP-Daten errechneten Schulkosten sind geringer als vergleichbare Zahlen aus Klemm et al. (2018), a.a.O. Der Hauptgrund für die Abweichung ist, dass die Studie von Klemm et al. nur Bundesländer einbezieht, die es erlauben, Schulgelder zu erheben. Werden nur SchülerInnen betrachtet, deren Eltern tatsächlich Kosten haben, beträgt die Differenz zwischen den Schulkosten in West- und Ostdeutschland 40 Euro. Allerdings ist die relative Belastung mit Schulkosten, also deren Anteil am äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen, mit knapp sechs Prozent in Westdeutschland und gut sechs Prozent in Ostdeutschland unter allen PrivatschülerInnen ähnlich hoch. Werden die 32 Prozent der PrivatschülerInnen in Westdeutschland und 19 Prozent der PrivatschülerInnen in Ostdeutschland ausgeschlossen, deren Eltern keine Schulkosten haben, liegt die Belastung bei gut acht beziehungsweise gut sieben Prozent.

Tabelle 3: Kosten des Privatschulbesuchs

Durchschnitt der Jahre 2013 und 2015

Westdeutschland Ostdeutschland Differenz
Alle SchülerInnen in Privatschulen
Kosten für PrivatschülerInnen (in Euro pro Monat) 114,5 104,7 9,8
Kosten relativ zum äquivalenzgewichteten Nettojahreseinkommen des Haushalts (in Prozent) 5,6 6,1 0,5
Anteil, der SchülerInnen bzw. Eltern, die keine Kosten haben 32,1 18,7 13,5
Nur SchülerInnen in Privatschulen mit tatsächlichen Kosten
Kosten für PrivatschülerInnen (in Euro pro Monat) 168,6 128,7 39,9
Kosten relativ zum äquivalenzgewichteten Nettojahreseinkommen des Haushalts (in Prozent) 8,2 7,4 0,7
Beobachtungen 506 117

Anmerkung: ***, **, * gibt die Signifikanz auf dem 1-, 5- und 10-Prozent-Niveau an. Für die Berechnung der Kosten relativ zum äquivalenzgewichteten Nettojahreseinkommen wurden die im SOEP erhobenen monatlichen Kosten für den Privatschulbesuch mit zwölf multipliziert.

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von SOEP v33.1 (2013 und 2015), gewichtet.

Fazit: Kinder aller Einkommens- und Bildungsgruppen sollten miteinander aufwachsen und lernen – auf privaten wie auch auf öffentlichen Schulen

Mit dem zunehmenden Anteil von Kindern, die Privatschulen besuchen, nimmt die öffentliche Diskussion um diesen Schultyp immer weiter zu. Vielfach wird vermutet, dass primär Eltern mit hohem Einkommen und akademischem Abschluss ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Anhand aktueller Daten konnte in diesem Bericht gezeigt werden, dass die Privatschulnutzung von Kindern aus bildungsnahen und einkommensstarken Haushalten über die Zeit tatsächlich stärker zugenommen hat als die aller anderen Kinder. Das gilt bezüglich der elterlichen Bildung sowohl für West- als auch für Ostdeutschland. Damit wird diese soziale Selektion zwischen privaten und öffentlichen Schulen immer größer. In Ostdeutschland trifft dies auch auf die Unterschiede in der Privatschulnutzung nach den Haushaltseinkommen zu. Schreibt man die Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre fort, würden Kinder aus einkommensstarken und bildungsnäheren Elternhäusern einen immer größeren Anteil an den PrivatschülerInnen ausmachen.

Möchte man diese zunehmende Segregation der Schülerschaft begrenzen, sind unterschiedliche Maßnahmen möglich. So könnten zum Beispiel die Höchstbeträge beim Schulgeld oder eine Einkommensstaffelung zwingend festlegt werden. Bisher ist das nur in einzelnen Bundesländern der Fall. GeringverdienerInnen oder HilfeempfängerInnen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch könnten flächendeckend von Beiträgen befreit werden.infoFür eine Zusammenstellung der unterschiedlichen Ansätze in einzelnen Bundesländern vgl. Helbig und Wrase (2017), a.a.O. Wenn weiterhin ein Nebeneinander von Schulen in freier und öffentlicher Trägerschaft angestrebt wird, muss aber auch bedacht werden, dass die öffentliche Förderung beider Schultypen und auch andere Regelungen einen fairen Wettbewerb ermöglichen müssen.

Sofern es das bildungspolitische Ziel ist, Kinder aller Bildungsgruppen miteinander aufwachsen und lernen zu lassen, sollte es zudem darum gehen, Privatschulen auch für Kinder bildungsferner Gruppen und/oder umgekehrt öffentliche Schulen für Akademikerhaushalte wieder attraktiver zu machen.infoVgl. dazu bereits die Empfehlung von Lohmann et al. (2007), a.a.O.

Katja Görlitz

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung und Familie

C. Katharina Spieß

Abteilungsleiterin in der Abteilung Bildung und Familie



JEL-Classification: I2;J18
Keywords: private schools, selection, socio-economic background
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2018-51-1