Finanzmarktkrise und wirtschaftliche Entwicklung des deutschen Bankensektors

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 3 / 2018, S. 27-45

Heinz-J. Bontrup

Abstract

Der deutsche Bankensektor hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, sieht man von den hoch spekulativen Großbanken und den geschäftsmodelllosen Landesbanken einmal ab, relativ gut überstanden. Auch das der Krise folgende Niedrigzinsniveau hat zwar im Zinsergebnis negative Spuren hinterlassen, dennoch konnte der gesamte deutsche Bankensektor von 2000 bis 2017 einen Jahresüberschuss vor Ertragsteuern in Höhe von fast 326 Milliarden Euro (jahresdurchschnittlich 18,1 Milliarden Euro) erzielen. Davon haben sich die öffentlichen Sparkassen mit gut 120 Milliarden Euro den größten Teil des Gewinns einverleibt, gefolgt von den Volksbanken mit fast 84 Milliarden Euro. Zusammen kamen Sparkassen und Volksbanken auf einen Gewinnanteil von 62,7 Prozent des gesamten Bankensektors. Die Großbanken realisierten dagegen von 2000 bis 2017 „nur“ fast 31 Milliarden Euro beziehungsweise kamen auf einen Gewinnanteil von 9,5 Prozent. Das mit Abstand größte deutsche Kreditinstitut, die Deutsche Bank, konnte von 2000 bis 2017 insgesamt 56 Milliarden Euro an Gewinn vor Steuern einstreichen, was bedeutet, dass die anderen Großbanken im selben Zeitraum zusammen einen Verlust in Höhe von 25 Milliarden Euro verkraften mussten. Die trotz Wirtschaftskrise hohen Gewinne im Bankensektor haben im Grundsatz mit einer marktwirtschaftlich gewollten Wettbewerbssituation nur wenig zu tun. Allerdings relativieren sich die Gewinne bezogen auf das niedrig eingesetzte Eigenkapital. Die Eigenkapitalrentabilitäten vor Steuern schwanken hier von 2000 bis 2017 im gesamten deutschen Bankensektor zwischen –7,4 Prozent (2008) und 12,9 Prozent (2005). Auffallend hoch sind hier die Profitraten der Sparkassen mit Werten von 27,4 Prozent (2011) und 16,4 Prozent (ebenfalls 2011) bei den Volksbanken. Im Vergleich zur deutschen Wirtschaft fallen die Renditewerte im Bankensektor natürlich weit geringer aus, weil sich die Gewinne der Finanzsphäre nur aus der produzierenden Wirtschaft ergeben können. Nach der Krise ist vor der Krise. Zwar wurde der Bankensektor einer größeren staatlichen Kontrolle unterworfen, die aber nur die Symptome bekämpft und nicht die Krisenursache, die in einer neoliberal gewollten Umverteilung von den Arbeits- zu den Kapitaleinkünften liegt. So konnte auch ein stetig wachsender gefährlicher Schattenbankensektor entstehen, der ohne jegliche staatlichen Kontrollen die nach wie vor sich zu den Kapitaleinkünften umverteilenden Wertschöpfungen in spekulativer Manier aufsaugt. Wird die Umverteilung in der produzierenden Wirtschaft nicht endlich durch einen signifikanten Anstieg der Lohnquote und durch eine entsprechende staatliche Besteuerung des völlig ungleich verteilten Vermögens geändert, also die Krisenursache beseitigt, so ist die nächste schwere Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr weit.

The German banking sector has weathered the global financial and economic crisis relatively well, apart from the highly speculative big banks and the non-banked state banks. Even though the low interest rate following the crisis has had a negative impact on net interest, the entire German banking sector was able to generate net income before taxes of nearly 326 billion euros (annual average 18.1 billion euros) from 2000 to 2017. Of these, the public savings banks have incorporated 120 billion euros, this is most of the profits, followed by the Volksbanks with almost 84 billion euros. Together, savings banks and Volksbanks earned a 62.7 percent share of the total banking sector. By contrast, the big banks are realizing „only almost 31 billion euros between 2000 and 2017, or a profit share of 9.5 percent. By far the largest German bank, Deutsche Bank, was able to recoup a total of 56 billion euros in profit before tax from 2000 to 2017, which means that the other major banks together had to cope with a loss of 25 billion euros during the same period. The high profits in the banking sector despite the economic crisis have, in principle, little to do with a market-driven competitive situation. However, the profits are relative to the low capital employed. The pre-tax return on equity between 2000 and 2017 in the German banking sector as a whole fluctuates between –7.4 percent (2008) and 12.9 percent (2005). Noticeably high here are the profit rates of the savings banks with values of 27.4 percent (2011) and 16.4 percent (also 2011) at the Volksbanks. Compared to the German economy as a whole, the return values in the banking sector are, of course, much lower because the profits of the financial sphere are. After the crisis is before the crisis. It is true that the banking sector has been subject to greater state control, which, however, only combats the symptoms of the crisis and not the cause of the crisis, which is a neoliberal change from labor to capital. As a result, a steadily growing dangerous shadow banking sector could emerge which, without any state controls, absorbs in a speculative manner the added value of reallocated capital gains. If the decisive redistribution in the producing economy is not finally reversed in a significant increase in the wage share and by a corresponding state taxation of completely unevenly distributed assets, thus eliminating the cause of the crisis, the next serious financial and economic crisis is not far away.

Themen: Finanzmärkte



JEL-Classification: G21;G28;E44;D33
Keywords: Banking sector, banking, earning power, economic crisis, shadow bank, functional distribution, neoliberal policy
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.87.3.27