The Impact of Pension Reforms on Income Inequality, Savings, and Health

Monographien/ Sammelwerke extern , IX, 120 S.

Stefan Etgeton

Berlin: FU Berlin, 2018, IX, 120 S.

Abstract

Diese Dissertation analysiert die Auswirkungen von Rentenreformen auf Beschäftigung, Rentenalter, Alterseinkommen, Sparverhalten und Gesundheit. Dabei wird der Heterogenität der Effekte besondere Aufmerksamkeit geschenkt und auf mögliche Folgen für die Ungleichheit hingewiesen. Die Dissertation besteht aus drei eigenständigen Forschungsarbeiten. In der ersten Studie werden die Auswirkungen einer Erhöhung des Regelrentenalters auf die Beschäftigung, das tatsächliche Rentenalter und, in der Konsequenz, die Einkommensungleichheit im Alter analysiert. Viele OECD-Länder erhöhen das Regelrentenalter, wodurch der Preis eines vorzeitigen Ruhestands steigt. Während solche Reformen den Einzelnen dazu anregen, länger zu arbeiten, könnten Arbeitsmarktfriktionen die beabsichtigten Verhaltensreaktionen teilweise untergraben. Unter Verwendung administrativer Daten westdeutscher Männer schätze ich ein dynamisches, discrete choice model von Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Ruhestand, das Friktionen auf dem Arbeitsmarkt berücksichtigt. Unfreiwillige Arbeitsplatzverluste schränken individuelle Auswahlmöglichkeiten entlang soziodemografischer Merkmale in unterschiedlichem Maße ein. Eine Politiksimulation deutet darauf hin, dass die Verhaltensreaktion auf einen Anstieg des Regelrentenalters von 65 auf 67 Jahre moderat ist: Das Ausscheiden aus der Beschäftigung verzögert sich im Durchschnitt um lediglich 0,6 Jahre. Eine breite Wirksamkeit der Reform wird durch die heterogene Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen behindert. Bei den daraus resultierenden Rentenzahlungen sind armutsgefährdete Gruppen am stärksten betroffen: Menschen mit geringer Bildung und manuellen Tätigkeiten leiden überproportional. Die Einkommensungleichheit im Alter nimmt zu. In der zweiten Studie werden die Effekte einer Erhöhung der Altersgrenze für den frühestmöglichen Rentenzugang auf die Sparquoten geschätzt. Theoretisch kann sich ein Rückgang der Großzügigkeit des Rentensystems sowohl positiv als auch negativ auf die Sparquote auswirken. Das Vorzeichen des Effekts hängt von den korrespondierenden Beschäftigungseffekten der Reform ab. Im Jahr 1999 wurde durch eine Reform das frühestmögliche Rentenzugangsalter deutscher Frauen, die nach 1951 geboren wurden, um 3 Jahre angehoben, wodurch eine Diskontinuität entlang der Geburtskohorten entstand. Diese Diskontinuität wird im Rahmen eines Regression Discontinuity Designs verwendet, um den isolierten Effekt des Rentenzugangsalters auf die Sparquoten zu schätzen. Die Schätzung basiert auf detaillierten Einkommens- und Verbrauchsdaten aus einer Haushaltserhebung. Im Gegensatz zur bisherigen Literatur zeigen die Ergebnisse, dass ein Anstieg des frühestmöglichen Rentenzugangsalters keinen positiven Einfluss auf die Sparquote hat. Ein nichtpositiver Effekt steht im Einklang mit der erheblichen Ausweitung der Beschäftigung der betroffenen Kohorten. Insbesondere Haushalte mit geringen Vermögen oder höherer Bildung senken ihre Sparquote gar, wenn sie von der Erhöhung des frühestmöglichen Zugangsalters betroffen sind. Als potenzielle Mechanismen werden ein heterogener Grenznutzen des Konsums und ein Mangel an finanzieller Bildung gering gebildeter Haushalte diskutiert. In der dritten Studie werden die Auswirkungen des Ruhestands auf die Gesundheit analysiert. Auch hier wird der diskontinuierliche Anstieg des frühestmöglichen Rentenzugangsalters deutscher Frauen in einem Regression Discontinuity Design genutzt. Die Analyse basiert auf einem Two-Stage Least Squares-Schätzverfahren mit zwei unterschiedlichen Mikrodatensätzen. Zum einen werden Surveydaten, zum anderen administrative Daten verwandt. Die Auswirkungen des Ruhestands auf den selbsteingeschätzten Gesundheitszustand werden unter besonderer Berücksichtigung der Effektheterogenität entlang des Bildungsniveaus untersucht. Bei vorsichtiger Interpretation der Schätzergebnisse ist festzuhalten, dass sich der Ruhestand nicht nachteilig auf die Gesundheit auswirkt. Frauen mit niedrigem Bildungsstand zeigen einen positiven Einfluss des Ruhestands auf die Gesundheit. Die drei Studien zeigen, dass die Auswirkungen von Rentenreformen heterogen sind. In Bezug auf Beschäftigung und Rentenzugangsalter reagieren armutsgefährdete Gruppen weniger stark auf eine Anhebung des Regelrentenalters. In der Folge nimmt die Einkommensungleichheit im Alter zu. Die Analyse der Wirkung des frühestmöglichen Rentenalters deutet auf Probleme von Personen mit niedrigem Bildungsniveau hin, ihre Ersparnisse optimal anzupassen. Darüber hinaus sind gering ausgebildete Menschen der Treiber des positiven Einflusses des Ruhestandes auf die Gesundheit. Daher kann abschließend gesagt werden, dass soziale Gruppen unterschiedlich gut mit Rentenreformen umzugehen wissen, sodass sich gesellschaftliche Ungleichgewichte zu verschlimmern drohen.

This dissertation analyzes the effect of pension reforms on employment, retirement age, old-age income, savings, and health. Throughout, attention is paid to the heterogeneity of effects and potential implications for inequality are highlighted. The dissertation consists of three self-contained research articles. In the first study, I analyze the effects of an increase of the normal retirement age (NRA) on employment, realized retirement age, and, in consequence, old-age income inequality. Many OECD countries are raising the NRA, thereby, making early retirement more costly. Whereas such reforms incentivize individuals to work longer, labor market frictions might partly undermine intended behavioral responses. Employing administrative data of West German men, I estimate a dynamic discrete choice model of work, unemployment and retirement allowing for labor market frictions. Involuntary job losses constrain individual choice sets to differing degrees along sociodemographic characteristics. A policy-simulation suggests that the behavioral response to an increase in the NRA from 65 to 67 is moderate, with an average delay of employment exits of only 0.6 years. Widespread reform effectiveness is hampered by the heterogeneous availability of jobs. Concerning the resulting pension benefits, poverty-vulnerable groups are hit hardest: Individuals with low education and blue collar employees suffer disproportionally. Old-age income inequality increases. In the second study, I estimate the effects of an increase of the early retirement age (ERA) on savings rates. In theory, a decrease of pension generosity can have either a positive or negative effect on the savings rate. The sign of the effect depends on corresponding employment effects of the pension reform. In 1999, a reform lifted the ERA of German women born after 1951 by 3 years creating a discontinuity along birth cohorts. The reform discontinuity is used in an RDD setting to estimate the isolated effect of the ERA on savings rates. Estimation is based on detailed income and consumption data from a household survey. In contrast to the previous literature, an increase of the ERA is estimated to have a non-positive effect on the savings rate. A non-positive effect is in line with the substantial extension of employment of affected cohorts. In particular, low wealth and highly educated households reduce savings rates upon being affected by the increase of the ERA. Potential mechanisms include a heterogeneous marginal utility of consumption and a lack of financial education of low educated households. In the third study, the effects of retirement on health are analyzed. Again, the discontinuous increase in the ERA of German women is exploited in an RDD setting. The analysis is based on a two-sample two-stage regression framework using micro data of two well-established surveys and administrative records of the pension fund. The effect of retirement on self-reported health is examined paying particular attention to the effect heterogeneity across educational groups. Cautiously interpreting the estimates, we find a non-detrimental effect of retirement on health. For low educated women, estimates indicate a beneficial effect of retirement on health. The three studies show that effects of pension reforms are heterogeneous. In terms of employment and retirement age, poverty-vulnerable groups react less to an increase of the NRA. In consequence, old-age income inequality increases. The analysis of the effect of the ERA suggests problems of low educated individuals to adjust savings. Further, low educated individuals show beneficial effects of retirement on health. Therefore, I conclude that a varying ability to cope with pension reforms might lead to a worsening of societal imbalances.