Mehr öffentliche Investitionen steigern privatwirtschaftliche Investitionen

Pressemitteilung vom 31. Juli 2019

Öffentliche und private Investitionen im Euroraum sind auch zehn Jahre nach der Finanzkrise noch immer nicht auf Vorkrisenniveau – DIW-Berechnungen zeigen, dass ein Anstieg der öffentlichen Investitionstätigkeit auch private Aktivitäten anregt – In Deutschland wären insbesondere Bau- und Infrastrukturinvestitionen effektiv – Starre Schuldenbremse verhindert Investitionen der öffentlichen Hand und sollte von flexibleren Ausgabenregeln abgelöst werden.

Seit Jahren schon wird die schwache Investitionstätigkeit, sowohl der öffentlichen Hand als auch der Privatwirtschaft, bemängelt. Tatsächlich zeigt sich, dass die Investitionen im Euroraum auch zehn Jahre nach der Finanzkrise noch längst nicht ihr Vorkrisenniveau erreicht haben. Abhilfe schaffen könnten verstärkte staatliche Investitionen, da diese die privaten Investitionsanstrengungen anregen, zeigen aktuelle Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Eine Milliarde Euro an Mehrinvestitionen der öffentlichen Hand würde im Durchschnitt der Euro-Länder die Investitionen der Privatwirtschaft mittelfristig um 1,1 Milliarden Euro steigern, in Deutschland sogar um knapp zwei Milliarden Euro, haben die DIW-Ökonomen Marius Clemens und Claus Michelsen berechnet.

„Um Deutschland zukunftsfähig zu halten und grundlegend zu modernisieren, ist die öffentliche Hand gefordert, verstärkt in Bau und Infrastruktur zu investieren.“ Claus Michelsen

Die deutsche Schuldenbremse ist aber ein zu starres Korsett, um diesen Ergebnissen Rechnung zu tragen. „Die Schuldenbremse gehört abgeschafft“, fordert Studienautor Michelsen und schlägt vor, „zugunsten einer stärkeren öffentlichen Investitionstätigkeit, die auch private Aktivitäten anregt, flexiblere Ausgabenregeln einzuführen“. Denkbar wäre zum Beispiel eine Regelung, nach der die Staatsausgaben jedes Jahr um maximal die nominale Potentialwachstumsrate steigen können. Diese wirkt antizyklisch und schafft gerade in schlechten Zeiten mehr finanzpolitische Spielräume für Investitionen in die Zukunft.

Deutschland liegt bei der Kapitalintensität unter dem Euroraum-Schnitt

Zwar steht Deutschland sowohl bei den öffentlichen als auch bei den privaten Investitionen im Vergleich zu anderen Euro-Ländern noch vergleichsweise gut da. Seit vergangenem Jahr ist zumindest das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Doch die Kapitalintensität, also der Kapitaleinsatz pro Beschäftigtem in der Privatwirtschaft, entwickelt sich gerade in Deutschland weitaus schwächer als im Euroraum-Durchschnitt. Lagen die Ausgaben im Jahr 2007 in Deutschland wie auch im Euroraum-Durchschnitt noch bei knapp 170.000 Euro pro Beschäftigtem, sind sie in Deutschland inzwischen sogar leicht gesunken und lagen 2018 gut 20.000 Euro unter dem Durchschnitt der Euro-Länder von 186.000 Euro.


Grafik: DIW Berlin

„Die Investitionen fehlen insbesondere für die Erweiterung und Modernisierung des Kapitalstocks“, stellt Studienautor Marius Clemens fest. Und das gilt nicht nur für die Länder des Euroraums, sondern speziell auch für Deutschland. „Im Euroraum-Durchschnitt zeigt sich, dass staatliche Investitionen in Bildung, Wohnungsbau und Umweltschutz mittelfristig einen besonders hohen Effekt auf die privatwirtschaftliche Investitionstätigkeit haben. In Deutschland sind staatliche Investitionen in Bau und Infrastruktur sehr effektiv“, stellt Marius Clemens fest.

„Um Deutschland zukunftsfähig zu halten und grundlegend zu modernisieren, ist die öffentliche Hand gefordert, verstärkt in Bau und Infrastruktur zu investieren“, folgert Studienautor Claus Michelsen. „Um auf die anstehenden wirtschaftlichen Herausforderungen zu reagieren, muss die Politik ihr Ziel der Schwarzen Null dringend überdenken.“

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Marius Clemens

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Claus Michelsen

Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik