Der Irrsinn eines Währungskriegs

Blog Marcel Fratzscher vom 8. August 2019

China hat mit der Abwertung der eigenen Währung eine neue Eskalationsstufe im Konflikt mit den USA erreicht. Nun geht es nicht mehr nur um Strafzölle; China versucht stattdessen, mit seinen eigenen Waffen den USA Paroli zu bieten. Doch könnte damit nun der Punkt erreicht sein, an dem eine Eskalation des Konflikts unumkehrbar wird. Auch für Deutschland könnte dies verheerende Konsequenzen haben, denn gerade unsere exportorientierte Volkswirtschaft wird sich diesem globalen Konflikt nicht entziehen können.

Der Gastkommentar ist im Tagesspiegel am 8. August 2019 erschienen.


Die Entscheidung der chinesischen Notenbank die eigene Währung, den Renminbi oder Yuan, um zwei Prozent abzuwerten, klingt zunächst recht harmlos. Die Finanzmärkte haben aber sofort erkannt, dass sich damit der Handelskonflikt in die nächste Dimension, die Finanzmärkte, ausweitet, und entsprechend sensibel reagiert. Die Abwertung des Renminbi bedeutet eine Aufwertung des US-Dollar. Ziel Chinas ist es, dadurch die Strafzölle von US-Präsident Trump zu kompensieren. Ein schwächerer Renminbi heißt, dass chinesische Exporteure ihre Güter günstiger in den USA verkaufen können und amerikanische Exporte nach China teurer werden.

China hält große Mengen von US-Staatsanleihen

Die chinesische Reaktion ist jedoch bei weitem nicht so harmlos, wie sie zunächst scheint. Viele andere asiatische Länder werden dem Beispiel Chinas folgen müssen und ihre eigene Währung abwerten, da sie viel mit China handeln oder mit chinesischen Unternehmen im Wettbewerb stehen. Wenn allerdings alle asiatischen Länder (ausgenommen Japan) ihre Währungen gegenüber dem US-Dollar abschwächen, dann wird dieser global aufwerten und amerikanische Unternehmen nicht nur gegenüber China, sondern gegenüber vielen anderen Teilen der Welt weniger wettbewerbsfähig machen.

Mit ihrem Vorwurf der Währungsmanipulation hat die US-Regierung völlig recht. Die chinesische Währung ist nicht frei handelbar, Kapital kann nur sehr begrenzt nach China fließen, und die chinesische Notenbank managt die eigene Währung innerhalb eines engen Bandes gegenüber dem US-Dollar. Diese Möglichkeiten haben die USA nicht. Der Dollar-Markt ist extrem tief und liquide, so dass die US-Notenbank kaum eine Chance hat, die eigene Währung direkt zu beeinflussen.

Und China hat ein weiteres Pfand gegenüber den USA: Der chinesische Staat hält wahrscheinlich mehr als 15 Prozent aller amerikanischer Staatsschulden. China würde sich zwar selbst schaden, sollte es versuchen, den Markt der US-Staatsanleihen zu beeinflussen, aber in einem Währungskrieg ist auch ein solcher Schritt denkbar und möglich.

Was bedeutet das für Europa und für Deutschland? Eine Abwertung vieler asiatischer Währungen würde höchstwahrscheinlich auch zu einer deutlichen Aufwertung des Euro führen. Dies mag zwar kurzfristig gut für manche Konsumenten sein, die Güter aus Asien günstiger erhalten. Aber für unsere Exportindustrie und damit auch für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wäre eine deutliche Aufwertung des Euro schädlich.

Die deutsche Politik sollte die Hände nicht in den Schoß legen

Der Währungskrieg gefährdet zudem die Finanzstabilität und wird globale Ungleichgewichte weiter verschärfen. Bereits heute ist der US-Dollar überbewertet, und die meisten asiatischen Währungen sind unterbewertet. Diese Verzerrungen dürften sich verschärfen und damit steigen auch die Risiken für die Finanzstabilität weltweit.

Es ist bei der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten vermutlich ziemlich aussichtslos, dass Deutschland und der EU eine Vermittlung zwischen den USA und China gelingt. Doch so vertrackt die Lage erscheint, sollte die deutsche Politik nicht die Hände in den Schoß legen. Sie kann gegensteuern, indem sie die hiesige Wirtschaft stärkt. Die deutsche Wirtschaft schrumpft wohl mittlerweile im zweiten Quartal hintereinander und befindet sich damit in einer technischen Rezession. Ihre Schwäche ist auch das Resultat des globalen Konflikts und einer enormen Unsicherheit.

Dies macht es umso dringender, dass die Bundesregierung mit einem Konjunkturprogramm für öffentliche Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Innovation einen Kontrapunkt setzt, um die einheimische Wirtschaft zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu sichern. Dies wäre nicht nur eine notwendige Konjunkturpolitik, die kurzfristig wirkt, sondern eine kluge Wirtschaftspolitik, die notwendige Investitionen in Deutschland anstößt und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft langfristig sichert.