Frontiers und Laggards: Die Produktivitätsentwicklung deutscher Unternehmen

Monographien/ Sammelwerke extern , 43 S.

Alexander Schiersch

Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, 2019, 43 S.
(Produktivität für Inklusives Wachstum ; 04)

Abstract

Das Wachstum der Produktivität in allen entwickelten Volkswirtschaften verlangsamt sich seit geraumer Zeit. Zugleich gibt es nach Analysen der OECD jedoch das Phänomen, dass es innerhalb der gewerblichen Wirtschaft eine kleine Gruppe hochproduktiver Unternehmen gibt, die weiterhin überdurchschnittliche Produktivitätszuwächse verzeichnen. In der öffentlichen Debatte und in Teilen des wissenschaftlichen Diskurses werden sie zuweilen auch als „Superstarfirmen“ bezeichnet. Die überdurchschnittlichen Produktivitätszuwächse finden sich gleichermaßen für die Arbeitsproduktivität wie auch für die Totale Faktorproduktivität (TFP), welche den gesamten Faktoreinsatz berücksichtigt und als Indikator für die Gesamteffizienz in der Produktion und den technologischen Fortschritt gilt. Die Wachstumsunterschiede werden von der OECD als Ausdruck einer nachlassenden Wissensdiffusion zwischen den Unternehmen in Folge eines mangelnden Wettbewerbs interpretiert. Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass es auch in Deutschland erhebliche Unterschiede im Produktivitätsniveau zwischen einer kleinen Gruppe hochproduktiver Unternehmen und den übrigen Firmen gibt. Die Niveauunterschiede sind in den hier berücksichtigten Dienstleistungen deutlich ausgeprägter als im Verarbeitenden Gewerbe. Ferner findet sich eine hohe Persistenz im Beobachtungszeitraum, der von 2003 bis 2013/14 reicht. Diese drückt sich darin aus, dass sowohl der Anteil der Unternehmen mit anfänglich geringer Produktivität, die dann über die Zeit signifikant Zuwächse erzielen als auch anfänglich hochproduktiver Unternehmen, die dann zurückfallen, gering ist. Insbesondere in den Dienstleistungen mit ihren großen Niveauunterschieden ist das als ein Zeichen für eine unzureichende Markteffizienz zu interpretieren. Ein weiterer Abbau von Marktzutrittsschranken kann zu einer Wettbewerbsintensivierung beitragen. Diese sollten mit einer Marktbereinigung und Konsolidierung insbesondere in den Unternehmensdienstleistungen einhergehen, da hier seit Jahren die Arbeitsproduktivität fällt, was ein deutliches Zeichen für Ineffizienzen ist. Das Phänomen der größeren Produktivitätszuwächse einer kleinen Gruppe ohnehin schon hochproduktiver Unternehmen kann für Deutschland allerdings nicht bestätigt werden. Dieser Befund gilt gleichermaßen für die Arbeitsproduktivität wie für die TFP. Im Verarbeitenden Gewerbe sind die Wachstumsraten beider Gruppen in etwa gleich, in den Dienstleistungen entwickelt sich die Produktivität der weniger produktiven Unternehmen etwas besser als die der im Niveau bereits hochproduktiven Unternehmen. Allerdings sinkt die Arbeitsproduktivität in den Dienstleistungen in beiden Gruppen, was in erster Linie den Unternehmensdienstleitungen geschuldet ist und auf die bereits beschriebene Marktineffizienz hindeutet. Die Untersuchungen zeigen ferner, dass die Kapitalintensität sinkt. Das ist der Investitionszurückhaltung der Unternehmen im Untersuchungszeitraum geschuldet. Zudem haben die Investitionen am aktuellen Rand in vielen Fällen nicht mit der Beschäftigungsentwicklung Schritt gehalten. Um technologisch nicht zurückzufallen und die Zuwächse in der TFP vollständig auszunützen, sind vor allem die Unternehmen gefragt, ihre Investitionsanstrengungen zu verstärken. Die Politik kann hier insofern helfen, als sie die Aus- und Weiterbildung der besonders für die Digitalisierung benötigten Fachkräfte ausbauen und unterstützen kann.

For some time now, productivity growth has been slowing down in all developed economies. At the same time, however, OECD analyses have found that a handfull of highly productive companies in the non-financial business economy continue to record above-average productivity growth. These companies are often referred to as “superstar firms” by the public and some experts in academic circles. The above-average gains in productivity recorded by these companies are observed in both labor productivity and total factor productivity (TFP), the latter of which takes into account all inputs into a process of production and is used as a measure of overall efficiency in production and technological improvements. The OECD sees the gaps in productivity growth as an expression of a diminished diffusion of knowledge among companies that derives from a lack of competition. The study presented here shows that Germany also features considerable gaps in productivity between a small group of highly productive companies and the rest. These gaps are much greater among companies in the service economy than those in manufacturing. The study also shows that for the period under review (2003–2013/14), these gaps are particularly persistent. This is expressed in the fact that the share of companies that start with a low productivity and eventually achieve significant growth as well as the share of companies that start with a high productivity that eventually declines is low. This low percentage among both cases suggests inadequate market efficiency, particularly for the services sector with its broad gap. Competition can be enhanced by further reducing barriers to market entry. Such measures should usher in market adjustment and consolidation, particularly in corporate services, where labor productivity has been falling for years, which is a clear sign of inefficiencies. In Germany, however, we do not see larger gains in productivity growth for the small group of companies that already feature a high productivity. This finding is true both in terms of labor productivity and TFP. In manufacturing, growth rates for both groups are roughly the same; in services, the productivity of less productive firms is improving somewhat better than that of already highly productive firms. However, labor productivity is falling in both groups, a trend attributed primarily to corporate services and which points to the aforementioned market inefficiencies. The study also shows that capital intensity is on the decline. This is attributed to the reluctance to invest among companies throughout the period under review. In addition, investments in cutting-edge technology have not kept apace with employment trends. In order to keep up with technological developments and fully leverage the growth in TFP, companies in particular need to step up their investment. Policymakers can help only insofar as they introduce measures to expand and support training and continuing education opportunities in the field of digitalization

Alexander Schiersch

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Unternehmen und Märkte