„Argumente für Rückkehr zur Meisterpflicht sind wenig überzeugend“

Statement vom 9. Oktober 2019

Das Bundeskabinett hat die Wiedereinführung der Meisterpflicht für insgesamt zwölf Handwerke beschlossen. Dazu eine Einschätzung von Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):

BlockquoteDie Argumente für die Rückkehr zum Meisterzwang sind wenig überzeugend. Ziel sei es, dass „die Qualität im Handwerk gestärkt“ wird; der Meister stehe für „Innovationskraft“. Die Kundinnen und Kunden können jedoch selbst entscheiden, ob die Bäckerei schmackhaften Kuchen anbietet, ob Fliesen und Parkett fachgerecht verlegt oder die Haare wunschgemäß geschnitten werden. Tatsächlich hat die Liberalisierung des Handwerksrechts von 2004 zu einer enormen Gründungswelle geführt – auch von Handwerkern aus anderen Teilen der EU. Dadurch wurde der Wettbewerb belebt und es sind auch zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden. Diese Erfolge sollen nun offenbar rückgängig gemacht werden. Denn durch den Meisterzwang wird der Wettbewerb begrenzt. Das kann nur zu höheren Preisen führen. Da vom drohenden Meisterzwang vor allem Bauhandwerke betroffen sein werden, wird sich das besonders beim Bau und der Renovierung von Wohnungen bemerkbar machen. Die Einschränkung des Marktzugangs ist ein Privileg für bestimmte Anbieter. Und Privilegien stärken nicht die Innovationskraft – sie machen nur träge.