Die Deutschland-Rente – ein Projekt zur Stabilisierung der Privaten Altersrente

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 1 / 2019, S. 101-112

Matthias Schenk, Michael Schulze

Abstract

Das umlagenfinanzierte System der gesetzlichen Rentenversicherung als alleinige Lebensstandardsicherung stößt durch die demografische Entwicklung an seine Grenzen. Zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung führt der Staat dem System Bundesmittel in Milliardenhöhe zu, Tendenz steigend. Um die Versorgungslücken der gesetzlichen Rentenversicherung zu schließen, kommt der privaten Altersvorsorge stetig wachsende Bedeutung zu. Hierzu hat der Gesetzgeber durch die Einführung der Rahmenbedingungen für eine staatlich geförderte „kapitalgedeckte private Altersvorsorge“ (sog. Riester-Rente) bereits in der Vergangenheit einen wichtigen Betrag geleistet. Leider hat der eingeschlagene Weg bislang noch nicht den nötigen Verbreitungsgrad erreicht, was auch daran liegt, dass das System noch nicht optimal einjustiert ist. Die Folgen einer unzureichenden Altersvorsorge zwingen zum politischen Handeln. Vor dem Hintergrund der analysierten Problemfelder soll mit dem Hessischen Konzept der Deutschland-Rente das bestehende System der privaten Altersvorsorge verbessert und gestärkt werden. Damit der Sparer langfristig von den Renditechancen des Kapitalmarktes profitieren kann, müssen u. a. die starren Garantievorgaben gelockert werden. Zugleich muss eine kostengünstige und transparente Alternative zu den bisherigen Riester-Produkten der privaten Anbieter geschaffen werden. Darum soll ein staatlich organisierter Fonds ein Anlageprodukt anbieten – den sog. Deutschlandfonds –, der auf Selbstkostenbasis operiert, aber ansonsten den allgemeinen Wettbewerbsbedingungen unterliegt. Damit soll ganz bewusst eine Konkurrenz zu den Produkten der etablierten Anbieter geschaffen werden. Im Ergebnis sollen die privaten Anbieter durch den Deutschlandfonds animiert werden, ihre Produkte attraktiver zu gestalten.

Due to demographic trends the pay-as-you-go pension system (intergenerational agreement) is reaching the limits of its capacity. For the purpose of maintaining the functioning of statutory pension insurance, the state is supporting the system with federal funds amounting to billions of euros, with a rising trend. In order to close pension gaps in the statutory pension insurance, private pension schemes become increasingly important. In this respect, the legislator has already made an important contribution by introducing the regulatory framework for a “funded private pension” (so-called “Riester-Rente”). Unfortunately, the path chosen has not yet lead to success in the form of a widespread dissemination. One reason for this is that the legal framework conditions are not yet optimal. The consequences of inadequate pensions require political action. Against the background of the analyzed problem areas, the existing private pension system will be improved and strengthened by introducing a new concept. The initiator of the concept is the state of Hessen (Germany). To ensure savers to benefit in the long term from return opportunities of the capital market, the rigid guarantee requirements must be relaxed. At the same time, a cost-effective and transparent alternative to the existing products of private pension providers must be introduced. Therefore, a state-organized fund (Deutschlandfonds) should offer an investment product that operates on a cost basis, but otherwise remains subject to general competitive conditions. As a result, private pension providers are encouraged by the state-organized funds to make their products more attractive.



JEL-Classification: H55;D14
Keywords: provision of private capital-based pensions, new framework conditions, active participation on productive ability, state-organized fund
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.88.1.101