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Deutsche Privathaushalte haben im Jahr 2022 ihren Heizenergiebedarf um fünf Prozent reduziert

Pressemitteilung vom 27. September 2023

Sowohl beim (temperaturbereinigten) Heizenergiebedarf als auch bei den CO2-Emissionen gab es 2022 im Bundesdurchschnitt Einsparungen von fünf Prozent – Der Norden hat dabei überdurchschnittlich viel gespart – Hohe Einsparungen korrespondieren aber nicht in allen Fällen mit stark gestiegenen Heizenergiepreisen – Grundsätzlich ist der Heizenergiebedarf im Osten Deutschland immer noch geringer als im Westen

Mit rasant gestiegenen Preisen für Erdgas und Heizöl haben die deutschen Privathaushalte im vergangenen Jahr deutlich weniger geheizt. Temperaturbereinigt wurden im Bundesdurchschnitt fünf Prozent weniger Heizenergie verbraucht. Dies ist das Ergebnis des diesjährigen Wärmemonitors, den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Immobiliendienstleisters ista jährlich erstellt. Für den Bericht wurden die Heizenergieabrechnungen von bundesweit 150.000 Zwei- und Mehrfamilienhäusern mit rund einer Million Wohnungen ausgewertet.

© DIW Berlin

„Die Mehrkosten durch stark gestiegene Preise konnten die Haushalte nur dämpfen, indem sie weniger heizten“, konstatiert Studienautorin Merve Kücük aus der Abteilung Klimapolitik im DIW Berlin. „Ihre Ausgaben stiegen daher in den betrachteten Wohngebäuden nicht so stark wie die Preise, nämlich im Durchschnitt nur um 17 Prozent“.

Einsparungen am größten im Norden, geringster Verbrauch im Osten

Im Norden waren die Einsparungen sehr viel höher als im Süden; Spitzenreiter war Schleswig-Holstein mit 7,3 Prozent. In diesem Bundesland stiegen aber auch die Preise für Heizöl und Erdgas deutschlandweit mit 47 Prozent am stärksten. Ein niedrigerer Verbrauch korrespondiert aber nicht in jedem Fall auch mit starken Preissteigerungen. Im Saarland beispielsweise, wo die Preise im Mittel um 35 Prozent stiegen, wurden nur drei Prozent Heizenergie eingespart. In Baden-Württemberg wurde trotz Preissteigerungen von 27 Prozent am wenigsten eingespart, nämlich nur ein Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen, wo die Preise mit rund 17 Prozent am wenigsten stiegen, wurden trotzdem sechs Prozent Heizenergie weniger verbraucht.

Mecklenburg-Vorpommern ist auch das Land mit dem bundesweit niedrigsten Heizenergiebedarf. Trotz des recht unterschiedlichen Sparverhaltens ist der temperaturbereinigte Verbrauch in den ostdeutschen Ländern weiterhin mit 117 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche um einiges niedriger als in den westdeutschen mit 125 Kilowattstunden. Besonders viel verbrauchten die Haushalte in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland.

„Die Sparanstrengungen der Verbraucher*innen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Dieser Trend müsste sich aber weiter fortsetzen, um die Emissionen ausreichend zu reduzieren. “ Sophie Behr

„Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass bewusstes Heizen einen Unterschied macht. Mit Blick auf die startende Heizsaison und den immer noch hohen Erdgaspreisen ist dies wichtiger denn je“, sagt Hagen Lessing, CEO bei ista. „Beim Energiesparen kann die monatliche Verbrauchsinfo an die Mietenden helfen, die für Vermietende seit 2022 verpflichtend ist.“

Klimaziele knapp verfehlt

Parallel zu den Heizenergieeinsparungen gingen auch die Kohlendioxid(CO2)-Emissionen im vergangenen Jahr temperaturbereinigt um fünf Prozent zurück. Unbereinigt waren es durch den milden Winter sogar 15 Prozent. Dennoch wurden die Klimaziele knapp verfehlt: Trotz der Einsparungen wurden 112 Millionen Tonnen CO2 emittiert; das Klimaziel liegt bei 107 Millionen Tonnen CO2. „Die Sparanstrengungen der Verbraucher*innen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Dieser Trend müsste sich aber weiter fortsetzen, um die Emissionen ausreichend zu reduzieren. Allerdings sind die Einsparpotenziale in vielen Fällen durch Verhaltensanpassungen ausgeschöpft“, erläutert DIW-Studienautorin Sophie M. Behr. „Ohne Investitionen in die Energieeffizienz, ob durch Gebäudesanierungen oder Heizungswechsel, werden wir die Klimaziele daher nicht erreichen können.“

Sophie Behr

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Klimapolitik

Merve Küçük

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Klimapolitik

Till Köveker

Doktorand in der Abteilung Klimapolitik

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