Pressemitteilung/Press Release
Pressemitteilung vom 04.08.2010
Kredite für Unternehmerinnen? Im Internet geht's besser als bei der Bank
Frauen haben auf Internet-Kreditmärkten mindestens so gute Kreditchancen wie Männer – oft sogar bessere. Im Gegensatz dazu werden Frauen als Geschäftskundinnen von Banken noch immer diskriminiert: Ihre Chancen auf einen Kredit sind geringer als die von Männern, die Konditionen oft deutlich schlechter. Eine neue Untersuchung des DIW Berlin zeigt jetzt, dass innovative Kreditmärkte, beispielsweise im Internet, diese traditionelle Diskriminierung überwinden können.
2005 wurde in Großbritannien die erste Internet-Kreditplattform gegründet. Seitdem sind weltweit Dutzende solcher Plattformen entstanden, die zusammen ein Kreditvolumen von etwa einer Milliarde Dollar bewegen. „Im Vergleich zu traditionellen Kreditmärkten ist das natürlich sehr bescheiden“, sagt DIW-Finanzexpertin Nataliya Barasinska. „Aber diese so genannten Peer-to-Peer-Netzwerke haben Vorteile für beide Seiten – Kreditnehmer und Kreditgeber. Und sie werden immer beliebter.“
Für ihre Untersuchung haben Dorothea Schäfer und Nataliya Barasinska die Vergabe von Geschäftskrediten bei smava analysiert, der größten deutschen Kreditplattform im Internet. Zwar sind Geschäftskredite auf innovativen Kreditmärkten noch in der Minderheit: „Die meisten der im Internet vermittelten Kredite sind Konsumentenkredite, zum Beispiel für neue Möbel.“ Trotzdem werden auf der untersuchten größten deutschen Kreditplattform smava im Schnitt 44 Geschäftskredite pro Monat vermittelt. Und dabei haben Frauen oft bessere Karten als Männer.
Geschäftskundinnen haben bessere Chancen auf hohe Kredite
„Wir haben alle für die Kreditvergabe relevanten Faktoren untersucht“, erklärt Nataliya Barasinska. Alter, Beschäftigung, Bundesland, Geschlecht und Schufa-Klasse sind auf den Internet-Kreditmärkten für alle potentiellen Kreditgeber einsehbar. Alle diese Faktoren spielen also potentiell eine Rolle bei der Kreditvergabe. Das Ergebnis ist eindeutig: Über alle Schufa-Klassen hinweg haben Frauen etwas bessere Chancen als Männer, einen Geschäftskredit zu erhalten. Besonders stark ist dieser Effekt bei höheren Summen jenseits von 10.000 Euro.
Dieses Ergebnis steht im klaren Gegensatz zu den Befunden der Studien über die Kreditvergabe im klassischen Bankgeschäft. Sie zeigen, dass Banken bei Geschäftskunden zu einer Diskriminierung von Frauen neigen. „Die Ursachen dafür können in geschlechtsspezifischen Klischees liegen“, sagt Nataliya Barasinska. „Viele glauben wohl noch immer, dass Frauen schlechtere unternehmerische Fähigkeiten haben.“ Auf Internet-Kreditmärkten würden diese Klischees offenkundig keine Rolle mehr spielen.
Links
Verbessern Internet-Kreditmärkte den Kreditzugang für Unternehmerinnen? Von Nataliya Barasinska und Dorothea Schäfer. In: Wochenbericht 31/2010 | PDF, 0.6 MB
Interview mit Nataliya Barasinska | PDF, 262.97 KB (auch als mp3 | MP3, 2.97 MB
Weitere Pressemitteilungen
Pressestelle
Renate BogdanovicSabine Fiedler
Sebastian Kollmann
Telefon +49-30-897 89-249, -250 oder -252
Mobil +49-174-319-3131
Mobil +49-174-183-5713
presse@diw.de
Pressereferentin Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)
Monika Wimmer
Telefon +49-30-89789-251
Mail: mwimmer@diw.de
Die Weiterverwertung des oben angezeigten Bildmaterials durch Redaktionen und Medien ist nicht gestattet.

Diese Seite empfehlen