Konjunkturbarometer

Aktuelle Ergebnisse vom 31. August 2016

DIW Konjunkturbarometer August 2016: Brexit-Votum hinterlässt erste Spuren

Nachdem die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Vierteljahr um kräftige 0,4 Prozent höher ausgefallen war als zum Jahresauftakt, dürfte die hiesige Wirtschaft ihre Aufwärtsbewegung zwar fortsetzen, allerdings etwas an Schwung verlieren. Im laufenden Quartal wird das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten wohl noch um gut 0,3 Prozent zunehmen. Dies signalisiert das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das im August die 100-Punkte-Marke knapp halten kann und damit ein Wachstum anzeigt, das dem langfristigen Durchschnitt entspricht.

Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ entwickelt sich vielerorts robust. Auch deswegen wird die deutsche Wirtschaft ihre Aufwärtsbewegung wohl fortsetzen. Allerdings dürfte die Brexit-Entscheidung der britischen Bevölkerung die deutschen Ausfuhren bereits kurzfristig merklich dämpfen: „Nach der Brexit-Entscheidung ist die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten extrem gestiegen“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Das ist Gift für die Investitionen nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern auch diesseits des Ärmelkanals, und belastet die stark auf Investitionsgüter ausgerichteten deutschen Ausfuhren.“ So hat sich die Stimmung vor allem in der exportorientierten Industrie merklich eingetrübt. „Der Stimmungseinbruch in deutschen Unternehmen ist wohl kaum ein Sommerloch, sondern die Reaktion auf die infolge des Brexit-Votums schlechteren Rahmenbedingungen“, so Fichtner. Für die kommenden Quartale ist daher nur mit einer schleppenden Investitionstätigkeit zu rechnen.

Auch der Konsum der privaten Haushalte sieht nur auf den ersten Blick sehr kräftig aus: „Der private Verbrauch wird derzeit von der spürbaren Rentensteigerung zur Jahresmitte befeuert“, sagt Simon Junker, DIW-Experte für die Konjunktur in Deutschland. „Das Wachstum wird zwar weiter vom Konsum getragen, dieser dürfte aber an Fahrt verlieren.“ Zum einen steigt die Kaufkraft bei weitem nicht mehr so kräftig wie in den vergangenen Quartalen. Zum anderen setzt sich der Beschäftigungsaufbau nur mit etwas gedrosseltem Tempo fort – vor allem im Frühjahr kommenden Jahres, wenn die Unternehmen unter dem Eindruck der Brexit-bedingten Nachfrageflaute wohl verhaltender Personal einstellen werden.


In der detaillierten Betrachtung des DIW-Konjunkturbarometers im Quartalsverlauf zeigt sich, dass für das dritte Quartal 2016 vor allem der Dienstleistungsbereich positiv zum Barometer beiträgt (Grafik 1). An den Aktienmärkten sind die Kursverluste unmittelbar nach dem Referendum im Vereinigten Königreich wieder ausgeglichen; insgesamt wirkt dieser Bereich am aktuellen Rand leicht positiv auf das Barometer. Ein negativer Beitrag kommt dagegen nach wie vor aus der Industrie, die das Barometer allerdings weit weniger stark belastet als noch in den Vorquartalen. Auch die neusten Zahlen vom Arbeitsmarkt wirken für das dritte Quartal bisher leicht dämpfend auf das Barometer, was mit einer gemischten Stimmung in Umfragen zu Beschäftigungserwartungen erklärt werden kann. Nachlaufende Indikatoren, wie zum Beispiel die tatsächliche Zahl der Beschäftigten, befinden sich jedoch weiterhin oberhalb ihres langjährigen Durchschnitts.


Abbildung 2

KonBar_August_2016.png

Die generellen Trends der einzelnen Bereiche sind auch in den Beiträgen ausgewählter Zeitreihen zum Barometer im August 2016 zu finden (Grafik 2). Auftragseingänge, Umsätze und Produktionszahlen aus der Industrie lassen sich sowohl unter den Reihen mit einem positiven als auch mit einem negativen Beitrag finden; für die Industrie ergibt sich insgesamt nur ein leicht negativer Beitrag. Insbesondere die Import- und Exportpreise sind am aktuellen Rand gestiegen; dies wird vom Barometer mit einer anziehenden Dynamik des Außenhandels in Verbindung gebracht.  Die Kursgewinne an den Börsen seit Anfang Juli spiegeln sich in positiven Beiträgen der einzelnen Aktienindizes wider und auch die neusten Geschäftserwartungen im Dienstleistungsbereich fallen zusammen genommen stärker aus als zuletzt. Nur in einigen wenigen Branchen deuten die Stimmungsindikatoren auf eine schwächere Dynamik hin.