Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 22.03.2011

DIW: In Führungspositionen verdienen Frauen ein Viertel weniger als Männer

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Copyright: Marcin Balcerzak

Der Aufstieg in deutsche Führungsetagen gelingt Frauen wesentlich seltener als Männern. Und wenn doch, verdienen sie im Schnitt gut 1200 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied in der Privatwirtschaft, so zeigen Berechnungen des DIW Berlin auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), lag im Jahr 2009 bei rund einem Viertel. Vollzeitbeschäftigte Frauen in Führungspositionen verdienten demnach im Mittel rund 3700 Euro monatlich, Männer hingegen rund 4900 Euro. „Eine größere Transparenz, etwa durch Offenlegung der Gehälter, könnte helfen diesen Missstand aufzuzeigen und ihn zu reduzieren“, sagt Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies.

Zudem erhielten in Führungspositionen Frauen im Vergleich zu Männern auch weniger Sondervergütungen, wie etwa Prämien und Gewinnbeteiligungen, zuletzt waren es mit knapp 7200 Euro jährlich im Durchschnitt rund ein Fünftel weniger. Das Urlaubsgeld lag bei den Frauen mit 1065 Euro rund 40 Prozent unter dem der Männer, die etwa 1800 Euro erhielten. Ein Grund für die Unterschiede liegt darin, dass das Urlaubsgeld meist in Abhängigkeit des Verdienstes gezahlt wird. Zudem arbeiten weibliche Führungskräfte häufiger in kleineren Betrieben, die im Schnitt geringere Sondervergütungen leisten können als Großkonzerne.

Die Verdienstlücke – der so genannte „Gender Pay Gap“ – lässt sich nur zu einem geringen Teil mit der formalen Qualifikation erklären. Darin stehen weibliche Führungskräfte den männlichen nicht nach. Unterschiede in der Berufserfahrung bestehen zwar, sind jedoch meist  altersbedingt. Jüngere Frauen sind am häufigsten in Führungspositionen, ältere Frauen eher selten. Die sehr hohen Führungspositionen sind fast ausschließlich mit Männern besetzt. Mehr Frauen in den gut bezahlten Jobs können zur Reduktion des Gender Pay Gap beitragen.

Von Bedeutung ist zudem die Berufswahl. In Berufen mit einem Frauenanteil von mindestens 70 Prozent, sogenannten „Frauenberufen“, werden Führungskräfte geringer entlohnt als in typischen „Männerberufen“. Weibliche Führungskräfte in Frauenberufen erzielten 2009 im Schnitt monatlich knapp 2800 Euro, ihre Kolleginnen in „Männerberufen“ hingegen etwa 4300 Euro. Männliche Führungskräfte in Frauenberufen verdienten rund 1500 Euro mehr als ihre Kolleginnen in Frauenberufen und immerhin fast neun Zehntel dessen, was die männlichen Kollegen in Männerberufen bekamen. Während Männer also ähnlich hohe Einkommen in Männer- und Frauenberufen erzielen, werden Frauen in Frauenberufen deutlich geringer bezahlt. Frauen müssen also erhebliche Verdienstabschläge hinnehmen, wenn sie traditionellen Berufswegen folgen. Wählen sie hingegen Männerberufe, so erhöhen sich die Verdienstaussichten. Den Anschluss an die Männer schaffen sie aber nicht.

„Vielfach ist die Verdienstlücke auf Geschlechter-Stereotype, gesellschaftliche und kulturelle Rahmenbedingungen zurückzuführen. Sie sind aber nur schwer messbar. Mehr Frauen in Führungspositionen und zugleich eine stärkere Durchmischung der Berufe im Sinne von mehr Frauen in Männerberufen und mehr Männer in Frauenberufen stellen einen Schritt dar, um die Stereotype zu überwinden und mehr Chancengleichheit auch beim Verdienst zu erreichen“, sagt DIW-Gender-Ökonomin Elke Holst.

Hintergrund: Definition von Führungskräften

Führungskräfte umfassen in den Berechnungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) Personen ab 18 Jahren, die angaben, als Angestellte in der Privatwirtschaft in Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben (zum Beispiel Direktorinnen/Direktoren, Geschäftsführerinnen/Geschäftsführer oder auch Vorstände größerer Betriebe und Verbände), sonstigen Leitungsfunktionen oder hochqualifizierten Tätigkeiten (zum Beispiel Abteilungsleiterinnen/Abteilungsleiter, wissenschaftliche Angestellte, Ingenieurinnen/Ingenieure) tätig zu sein.

Links

Gender Pay Gap | PDF, 46.05 KB

Frauenberufe - Männerberufe | PDF, 12.63 KB

Sondervergütungen | PDF, 35.11 KB

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

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Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public (zuvor TNS Infratest Sozialforschung) in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

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