Forschungsprojekt

Ökonomie des Klimawandels: Die Bewältigung von Klimaschocks in der Mongolei – Vulnerabilität, Vermögen und Migration (Shocks Mongolia)

Abteilung(en)/ Infrastruktureinrichtung
Entwicklung und Sicherheit
Projektstatus
Aktuelles Projekt
Projektlaufzeit
seit/von 2012 bis 2015
Auftraggeber
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderkennzeichen: 01LA1126A
In Kooperation mit
National Statistical Office of Mongolia (NSO) (http://www.nso.mn/)
Projektleitung
Kati Schindler
Ansprechpartner im DIW Berlin

Projekt


Ziel des Projekts
Das Projekt untersucht die Auswirkungen von Klimaschocks auf das Wohlergehen und Verhalten von Haushalten in der Mongolei. Insbesondere werden dabei extreme Wetterereignisse, sogenannte Dzud-Katastrophen, betrachtet (siehe Kasten). Mit fortschreitendem Klimawandel ist damit zu rechnen, dass solche Klimaschocks häufiger und in extremeren Umfang auftreten werden. Im Rahmen des Projekts wird eine Panelhaushaltsbefragung zu Klimaschocks und sozio-ökonomischer Vulnerabilität von Haushalten in der westlichen Mongolei erhoben. Die Anpassungsstrategien von Nomaden zur Bewältigung von Klimaschocks und die Verteilungswirkungen von Klimaschocks werden anhand mikro-ökonometrischer Methoden analysiert.

Unter Dzud werden in der Mongolei schwere Kälte- und Schneeperioden im Winter verstanden, die zu hohen Viehverlusten führen. Seit dem Beginn von meteorologischen Aufzeichnungen in der Mongolei in den Fünfzigerjahren sind schwere Dzuds durchschnittlich alle 8 Jahre aufgetreten. Seit Ende der Neunzigerjahre hat sich die Häufigkeit von Dzuds erhöht. In drei aufeinander folgender Dzuds zwischen 1999 und 2002 wurde der Tierbestand in der Mongolei um 30 Prozent dezimiert. Im Winter 2009/2010 sind mehr als 8 Millionen Vieh gestorben, mehr als 19 Prozent des nationalen Bestands. Die gestiegene Häufigkeit und Intensität von Dzuds wird oft dem Klimawandel zugeschrieben, wobei die exakte Kausalität zwischen einzelnen Wetterereignissen und Trends der globalen Erderwärmung jedoch per Definition nicht nachgewiesen werden können.

Innovation
Das Projekt erweitert den Erkenntnisstand zu den Kosten und Risiken des Klimawandels aus der Mikroperspektive von Haushalten in einem Transformationsland. Die Mechanismen, über die Klimaschocks das Wohlergehen und die Existenzgrundlage von Haushalten beeinflussen, werden identifiziert. Dazu werden verschiedene Konzeptionen von Klimaschocks (subjektiv wahrgenommene und meteorologisch gemessene Dzuds), verschiedene Analyseeinheiten (Individuen, Haushalte, Gruppen) und verschiedene Zeithorizonte (kurz-, mittel- und langfristig) verwendet. Durch die Erhebung einer neuen Panelhaushaltsbefragung, die auf die Untersuchung von Klimaschocks zugeschnitten ist, trägt das Projekt zur Schaffung einer größeren Datenbasis für die empirische Forschung zu Klimaschocks bei.

Arbeitsinhalte
Folgende Themen werden auf Basis der erhobenen Panel-Haushaltsdaten untersucht:
  • Die Auswirkungen von Klimaschocks auf die Vulnerabilität von Haushalten
  • Die Auswirkungen von Klimaschocks auf die Gesundheit von Kindern
  • Migration und Transferzahlungen
  • Anpassungsstrategien zur Sicherung von Konsum, Einkommen und Vermögen
  • Sozial-Kapital und Anpassungsstrategien
  • Die Auswirkungen von Klimaschocks auf Ungleichheit
  • Klimaschocks als Armutsfalle
  • Klimaschocks als Auslöser von Landflucht
Anwendung und Nutzen der Projektergebnisse
In dem Projekt werden Handlungsoptionen zur Linderung der Auswirkungen von Klimaschocks formuliert. Dabei liegt der Fokus auf Politikprogrammen, welche die Widerstandsfähigkeit von Haushalten gegen Klimaschocks stärken und Landflucht verhindern können. Ebenfalls wird untersucht, inwieweit die Ergebnisse und Politikempfehlungen auf andere Ökonomien angewandt werden können, in denen die Existenzgrundlage von Haushalten stark von klimatischen Bedingungen abhängt.

Panel-Survey


Die Erhebung der Panel-Haushaltsbefragung wird zusammen mit unserem lokalen Partner, dem National Statistical Office of Mongolia (NSO), durchgeführt. Die Stichprobe umfasst 1.760 Haushalte in den drei Aimags (Provinzen) Govi-Altai, Zavkhan, and Uvs. Ein mehrfach stratifiziertes Sampling Design wird verwendet, so dass die Stichprobe repräsentativ für die Bevölkerung in der westlichen Mongolei ist. Die Haushaltsbefragung wird in drei jährlichen Wellen erhoben und beginnt im Juni 2012. Die Datenerhebung findet kontinuierlich statt; pro Monat werden dabei rund 150 Haushalte befragt, wobei jeder Haushalt genau alle 12 Monate befragt wird.

Der Fragebogen erfasst demographische Merkmale aller Haushaltsmitglieder (z.B. Alter, Geschlecht, Bildung, Gesundheit), Dzud-Katastrophen (z.B. retrospektive Fragen zum Dzud von 2009/2010, Erwartungen von zukünftigen Klimaschocks), Risikomanagement-Strategien (z.B. Migration und Remittances, formale und informelle Versicherungen, Nomadismus), Wohlergehen (z.B. Konsum, Einkommen, Vermögen, Nahrungsmittelsicherheit, anthropometrische Daten von Kindern) sowie politikrelevante Informationen (z.B. Tranferleistungen, Teilnahme an staatlichen Bildungs- und Gesundheitsprogrammen, Informationen zum Marktzugang). Die Haushaltsdaten werden ab 2016 für die interessierte Fachwelt zugänglich sein.

 

Team

Tilman Brück (Ko-Projektleiter) ist Professor für Entwicklungsökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Leiter der Abteilung Entwicklung und Sicherheit am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Tilman studierte Volkswirtschaftslehre in Glasgow und Oxford und promovierte in Oxford. Sein Forschungsinteresse gilt der ökonomischen Analyse von Personen und Haushalten unter extremer Unsicherheit. Er ist ein Mitgründer und Ko-Direktor des "Households in Conflict Network (HiCN)" (http://www.hicn.org).

Kati Schindler (Projektleiterin) studierte Ethnologie und Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und an der Wake Forest University. 2010 promovierte sie in Agrar-Ökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihr Forschungsinteressen sind Entwicklungsökonomie, Ökonomie des Klimawandels und das Verhalten von Haushalten in Extremsituationen.

    Veronika Hümmer (Doktorandin) promoviert im Rahmen des DIW Graduate Centers. Sie studierte Internationale Volkswirtschaftslehre mit Sinologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der University of Sydney. Ihre Forschungsinteressen umfassen Wohlfahrtsökonomie und die Vulnerabilität von Haushalten und deren Anpassungsstrategien an den Klimawandel.
      Katharina Lehmann (wissenschaftliche Mitarbeiterin) studierte Internationale Beziehungen an der TU Dresden und der AlKalamoon University in Syrien und International Economics am Graduate Institute for International and Development Studies in Genf. In ihrer Masterarbeit untersuchte sie Anpassungsstrategien äthiopischer Kleinstbauern an den Klimawandel. Ihre Forschungsinteressen umfassen Entwicklungsökonomie, Verhalten unter Risiko und Unsicherheit, Umweltökonomie und Klimaextreme.

        Myriam Thömmes (studentische Hilfskraft) studierte Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Giessen, ISC Paris und Wisconsin-Milwaukee. Ihr Studium an der University of Wisconsin-Milwaukee schloss sie mit einem Master in VWL, Schwerpunkt Ökonometrie, ab. Zudem hat sie ein Diplom in Betriebswirtschaft an der Universität Giessen erhalten, mit einer Diplomarbeit im Bereich Ökonometrie.
          Uuriintuya Batsaikhan (studentische Hilfskraft) studierte Internationale Beziehungen und Europäische Studien an der Central European University in Budapest. Ihre Masterthesis "Divergent Ways of Inflation Stabilization, Role of Currency Board Arrangements (CBAs): Case comparison of Estonia and Poland" wurde in Buchform publiziert. Momentan ist Uuriintuya an der Hertie School of Governance in Berlin im Studiengang Master of Public Policy eingeschrieben. Ihre Interessengebiete sind wirtschaftspolitische Entwicklung in Post-Transformationsländern, Entwicklungsökonomie und Geldpolitik.

          Leoni Linek (studentische Hilfskraft) studierte Economics and Philosophy an der University of York, England und an der Columbia University, New York. Ihren  Master in Entwicklungsökonomie erhielt sie von  der Oxford University, wo sie ihre Abschlussarbeit zur Messung von Chancenungleichheit schrieb. Ihre Forschungsinteressen gelten der politischen Ökonomie, der Einkommens(um)verteilung und der ökonomischen Verbesserung von Wertschöpfungsketten. Derzeit absolviert sie das MA Research Training Programm an der Humboldt Universität Berlin, um sich auf weitere Forschungsarbeiten, wie ihre Dissertation, vorzubereiten.

          Aimag-Teams




          Events

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          Am 23.5.2012 findet der Eröffnungsworkshop des Projekts in Ulaanbaatar statt.

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