DIW-Webseite unter den ersten Eintausend in Deutschland

Heute ist eine Webseite in der Wissenschaftskommunikation nicht mehr wegzudenken, auch nicht im DIW Berlin. Als in den 1990er-Jahren Webseiten überhaupt erst entstanden, gehörte das DIW Berlin mit seiner Domain diw-berlin.de zu einer der ersten rund 1.000 Institutionen und Organisationen, die eine Webseitendomain in Deutschland anmeldeten. Im Juli dieses Jahres waren es dazu im Vergleich rund 17.500.000 Domains mit der Länderkennung .de. infoVergl. DENIC: Domainstatistiken rund um .de, abrufbar unter: https://www.denic.de/wissen/statistiken/monatsauswertungen-rund-um-de Wir haben uns auf die Suche gemacht nach den Ursprüngen der DIW-Webseite und zeichnen den Weg von der ersten Internetseite hin zu einem modernen Webservice nach.

Heute ist die DIW Internetseite ein moderner Webservice, aber die Anfänge sahen anders aus.
© DIW Berlin

Wahrscheinlich war es dem britischen Physiker Tim Berners-Lee gar nicht klar, wie sich die Welt dank seiner Erfindung verändern würde, als er am 6. August 1991 die erste Webseite der Welt einer kleinen Online-Community vorstellte. Das Europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz war damit die erste Institution, die eine Webseite hatte, genauer gesagt: Es war die erste Webseite der Welt, die heute noch unter http://info.cern.ch/ abrufbar ist. Berners-Lees Ziel war es, einen automatisierten Informationsaustausch zwischen Wissenschaftler*innen zu ermöglichen.infoVergl. Bitkom (2021): Die Webseite wird 30 Jahre alt, abrufbar unter: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Die-Website-wird-30-Jahre-alt

diw-berlin.de: Eine der ersten 1000 Domains in Deutschland

Nur gut zwei Jahre, nachdem Berners-Lee die CERN-Webseite an den Start gebracht hatte, ließen auch die DIW-ITler die Domain DIW-Berlin.de in Deutschland eintragen. Heute wissen wir: Damit war das DIW eine der ersten 1000 Institutionen und Organisationen, die sich eine Domain mit der Endung .de in Deutschland einrichten ließen. Holger Piper, Webmaster am DIW Berlin und Dennis Meiser-von Schmädel, Webredakteur in der Kommunikationsabteilung, haben die Entstehung der ersten DIW-Webseite rekonstruiert und eine E-Mail vom 3. Dezember 1993 gefunden, die zeigt, dass der damalige DIW-IT-Mitarbeiter René Eglin die Domain beantragt hat und diese von der zuständigen Stelle freigeschalten wurde.

„Diese E-Mail belegt, dass der Name diw-berlin.de im Jahr 1993 registriert worden ist“, erklärt Webredakteur Meiser-von Schmädel heute. Zuständig für solche Registrierungen war damals die dafür gegründete DE-NIC, kurz für Deutsches Network Information Center, das zuerst an der Universität Dortmund angesiedelt war.infoWie alles begann: Dortmund, die Keimzelle des deutschen Internet und DE-NIC https://blog.denic.de/wie-alles-begann-dortmund-die-keimzelle-des-deutschen-internet-und-de-nic/ Im Jahr 1994 wechselte die Verantwortung zur Universität Karlsruhe. Zu diesem Zeitpunkt soll es rund 1000 .de-Domains gegeben haben, die in die Zuständigkeit der Universität Karlsruhe wechselten.infoVergl. DENIC: Geschichte der DENIC eG, abrufbar unter: https://www.denic.de/ueber-denic/denic-geschichte "Wir waren also eine der ersten rund 1.000 eingetragenen Domains in Deutschland.“ Andere Quelle sprechen sogar von nur rund 400 Domains, die es im Dezember 1993 gab.infoNetplanet: Das Internet in Deutschland, abrufbar unter https://www.netplanet.org/geschichte/deutschland.shtml„An welcher Stelle der gut 1000 wir standen, können wir heute nicht sagen“, erklärt Webredakteur Meiser-von Schmädel, im Vergleich zu den heutigen Millionen ist das jedenfalls recht früh Zu den ersten Domains gehörten 1988 unter anderem die Deutsche Bundespost, die Universitäten Dortmund, Karlsruhe und Paderborn.infoWikipedia: Domainregistrierung, abrufbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Domain-Registrierung#:~:text=Die%20weltweit%20erste%20registrierte%20Domain,die%20erste%20.com%2DDomain Die Anzahl der Domains in Deutschland stieg schnell an. Im Jahr 1997 waren es bereits über 100.000.infoVergl.: Kuri, Jürgen (2006): 10 Millionen .de-Domains, abrufbar unter:  https://www.heise.de/news/10-Millionen-de-Domains-132881.html  Im Jahr 2024 verkündete die DE-NIC, dass es insgesamt 17,7 Millionen registrierte .de-Domains gibt.infoDENIC: Statistische Jahresauswertungen .de, abrufbar unter: https://www.denic.de/wissen/statistiken/2024-jahresstatistik-de

Die Anzahl der Domains in Deutschland stieg schnell an. Im Jahr 1997 waren es bereits über 100.000.Die Anzahl der Domains in Deutschland stieg schnell an. Im Jahr 1997 waren es bereits über 100.000.Die Anzahl der Domains in Deutschland stieg schnell an. Im Jahr 1997 waren es bereits über 100.000.Die Anzahl der Domains in Deutschland stieg schnell an. Im Jahr 1997 waren es bereits über 100.000.Die Anzahl der Domains in Deutschland stieg schnell an. Im Jahr 1997 waren es bereits über 100.000.Die Anzahl der Domains in Deutschland stieg schnell an. Im Jahr 1997 waren es bereits über 100.000.Wikipedia: Domainregistrierung, abrufbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Domain-Registrierung#:~:text=Die%20weltweit%20erste%20registrierte%20Domain,die%20erste%20.com%2DDomainVergl. DENIC: Geschichte der DENIC eG, abrufbar unter: https://www.denic.de/ueber-denic/denic-geschichte

Die Entwicklung der .de-Domains in Deutschland.
© DIW Berlin

Die erste Webseite: Datenaustausch und digitale Visitenkarte

Viele Universitäten und Forschungseinrichtungen waren bei der Entwicklung von Internetseiten vorne mit dabei, weiß auch DIW-Webmaster Holger Piper: „Über das so genannte File Transfer Protocol konnte man aus der Ferne auf Verzeichnisse mit Dokumenten zugreifen. So konnten Forscherinnen und Forscher einfach Daten austauschen.“ In den Anfängen der DIW-Webseite gab es auch noch keine Webredaktion, die Inhalte aufbereitete. „Damals war die DIW-Webseite eine reine IT-Geschichte“, weiß Webredakteur Meiser-von Schmädel. Neben den Informationen zum Datenaustausch gab es ein Organigramm und eine Übersicht von E-Mail-Adressen der Wissenschaftler*innen – eine Art digitale Visitenkarte des Instituts.

René Eglin, der IT-ler, der 1993 die Domain beantragt hatte, erinnert sich an die ersten Effekte der Webseite: „Das DIW wurde sichtbarer, weil viele Leute Interesse an den Forschungsergebnissen hatten.“ Er erinnert sich an Anfragen per Telefon und E-Mail, um an Daten aus dem Institut zu kommen.

Der Weg zu einem modernen Webservice

Webmaster Holger Piper, der seit 1995 für das DIW Berlin arbeitet, erinnert sich an einen großen Schritt für die Webseite. 1998 sah die Webseite noch relativ einfach, aber schon strukturiert und zweisprachig aus ,  2001 habe es eine Umstellung gegeben, die den Inhalten und deren Aufbereitung einen größeren Stellenwert gegeben hat. Es wurde eine eigene Webredaktion aufgebaut. „Am Anfang war das Internet eher so ein Nerd-Ding, an dem die Menschen aus der IT und der Wissenschaft gebastelt haben“, erklärt Webredakteur Meiser-von Schmädel, der seit 2011 in der DIW-Webredaktion arbeitet. „Bis klar wurde, dass die Webseite ein direkter Weg an die Öffentlichkeit ist.“infoWayback Machine des Archive.org: https://web.archive.org/web/20020117212453/http://www.diw-berlin.de/deutsch/

Heute kümmern sich nach mehreren Relaunches der Webseite zwei Webmaster und ein kleines Team an Webredakteur*innen darum, dass die DIW-Webseite funktioniert und die Menschen an Informationen kommen, die sie suchen. Webredakteur Meiser-von Schmädel erklärt die Bedeutung der Webseite heute so: „Die Webseite ist die Informationsplattform für die Öffentlichkeit. Wenn sich Menschen informieren wollen, Material suchen oder Informationen über Forscherinnen und Forscher suchen, dann ist die Webseite die erste Adresse.“ Dabei ist dem Team auch wichtig, dass die Nutzer*innen die Informationen schnell finden und gleich lesen können. Seit dem Relaunch der Webseite 2019 ist die Seite auch komplett auf mobile Endgeräte zugeschnitten. „Wir haben damals auch unsere Flaggschiff-Publikation, den DIW-Wochenbericht, vom reinen PDF auf eine html-Version umgestellt, damit er auch direkt auf dem Handy gelesen werden kann. Dadurch werden die Wochenberichte bis zu 900.000mal jährlich aufgerufen.“ Außerdem ist die Webseite heute gespickt mit multimedialen Inhalten wie interaktiven Grafiken, Podcasts, Videos und einer Vielzahl von Infografiken.

Trotz aller Veränderungen der modernen Kommunikationswege, beispielsweise durch Social Media, bleibt für das DIW Berlin die Webseite die zentrale Kommunikationsplattform. „Die Webseite bleibt der Hauptlieferant von Informationen. Über die Webseite verbreiten wir unsere Forschungsergebnisse“, erklärt Webmaster Holger Piper.  Das zeigen auch die Nutzungszahlen der DIW-Webseite. Allein im Jahr 2024 verzeichnete die Seite rund zwei Millionen Besuche und insgesamt über sechs Millionen Seitenaufrufe. Und das ohne die tausenden von automatisierten Systemen wie Bots, Crawler, Suchmaschinen und KI-Plattformen, die tausende Serverzugriffe täglich erzeugen.

Wenn Holger Piper davon spricht, wie das Team am DIW Berlin Forschungsergebnisse verbreitet, wird klar, dass hinter der Webseite, die Nutzer*innen von außen sehen, ein ganz eigenes System liegt. „Mein Job ist es, dass die Informationen gut auffindbar sind und auch automatisch verteilt werden,“ sagt Piper. Dazu gehört neben der Auffindbarkeit in den Suchmaschinen und dem Verschicken von Newslettern auch, dass die diversen Datenströme z.B. aus unserem Bibliothekssystem heraus in die Webseite funktionieren. Zusammen mit der Bibliothek kümmern sich die Webmaster darum, dass die Daten, Studien, Forschungsergebnisse, Vorträge nicht nur an den richtigen Stellen auf der Webseite, beispielsweise in den korrekten Arbeitsbereichen und bei den Autor*innen der Studien angezeigt werden, sondern auch, dass externe Datenbanken auf die Forschungsergebnisse zugreifen können. „Das Verschachteln und Ineinandergreifen von Informationen technisch zu ermöglichen, das ist unsere Aufgabe, aber kein Selbstzweck. Das ist nicht nur eine Webseite, das ist ein in die Informationsflüsse des DIW zentral eingebundener Webservice.“ Ziel sei es von technischer Seite immer gewesen, dabei den Nutzen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vermehren und vorhandene Informationen so selbstverständlich wie möglich in andere Bereiche und auch in DIW-externe Systeme zu transportieren. Beispiele sind hier internationale Repositorien für Publikationen und Daten und weitere für die Öffentlichkeit nützliche Plattformen. „Immerhin möchten wir als öffentlich finanziertes Institut möglichst viel an die Allgemeinheit zurückgeben“, erklärt der Webmaster.

Autorin: Lena Högemann

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