Wer wissen möchte, wie dramatisch die Lage am Arbeitsmarkt in Deutschland 1930 war, welche Auswirkungen die Ölpreiskrise 1973 hatte oder wie dürftig die Investitionslage schon 1995 aussah, wird jetzt mit wenigen Klicks fündig. Pünktlich zum 100. Geburtstag des DIW Berlin wurde die Digitalisierung der Flaggschiff-Publikation DIW Wochenberichte, die 1928 erstmals erschienen, abgeschlossen. Ab sofort können alle Ausgaben und umfangreichen Tabellenanhänge des DIW Wochenberichts – die bis 2004 nur in gedruckter Form zugänglich waren – bequem online abgerufen werden.
Der Weg zur vollständigen Digitalisierung war aufwändig und erfolgte in Etappen: Im Jahr 2008 wurde zunächst damit begonnen, die ersten Ausgaben von 1928 bis 1936 aus Eigenmitteln zu digitalisieren. Anlass war nicht nur der 80. Geburtstag des Wochenberichts, sondern auch eine Reaktion auf das gestiegene Interesse der Wissenschaft: Forschende wollten Parallelen zwischen der weltweiten Finanzkrise 2007 bis 2009 und der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahr untersuchen. Die Zielsetzung der Wochenberichte, die Öffentlichkeit über aktuelle Wirtschaftsprobleme zu informieren und wissenschaftliche Erkenntnisse in die öffentliche Diskussion zu integrieren, blieb seit der Gründung bis heute unverändert. Besonders die historischen Ausgaben erwiesen sich als wertvolle Quelle für die Forschung.
Der DIW-Wochenbericht im Wandel der Zeit.
© DIW Berlin
Die erste Digitalisierung, die 2011 abgeschlossen wurde, machte die Berichte zwar als pdf zugänglich, doch der umfangreiche Anhang – der bis 1968 periodische Zahlenbeilagen mit monatlichen Wirtschaftskennzahlen, Wirtschaftszahlen, wöchentlichen Zahlenübersichten und Konjunkturkarteien nach Branchen umfasste – war damit für die wissenschaftliche Nutzung nur eingeschränkt brauchbar. Dieser wertvolle Datenschatz wurde mithilfe eines DFG-Projekts, das 2022 startete, gehoben: Der Wochenbericht wurde bis zum Jahrgang 1968 digitalisiert verfügbar gemacht und die periodischen Zahlenbeilagen zu Zeitreihen verknüpft. Aus Eigenmitteln wurde dann zum 100. Geburtstag des DIW Berlin auch die Digitalisierungslücke bis 2004 geschlossen.
Mithilfe dieser umfassenden Digitalisierung können Forschende nun nicht nur alle Berichte im Einklang mit den Prinzipien von Open Access und den „FAIR-Prinzipien“ (Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit) einsehen. Sie haben zudem Zugang zu den Zahlenbeilagen, die jetzt in einer Form verfügbar sind, die eine einfache Weiterverarbeitung mit Tabellenkalkulations- und Statistiksoftware ermöglicht.
Ein besonderer Dank gilt Projektleiter Tobias Gebel und den beiden ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter Marcus Schöps und Enrico Wedekind, Ute Figgel und Katharina Zschuppe in der Bibliothek sowie Holger Piper und Thomas Pilger von der IT, außerdem Dank an die externen Partner Frank Puppe von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Andreas Oskar Kempf von der ZBW mit ihren Teams.
Autorin: Claudia Cohnen-Beck