Bericht , Nachricht vom 04.01.2018

Gert G. Wagner feiert seinen 65. Geburtstag und beendet seine Tätigkeit im DIW-Vorstand

Gert G. Wagner, von 2011 bis 2017 Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), feiert am 5. Januar seinen 65. Geburtstag. Der Ökonom und Sozialwissenschaftler leitete von 1989 bis 2011 die Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin und entwickelte das SOEP zur größten und am längsten laufenden Langzeitstudie zur sozialen und wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Zum Jahreswechsel verabschiedete sich Wagner aus dem Vorstand des DIW Berlin, bleibt dem Institut aber auch über seinen offiziellen Ruhestand als Professor an der Technischen Universität Berlin im April 2018 hinaus in der Funktion eines „Visiting Senior Research Fellow“ als Wissenschaftler verbunden. Den Schwerpunkt seiner künftigen Forschungstätigkeit verlagert er zum Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, an dem er bereits seit 2008 als Max Planck Fellow aktiv ist.

„Gert G. Wagner hat dem SOEP und dem DIW Berlin große Dienste erwiesen“, sagt Axel A. Weber, Vorsitzender des Kuratoriums des DIW Berlin. „Das SOEP hat er zusammen mit vielen herausragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu der exzellenten und weltweit anerkannten forschenden Infrastruktureinrichtung gemacht, die es jetzt ist. Im Vorstand des DIW Berlin hat er ebenso erfolgreich ein hohes Maß an Verantwortung für das gesamte Institut übernommen.“

Gert G. Wagner wechselte von der SOEP-Leitung Anfang 2011 in den Vorstand des DIW Berlin. Zusammen mit Cornelius Richter und Georg Weizsäcker führte Wagner als Vorsitzender des Vorstands („Präsident“) das Institut erfolgreich durch die Evaluierung der Leibniz-Gemeinschaft. Nach Amtsantritt als Präsident von Marcel Fratzscher im Februar 2013 blieb Wagner Mitglied im Vorstand des DIW Berlin. Wagners Vorstandsposition hat zum 1. Januar Stefan Liebig übernommen, der gleichzeitig zum Direktor des SOEP ernannt wurde.

„Gert G. Wagner hat nicht nur mit dem SOEP einen zentralen Beitrag für das DIW Berlin geleistet, sondern mit der wissenschaftlichen Fokussierung des Instituts in den Jahren 2011 und 2012 wichtige Weichen für die erfolgreiche Zukunft des DIW Berlin gestellt. Ich danke ihm für die gute Zusammenarbeit in den letzten fünf Jahren“, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher, der betont, dass neben Wagner auch „Jürgen Schupp als Direktor des SOEP einen hervorragenden Job gemacht hat und dabei neue Impulse gesetzt hat. Ich freue mich, dass Jürgen Schupp auch weiterhin als Vize-Direktor des SOEP Verantwortung in der Leitung des SOEP wahrnehmen und wieder mehr Zeit eigener Forschung widmen wird“, fügt Marcel Fratzscher an.

Von 1989 bis 2011 war Gert G. Wagner Leiter der von DIW-Präsident Hans-Jürgen Krupp im Jahr 1983 begonnenen Langzeitstudie „Sozio-oekonomisches Panel“. Wagner und seine Kolleginnen und Kollegen entwickelten das SOEP zu einer der wichtigsten sozialwissenschaftlichen Infrastruktureinrichtungen weltweit. Unmittelbar nach dem Fall der Mauer konnten Menschen aus Ostdeutschland und Mitte der 1990er Jahre Aus- und ÜbersiedlerInnen in die Studie einbezogen werden. Im Jahr 2003 gelang es Wagner, das SOEP als Infrastruktureinrichtung am DIW Berlin zu institutionalisieren. Zusammen mit Jürgen Schupp, der das SOEP von 2011 bis 2017 leitete, sorgte Wagner dafür, dass das SOEP kontinuierlich an gesellschaftliche Veränderungen angepasst, um psychologische Fragestellungen erweitert und hervorragend national und international vernetzt wurde. Seit 2016 erhebt das SOEP zudem eine repräsentative Stichprobe geflüchteter Menschen.

Das SOEP ermöglicht heute Spitzenforschung, die weltweit als führend gilt. Seine Bedeutung sowohl für Grundlagenforschung als auch die Politikberatung wird beispielhaft anhand der Publikationen von Wagner deutlich: Neben 100 Aufsätzen in referierten Fachzeitschriften hat er über 100 DIW Wochenberichte und fast 500 Beiträge in Zeitungen verfasst.

„Ich freue mich, das SOEP auch künftig mit dem Soziologen Stefan Liebig in guten Händen zu wissen. Dank Jürgen Schupp und seinem Team steht das SOEP so gut wie noch nie da und wird seiner Rolle, die Grundlage für fundierte Analysen in vielen gesellschaftlich, psychologisch und wirtschaftlich bedeutsamen Fragen zu bilden, außerordentlich gut gerecht“, sagt Wagner. „In Zeiten großer Verunsicherung fällt der Wissenschaft generell und der datenbasierten Analyse insbesondere eine Schlüsselrolle zu“.

Wagner war 1997 der erste Mitarbeiter des DIW Berlin (neben dem Präsidenten), der mit einer S-Professur auch eng mit einer Universität, der Europa-Universität in Frankfurt/Oder, verbunden war; seit 2002 ist er gemeinsam mit dem DIW Berlin berufener Lehrstuhlinhaber für Empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin. Darüber hinaus ist er Max Planck Fellow am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (Berlin) und Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).

Wagner ist Vorsitzender des Sozialbeirats der Bundesregierung und Mitglied des Sachverständigenrates für Verbraucherpolitik. Er war Vorsitzender des Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten und Mitglied des Wissenschaftsrates. Seit 2007 ist Gert G. Wagner Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Am 8. Januar 2018 wird ihm die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln die Urkunde mit der Verleihung des Grads eines Doktors der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ehrenhalber (Dr. rer. pol. h.c.) überreichen. Im Rahmen der Ringvorlesung „Ungleichheit und Umverteilung“ wird Wagner dann zum Thema „Kostet weniger Ungleichheit Wachstum? Zur Bedeutung verschiedener Ziele in der Verteilungsdebatte“ sprechen.