„Ich bin und bleibe DDR-Bürger“. Die Entwicklung der identifikativen Akkulturation im Lebensverlauf von 1972 und 1973 in Sachsen Geborenen

Referierte Aufsätze Web of Science

Rolf Becker

In: Zeitschrift für Soziologie 54 (2025), 3, 300–321

Abstract

Aus der Lebensverlaufsperspektive wird die Entwicklung der identifikativen Akkulturation von 1972/73 in Sachsen geborenen Personen untersucht. Mittels einzigartiger Längsschnittdaten der Sächsischen Längsschnittstudie werden Struktur und Dynamik der kollektiven Identifikationen mit der ehemaligen DDR und dem vereinten Deutschland über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren beschrieben. Die multiple Integration – die gleichzeitige Identifikation mit beiden Gesellschaften – ist der dominante Modus identifikativer Akkulturation für diese Kohorte, gefolgt von Separation (Identifikation nur mit der ehemaligen DDR) und Assimilation (ausschließliche Identifikation mit dem vereinten Deutschland), während die Marginalisierung (keine Identifikation) kaum präferiert wird. Multivariate Analysen stützen die These einer langanhalten Wirkung der Sozialisation in der DDR nur bedingt; sie sprechen vielmehr für die Situationshypothese. Demnach wirken sich alters-, perioden- und intra-kohortenspezifische Erfahrungen, Erwartungen und Evaluationen systematisch auf die Stabilität der Identifikationen, den Wandel von Akkulturationsmodi und ihrer Sozialstruktur im vereinten Deutschland nach 1991.



Keywords: Akkulturation; Enkulturation; soziale Identifikation; Längsschnitt; Lebensverlauf; Paneldaten
DOI:
https://doi.org/10.1515/zfsoz-2025-2020

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