Nicht-referierte Aufsätze
Klaus-Heiner Röhl
In: IW-Trends 52 (2025), 3, 61–80
In den vergangenen 35 Jahren wurde beim Aufbau der Wirtschaft in den östlichen Bundesländern viel erreicht. Jedoch bestehen weiterhin hartnäckige Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und in den zugrundeliegenden wirtschaftlichen Strukturen im Vergleich zu Westdeutschland. Das Bruttoinlandsprodukt der fünf ostdeutschen Flächenländer liegt bei 72 Prozent des westdeutschen Niveaus. Eine volle Angleichung erscheint angesichts einer ungünstigen Demografie, fehlender Großunternehmen mit eigener Forschung und Entwicklung und eines Mangels an großstädtischen Fokuspunkten für Hightech-Start-ups und produktive Branchen wenig realistisch. Auch die Investitionen verharren zuletzt bei rund 70 Prozent des westdeutschen Pro-Kopf-Werts und befördern kein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum mehr. Unter Einbeziehung Berlins, das zunehmend an wirtschaftlichem Gewicht gewinnt und Ausstrahlungseffekte in die Flächenländer aufweist, stellt sich die Situation etwas besser dar. Eine Fortsetzung des Konvergenztrends erfordert allerdings wirtschaftspolitische Flankierungen. Das wachsende Fachkräfteproblem kann durch spätere Verrentung und mehr Offenheit für ausländische Kräfte gemildert werden. Im Bereich der Forschung und Entwicklung sollte auf eine enge Verzahnung von Hochschulen, Start-ups und bestehenden Unternehmen sowie auf eine engere Vernetzung mit dem Innovationspol Berlin gesetzt werden. Die Digitalisierung von Verwaltungen und Unternehmen muss eine höhere Priorität erhalten, um die Arbeitsproduktivität, bei der eine Lücke von noch 16 Prozent besteht, an das westdeutsche Niveau heranzuführen.
Keywords: Regionalpolitik, Konvergenz, Ostdeutschland
DOI:
https://doi.org/10.2373/1864-810X.25-03-04