Weitere referierte Aufsätze
Manuel Siegert, Tobias Roth
In: KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 77 (2025), 3, 417–443
Bisher wurde noch wenig untersucht, wie das Ausmaß der familiären Einbindung neu zugewanderter Menschen den Aufbau sozialer Kontakte zwischen ihnen und Menschen der Aufnahmegesellschaft beeinflusst. Dabei besteht die Möglichkeit, dass zugewanderte Menschen weniger angewiesen auf sozialen Austausch mit Menschen der Aufnahmegesellschaft sind, sobald enge Familienangehörige mit in Deutschland leben. Bisherige empirische Hinweise deuten tatsächlich auch in diese Richtung, jedoch ruhen diese auf einem eher schmalen Fundament. Daher untersuchen wir anhand der Daten aus dem Projekt Forced Migration and Transnational Family Arrangements – Eritrean and Syrian Refugees in Germany (TransFAR), wie die familiäre Situation von in Deutschland lebenden Geflüchteten aus Syrien oder Eritrea die Anzahl ihrer außerfamiliären Kontakte beeinflusst. Im Gegensatz zu bisherigen Studien unterscheiden wir dabei explizit zwischen der Anzahl außerfamiliärer eigenethnischer Personen und der Anzahl außerfamiliärer aus Deutschland stammender Personen. Theoretisch gehen wir davon aus, dass sich der Nutzen, der sich aus Beziehungen zu eigenethnischen oder deutschen Personen ergibt, jeweils unterscheiden sollte. Dadurch sollten sich Beziehungen zu Deutschen schwer, Beziehungen zu eigenethnischen Personen dagegen deutlich leichter durch familiäre Kontakte substituieren lassen. Tatsächlich weisen die empirischen Analysen darauf hin, dass die familiäre Einbindung nicht dazu führt, dass Geflüchtete weniger Beziehungen zu Personen der Aufnahmegesellschaft, dafür aber weniger Beziehungen zu außerfamiliären eigenethnischen Personen haben.
Keywords: Netzwerke, Migranten, Geflüchtete, Familie, Soziale Integration
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11577-025-01016-x