Aktuelle Daten zur Altersarmut in Deutschland

Nicht-referierte Aufsätze

Ulrich Bieber, Michael Stegmann

In: Deutsche Rentenversicherung 66 (2011), 1, 66-86

Abstract

Drohende Altersarmut steht seit geraumer Zeit im Fokus einer kontrovers geführten rentenpolitischen Diskussion. Dies geschieht im Zusammenhang mit der Befürchtung, sie könne in Zukunft wieder zu einem größeren Problem werden und mit der Frage, wie dem begegnet werden solle. Übereinstimmung scheint bei der Feststellung zu bestehen, dass Armut im Alter heutzutage in Deutschland kein vorrangiges Problem darstellt. Allerdings ist die materielle Lebenssituation der Seniorenbevölkerung keineswegs homogen. Der vorliegende Beitrag skizziert, welche Aspekte unter dem Stichwort Altersarmut zu subsumieren sind und welche statistischen Datenquellen zur Beschreibung der gegenwärtigen Lage herangezogen werden können. Der Begriff Armut entzieht sich wegen seiner Vielschichtigkeit einer allgemeingültigen Definition. In der breiten öffentlichen Diskussion dominiert die Vorstellung, Armut in Deutschland sei mit dem Bezug des sozio-kulturellen Existenzminimums oder mit relativer Einkommensarmut gleichzusetzen. Es lassen sich jedoch noch weitere ergänzende Sozialindikatoren in den Blick nehmen, um sich dem Phänomen anzunähern. Diese Indikatoren stammen wie die Daten zur Einkommensverteilung aus Befragungen, während statistische Angaben zum Bezug der Grundsicherung aus Verwaltungsstatistiken resultieren. In der aktuell beschlossenen EU-Strategie „Europa 2020“ sind außer einem relativ geringen Einkommen zwei weitere Kriterien für Armut vorgesehen: geringe Erwerbsintensität im Haushalt und Mangel an bestimmten materiellen Ressourcen. Die Erwerbsintensität spielt in Seniorenhaushalten allerdings eine untergeordnete Rolle. Der Fachterminus für „Mangel an bestimmten materiellen Ressourcen“ lautet „materielle Deprivation“ und ist in der wissenschaftlichen Diskussion keine Neuheit. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eigene Einschätzungen der Senioren zu ihrer Wohlstandsposition in die Betrachtung mit einzubeziehen. Man spricht dann von subjektiven Indikatoren. Alle wesentlichen derzeit im Zusammenhang mit der aktuellen Altersarmut in Deutschland relevanten Daten werden im Folgenden auf Basis verschiedener verfügbarer Quellen dargestellt und kurz bewertet. Im Ergebnis zeigt sich eine relativ bessere Lage der Senioren im Vergleich zu den Jüngeren. Dies trifft auch zu, wenn man die Daten auf Bezieher einer GRV-Rente im Alter ab 65 Jahren beschränkt.

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