Distributive Gerechtigkeit in der Familie: Zur Integration sozialer und persönlicher Faktoren bei der Erklärung der Präferenz von Familienideologien

Referierte Aufsätze Web of Science

Jean-Yves Gerlitz

In: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008), 4, 623 - 648

Abstract

Zur Einschätzung des normativen Unterstützungspotenzials in der Familie werden anhand der deutschen Daten des International Social Justice Projects (ISJP) 2006 die Determinanten der familialen Gerechtigkeitsideologien Kollektivismus und Individualismus untersucht. Dazu wird der Framing-Ansatz zur Erklärung pro-sozialen Verhaltens adaptiert, der neben den soziologischen Konzepten Sozialisation und Sozialstruktur auch das psychologische Konzept Persönlichkeit berücksichtigt. Den empirischen Befunden zufolge ist unbedingte normative Solidarität in Form von familialem Kollektivismus in Deutschland weit verbreitet. Allerdings ist ein beträchtlicher Anteil an kollektivistischen Wertorientierungen auf persönlichkeitsbezogene und sozialstrukturelle Merkmale zurückzuführen, die eine weniger stabile Basis als sozialisatorische Faktoren darstellen. Familialer Individualismus wird erwartungsgemäß in erster Linie durch sozialstrukturelle Ursachen determiniert. Die Berücksichtigung von Persönlichkeitsmerkmalen in Form der Big Five bewirkt eine substanzielle Verbesserung der Modelle, was für die Verwendung integrativer Erklärungsansätze in der Einstellungsforschung spricht.



Keywords: Empirische Gerechtigkeitsforschung, Familie, Wertorientierung, Big Five, Individualismus, Kollektivismus, Soziale Unterstützung, Empirical justice research, Family, Value orientation, Big five, Individualism, Collectivism, Social support
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11609-008-0037-0

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