Die Verfestigung der Armut

Nicht-referierte Aufsätze

Olaf Groh-Samberg

In: Der Bürger im Staat 62 (2012), 4-2012, 258-264

Abstract

Das am weitesten verbreitete Konzept zur Messung von Armut ist das der relativen Einkommensarmut, bei dem ab einem Nettoeinkommen von weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Durchschnitts (Median) von einem erhöhten Armutsrisiko ausgegangen wird. Eine Messung unter Verwendung dieses Konzepts bildet vor allem kurzfristige Veränderungen der Armutsrisikoquote ab. Langfristige Entwicklungstrends, die für sozialpolitische Maßnahmen maßgeblich sein sollten, bleiben so jedoch unberücksichtigt. Olaf Groh-Samberg analysiert in seinem Beitrag daher die empirischen Ergebnisse einer präziseren Armutsmessung, die nicht nur die Haushaltsnettoeinkommen, sondern zusätzlich auch Lebensstandards misst und außerdem auf einen längeren Zeitraum angelegt ist. Dieses multidimensionale und längsschnittliche Messinstrument ist empirisch aufwändiger, aber weitaus differenzierter. Die Bevölkerung wird anhand der Messung in eine Zone des gesicherten Wohlstands, eine Zone des instabilen Wohlstands, eine Zone der Prekarität und eine Zone der verfestigten Armut unterteilt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die generell ansteigende Armut in Deutschland nicht etwa darauf zurückzuführen ist, dass immer mehr Menschen aus der Mitte der Gesellschaft in die Armut absteigen. Es wird vielmehr immer schwieriger, aus der Armut herauszukommen. Sie verfestigt sich am unteren Rand der Gesellschaft. Auf diesen bisher missachteten Trend muss – so das Fazit – sozialpolitisch mit Weitsicht reagiert werden.

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