Zeitungs- und Blogbeiträge 2011
Evelyn Grünheid, Manfred G. Scharein
In: Bevölkerungsforschung Aktuell 32 (2011), 1, 2-6
In wissenschaftlichen Diskussionen und in Veröffentlichungen hört und liest man immer wieder die Auffassung, dass in einer „Gesellschaft des langen Lebens“ die Familien mit vier Generationen zunehmen und das Bild der Zukunft bestimmen werden. Grundlage für diese Aussage ist dabei die kontinuierliche Erhöhung der ferneren Lebenserwartung vor allem in den höheren Altersgruppen. Diese prägt das Sterblichkeitsgeschehen seit Mitte des letzten Jahrhunderts, was die Vermutung aufkommen lässt, dass die Vier-Generationen-Familie zur Normalität werden könnte. Dabei werden allerdings entgegengesetzte Tendenzen nicht berücksichtigt: nämlich das steigende Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder und damit auch das immer höhere Alter, in dem die Mütter Großmütter und die Großmütter Urgroßmütter werden. Steigt dieses Alter nämlich schneller als die Lebenserwartung, so geht die gemeinsame Lebenszeit der vier Generationen zurück. Würde zum Beispiel der Generationenabstand (den man mit dem durchschnittlichen Alter ansetzt, in dem die Frauen Kinder bekommen) auf 35 Jahre ansteigen, würden die Mütter mit durchschnittlich 70 Jahren Großmutter und die Großmütter müssten 105 Jahre alt werden, um ihre Urenkel zu erleben.