Diskussionspapiere extern
o.V.
Karlsruhe:
Karlsruher Institut für Wirtschaftsforschung,
2012,
(KIWIFO 2012)
Immer wieder ist zu hören und zu lesen, in Deutschland wachse die Kluft zwischen Arm und Reich, was eine gewisse Besorgnis signalisiert.1 So scheint es auch ein Interesse an Fragen wie z.B. "Wie sozial gerecht ist Deutschland?" zu geben. Dennoch ist heutzutage zu diesem Thema eine gewisse Gleichgültigkeit unverkennbar – und zwar gleichermaßen bei der Bevölkerung wie bei unseren Politikern. Der Spruch, "Arme und Reiche hat es schon immer gegeben", ist Legende, gerade so, als wäre eine Kluft zwischen Arm und Reich normal, naturgegeben oder gar gottgewollt. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema Arm und Reich mag zum Teil aus einer gewissen Resignation entstanden sein. Denn das Thema ist in Deutschland seit Jahrzehnten präsent – und ungelöst. Eine erstaunliche Hilflosigkeit ist zu erkennen, weil die Beseitigung der Armut aus der Gesellschaft unmöglich erscheint und weil gleichzeitig die Belastungsgrenzen des Sozialstaats als erreicht oder gar überschritten angesehen werden. So wird bewusst oder unbewusst nach der Devise verfahren: Lassen die Fakten sich nicht ändern, so ändere man seine Einstellung gegenüber den Fakten! Dass daraus auch wiederum die Neigung resultiert, die Fakten über Arm und Reich und über die Kluft dazwischen zu verharmlosen, ist wohl naheliegend. Die vorliegende Studie will sich vor diesem Hintergrund mit der Darstellung der Vermögensverteilung in Deutschland in wissenschaftlichen Abhandlungen befassen und die Realitätsnähe in diesen Darstellungen überprüfen. Dabei zeigt sich, dass diese Darstellungen bestenfalls das Prinzip der Ungleichverteilung von Vermögen demonstrieren, aber mit der Realität nicht einmal entfernte Ähnlichkeit haben und somit entscheidend zur Fehlvorstellung in der Öffentlichkeit über die Vermögensverteilung beitragen.