Referierte Aufsätze Web of Science
Matthias Pollmann-Schult
In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 44 (2011), 6, 411-416
Erwachsene Kinder sind häufig ein zentraler Bestandteil des sozialen Netzwerkes älterer Menschen und haben einen gewichtigen Einfluss auf deren gesellschaftliche Partizipation. Vor diesem Hintergrund geht dieser Beitrag der Frage nach, inwiefern sich Kinderlosigkeit negativ auf die soziale Integration und das subjektive Wohlbefinden von Frauen und Männern in den späten Lebensphasen auswirkt. Datengrundlage der Analysen ist das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), eine seit 1984 jährlich durchgeführte Wiederholungsbefragung. Es werden Respondenten zwischen dem 45. und 84. Lebensjahr berücksichtigt, die in einer ehelichen oder nicht-ehelichen Partnerschaft leben. Anhand multivariater Verfahren wird die Kontakthäufigkeit zu Verwandten, Bekannten und Freunden, die bürgerschaftliche, politische und religiöse Partizipation als auch die Lebenszufriedenheit und die Zufriedenheit mit dem Familienleben von kinderlosen Personen im Vergleich zu Eltern untersucht. Ergebnisse: Ältere kinderlose Menschen sind nur bedingt schwächer sozial integriert als Mütter und Väter. Kinderlose haben im Vergleich zu Eltern zwar weniger soziale Kontakte, jedoch verzeichnen sie keine geringere bürgerschaftliche, politische und religiöse Partizipation als Eltern in der Empty-Nest Phase. Ferner berichten Kinderlose kein geringeres subjektives Wohlbefinden als Eltern. Im Gegenteil, kinderlose Frauen und Männer sind glücklicher als Eltern, die mit einem erwachsenen Kind im gleichen Haushalt leben. Die hier präsentierten Befunde korrigieren die oftmals vertretene Annahme, dass Kinderlosigkeit zu einer geringeren sozialen Integration und einem niedrigeren subjektiven Wohlbefinden führt.
Keywords: Soziale Integration, subjektives Wohlbefinden, Generationenbeziehungen, Kinderlosigkeit, Ältere Menschen