Weitere referierte Aufsätze
Anna Sidor, Consolata Thiel-Bonney, Elisabeth Kunz, Andreas Eickhorst, Manfred Cierpka
In: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 40 (2012), 4, 239-250
Fragestellung: Zusammenhänge zwischen persistierendem, exzessivem Schreien des Säuglings im fünften Lebensmonat und den prä- und perinatalen Belastungen sowie der postnatalen Befindlichkeit ihrer Mütter zu untersuchen. Methodik: Alle Daten wurden erhoben, als die Kinder im Durchschnitt 18.5 Wochen alt waren. Die Stichprobe von 300 Mutter-Kind-Dyaden war durch psychosoziale Risiken wie Armut, Mangel an sozialer Unterstützung, Minderjährigkeit der Mütter, Substanzmissbrauch oder psychische Störungen der Mutter belastet. Das exzessive Schreien wurde nach der Wessel-Regel erfasst, für die Erhebung von prä-, peri- und postnatalen Belastungen wurden Fragebögen vorgelegt. Ergebnisse: Multivariate Analysen zeigten ein erhöhtes Risiko für soziale Belastung in der Schwangerschaft (OR = 17.66) und für eine unerwünschte Schwangerschaft (OR = 13.77). Postnatal war das persistierende exzessive Schreien mit höheren Ausprägungen einer postpartalen depressiven Symptomatik der Mutter, mütterlicher Stressbelastung, Dysfunktionalität der Mutter-Kind-Interaktion, dem Wahrnehmen des Säuglings als «schwierig» sowie mit Schwierigkeiten bei der emotionalen Beziehungsaufnahme assoziiert. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse unterstreichen den Einfluss erhöhter pränataler Stressbelastung der Mütter und einer unerwünschten Schwangerschaft auf das persistierende exzessive Schreien der Säuglinge. Ein herabgesetztes Wohlbefinden der Mütter sowie ihre Schwierigkeiten bei der emotionalen Beziehungsaufnahme implizieren einen erhöhten Bedarf an Unterstützungsangeboten. Das Zusammenwirken von pränatalen und Beziehungsvariablen spielt eine Rolle für das Auftreten und die Aufrechterhaltung von frühen Regulationsproblemen.