Nicht-referierte Aufsätze
Roland Verwiebe
In: Der Bürger im Staat 62 (2012), 4-2012, 265-273
War Armut lange Zeit nur ein Thema der Randgruppenforschung, so ist ihre Erforschung mittlerweile ein zentrales Anliegen der Sozialstruktur- und Ungleichheitsforschung geworden. Die wissenschaftliche Diskussion um die Existenz und das Ausmaß von Armut wird hierbei durchaus kontrovers geführt. Roland Verwiebe erörtert eingangs die konzeptionellen Grundlagen der Armutsforschung und stellt drei verschiedene Ansätze vor, mit denen Armut wissenschaftlich erfasst werden kann. Vor diesem Hintergrund werden die Armutsrisiken in Deutschland mit denen in anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union verglichen. In der Zusammenschau wird deutlich, dass sich die Armutsrisiken in den EU-Staaten unterschiedlich entwickelt haben. Aktuell verfügt mehr als ein Viertel der europäischen Bevölkerung über ein Einkommen, welches nur ein Leben unterhalb der Armutsgrenze ermöglicht. Besonders in den osteuropäischen Ländern ist das Armutsrisiko in den vergangenen Jahren merklich angestiegen. Auch für Deutschland bestätigt sich im Übrigen ein langfristiger Trend des Wachstums von Bevölkerungsgruppen, die von Armut bedroht sind. Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass neben Alleinerziehenden, Familien mit drei und mehr Kindern und älteren Menschen vor allem Arbeitslose das höchste Armutsrisiko aller betrachteten sozialen Gruppen aufweisen. Wenngleich Deutschland eine eher positive Position im europäischen Vergleich einnimmt, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass es kaum ein europäisches Land gibt, in dem die Situation der Erwerbslosen und gering Qualifizierten so schlecht ist wie in der Bundesrepublik Deutschland.
Externer Link:
http://www.buergerimstaat.de/4_12/armut.pdf