Auswirkungen von Erbschaften und Schenkungen auf die Vermögensbildung privater Personen und Haushalte - Eine ökonometrische Analyse auf der Basis des Sozio-oekonomischen Panels

Referierte Aufsätze Web of Science

Peter Westerheide

In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 225 (2005), 4, 459-481

Abstract

Die Untersuchung analysiert die Sparneigung der im Sozio-oekonomischen Panel befragten Personen bzw. Haushalte in Bezug auf Erbschaften und Schenkungen. Ausgangspunkt sind Querschnittsregressionen, die den Vermögensbestand in 2002 durch das Lebenszeiteinkommen und in der Vergangenheit erhaltene Erbschaften bzw. Schenkungen erklären. Es werden Verzögerungen in der Anpassung der Vermögensbestände an unerwartete Erbschaften bzw. Schenkungen und unterschiedliche Liquiditätsgrade des übertragenen Vermögens berücksichtigt. Die Untersuchung betrachtet die Altersgruppe der über 30- bis unter 50-jährigen Personen bzw. Haushaltsvorstände. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sparneigung aus erhaltenen Transfers hoch ist. Dies gilt auch für Transfers, deren Erhalt bereits mindestens 5 oder 10 Jahre zurückliegt, so dass Anpassungsverzögerungen im Ausgabeverhalten keine wesentliche Rolle mehr spielen können. Für Transfers liquider Vermögensarten werden statistisch weniger signifikante und teilweise auch geringere Effekte gemessen als für Transfers illiquiderer Vermögensarten (Immobilien und Betriebsvermögen). Personen bzw. Haushalte mit geringeren Ausgangsvermögen weisen überraschenderweise eine höhere Sparneigung auf Transfers auf als Haushalte mit höheren Ausgangsvermögen. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass intergenerationale Transfers wegen der hohen Sparneigung und der zu erwartenden zunehmenden Erbschaftsvolumina erheblichen Einfluss auf die Vermögensbildung der jüngeren Generationen haben werden. Die Unterschiede in der Sparneigung begünstigen eher eine Nivellierung als eine Konzentration der Vermögensverteilung. Summary We analyse the saving behaviour of German individuals and households between the ages of 30 and 50 with respect to inheritances and transfers inter vivos, based on recent data from the German Socio-economic Panel. In cross-section regression analysis current wealth holdings are explained by past life-cycle income and transfers received. The approach accounts for the problem of possible time lags in the adaptation of consumption to unexpected intergenerational transfers. Differences in the propensities to save with respect to highly liquid and less liquid wealth categories are taken into consideration as well. The results indicate a high propensity to save intergenerational transfers. The saving ratio does not decline substantially for transfers received 5 or even 10 years ago. Therefore delays in the reaction of private consumption to transfers obviously do not play a major role. Surprisingly the propensity to save intergenerational transfers is higher for households with lower initial wealth, proxied by their past life-cycle income. Our conclusion is that intergenerational transfers are likely to play a very important role in future private wealth accumulation because – in the long term strongly growing – intergenerational transfers tend to be saved to a high extent. Differences in saving propensities tend to equalise the distribution of wealth across households.



Keywords: Erbschaften, Sparverhalten, intergenerationale Transfers, Deutschland, Inheritances, saving behaviour, intergenerational transfers, Germany
Externer Link:
ftp://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp0428.pdf

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