Diskussionspapiere extern
Cornelia Au, Christine Hagen
Berlin:
Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA),
2018,
(DZA Fact Sheet: Ausgewählte Aspekte zur informellen häuslichen Pflege in Deutschland)
Wie im vorherigen Kapitel gezeigt wurde, leben rund drei von vier pflegebedürftigen Menschen zu Hause und werden dort zumeist von Angehörigen – zu einem großen Teil von Personen im erwerbsfähigen Alter – versorgt, die vor der Herausforderung stehen, ihre Erwerbstätigkeit mit einer Pflegetätigkeit zu vereinbaren. Die Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit steht im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch des Großteils der Menschen, bei Hilfe- und Pflegebedarf möglichst in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben und betreut zu werden, und verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen. Zu diesen gesellschaftlichen Entwicklungen zählt die Alterung der Bevölkerung, die mit einer wachsenden Anzahl an pflege- und hilfebedürftigen Menschen und einem sinkenden Pflegepotenzial aufgrund einer sinkenden Geburtenrate einhergeht. Die steigende Erwerbstätigkeit, insbesondere von Frauen und älteren Beschäftigten, die gestiegene räumliche Mobilität und auch rentenrechtliche Reformen wie die Verlängerung der Lebensarbeitszeit sind weitere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und informellen Pflegetätigkeiten. Zur Verbreitung und den Merkmalen informeller Hilfe- und Pflegeleistungen von Erwerbstätigen liegen Daten aus verschiedenen Quellen vor, die im Folgenden zusammengestellt sind. Die Daten aus den verschiedenen Untersuchungen beruhen auf unterschiedlichen Stichprobenkonzepten und unterschiedlichen Definitionen der Hilfe- und Pflegeleistungen, die ermittelten Anteile und Verteilungen können nur bedingt miteinander in Bezug gesetzt werden. Die jeweilige Definition und Operationalisierung von Pflege in den zitierten Studien wird im Text ausgewiesen. Der vorliegende Text gliedert sich in drei Teile: Im ersten Teil wird die Frage beantwortet, wie viele der Personen im erwerbsfähigen Alter einen Angehörigen pflegen und wie viele Personen dies mit einer Erwerbstätigkeit vereinbaren. Im zweiten Teil wird dargestellt, wie sich die Erwerbsbeteiligung von Pflegepersonen gestaltet und im dritten Teil wird schließlich der Frage nachgegangen, ob und in welchem Umfang erwerbstätige Pflegende ihre Arbeitszeit reduzieren.