Spenden zwischen Gutes tun und Pflicht: eine Studie zum muslimischen Spendenverhalten in Deutschland

Diskussionspapiere extern

Siri Hummel, Eckhard Priller, Malte Schrader, Rupert Graf Strachwitz

Berlin: Maecenata Institut für Philantropie und Zivilgesellschaft, 2020,
(Opusculum Nr. 139)

Abstract

Wie spenden Muslime in Deutschland? Bisher lagen kaum Erkenntnisse darüber vor, wann und wieviel Muslime in Deutschland spenden, welche Motive für sie wichtig sind und für wen und für welche Ziele sie spenden. Auch ist die Struktur der muslimisch organisierten Zivilgesellschaft in Deutschland, die stark auf diese Spenden angewiesen ist, nach wie vor wenig beforscht, und das obwohl Muslime einen wachsenden Teil der deutschen Gesellschaft darstellen. Diese Forschungslücke erklärt sich zum einen aus der Nichterhebung von Zensusdaten, die eine der wichtigsten quantitativen Datenquellen für die Spendenforschung ausmachen; sie kann aber auch an einem immer noch bestehenden Desinteresse gegenüber der islamischen Kultur in Deutschland liegen. Die Datenlage zum Spendenverhalten von Muslimen in Deutschland ist dünn, obwohl das Prinzip der Wohltätigkeit im Islam tief verankert ist und einen wichtigen Pfeiler der innerweltlichen Ethik dieser Religion bildet. Wohltätigkeit wird im Islam vor allem mit den Begriffen Zakāt, der obligatorischen Armenabgabe, und der freiwillig entrichteten Sadaqa in Verbindung gebracht. Spenden haben für den Islam eine wichtige religiöse Komponente. Hinzu kommt, dass in Deutschland heute eine muslimische Mittelschicht mit hinreichendem Vermögen bzw. Einkommen existiert, um signifikante Geldspenden zu tätigen und die Zivilgesellschaft in Deutschland zu stützen. Insofern sind Informationen über das Spendenvolumen und präferierte Spendenzwecke sowie zu Leitmotiven des Gebens der muslimischen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland auch unter diesen sozialstrukturellen Faktoren interessant.

keyboard_arrow_up