Journalisten sind linker und grüner als die Bevölkerung. Ist das ein Problem?

Zeitungs- und Blogbeiträge 2024

Tanjev Schultz

In: Übermedien (2024),

Abstract

Politisch in der Tendenz links und grün – so ticken die Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Dieser Befund ist seit Jahren stabil und führt immer wieder zu Debatten über mögliche Verzerrungen in der politischen Berichterstattung. Gerade erst hat eine neue Studie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), an der ich beteiligt war, erneut bestätigt: Verglichen mit der Bevölkerung neigen Journalistinnen und Journalisten deutlich weniger der Union und stärker den Grünen zu. Ist das problematisch? Anhänger der Union werden sagen: selbstverständlich. Anhänger der Grünen dürften entspannter reagieren. So wie Medienmenschen, die gern betonen, dass sie in ihrer Arbeit professionellen Regeln folgen, nicht ihrer persönlichen Agenda. Dieser Hinweis ist nicht verkehrt. Dennoch lässt sich der Verdacht einer Parteinahme nicht so einfach abtun. Erstens spielen die eigenen Einstellungen mindestens im Meinungsjournalismus eine Rolle. Und dieser ist keineswegs auf klassische Kommentare beschränkt. Explizite Bewertungen und Forderungen lassen sich in vielen Darstellungsformen finden, ob es Essays oder Magazinstorys sind, Anmoderationen oder Rezensionen. Zweitens können Vorlieben und Abneigungen in subtiler Form auch die übrige Berichterstattung beeinflussen, beispielsweise die Auswahl von Themen und Gesprächspartnern.

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