Inanspruchnahme von Unterstützungs- und Entlastungsdiensten für Eltern pflegebedürftiger Kinder: Ergebnisse der FamBer-Beobachtungsstudie

Nicht-referierte Aufsätze

Stefan Nickel, Demet Dingoyan, David Cebulla, Henriette Högl, Annette Mund, Birgit Fuchs, Kathrin Jackel-Neusser, Christopher Kofahl

In: Pflege 37 (2024), 5, 237–245

Abstract

Hintergrund: Eltern pflegebedürftiger Kinder in Deutschland können auf eine Vielzahl von Entlastungs- und Unterstützungsdiensten zurückgreifen. Bislang fehlen jedoch systematische Untersuchungen und quantitative Daten zur Inanspruchnahme solcher Angebote auf der individuellen Ebene der Eltern und anderen Erziehungsberechtigten. Fragestellung/Ziel: Die Studie zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für Eltern mit einem pflegebedürftigen Kind (FamBer; Förderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) untersucht das Wissen um Entlastungs- und Unterstützungsdienste, deren Inanspruchnahme sowie den erlebten Nutzen dieser Angebote. Methoden: 1070 Eltern haben in der querschnittlichen Studie einen Online-Fragebogen beantwortet, der u.a. auf Basis der Kindernetzwerkstudie 2 aus dem Jahr 2013 sowie dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) entwickelt wurde. Neben deskriptiven Analysen wurden Gruppenvergleiche mittels Chi2, Mann-Whitney U oder Kruskal-Wallis H-Test durchgeführt. Ergebnisse: 43 bis 58% der Eltern kennen die jeweiligen gesetzlichen Möglichkeiten zur Freistellung von beruflichen Tätigkeiten, genutzt werden sie jedoch nur von den wenigsten Familien. Weitere Unterstützungsangebote unterscheiden sich deutlich in Bekanntheitsgrad und Inanspruchnahme; diese variieren mit der Bildung der Eltern und dem Versorgungsbedarf des Kindes. Die genutzten Beratungsangebote werden als vergleichsweise wenig hilfreich wahrgenommen. Schlussfolgerungen: Aufgrund des Studiendesigns können wir nicht ausschließen, dass die Befunde auch auf persönlichen Eigenschaften der Eltern und ihrem Lebensumfeld beruhen. Dennoch ist eine Vielzahl an Problemen (z.B. Informationsmangel, geringe Inanspruchnahme, Unwirksamkeit von Angeboten) zu erkennen, die es zu bewältigen gilt.



Keywords: Eltern, Vereinbarkeit Familie und Beruf, pflegebedürftige Kinder, Kinder mit Behinderung, Inanspruchnahme von Diensten
DOI:
https://doi.org/10.1024/1012-5302/a000978

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