Fremd- und zweisprachige Kinder in Deutschland: Eine Auswertung des Mikrozensus

Nicht-referierte Aufsätze

Wido Geis-Thöne

In: IW-Trends 52 (2025), 1,

Abstract

Einer eigenen Auswertung des Mikrozensus zufolge lebten im Jahr 2021 rund 801.000 Minderjährige in Deutschland, die zu Hause kein Deutsch sprachen. Das sind 5,8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen. Deutsch und eine Fremdsprache sprachen 3,04 Millionen Minderjährige oder 21,9 Prozent. Dabei geht die Fremd- und Zweisprachigkeit häufig mit weiteren Risikofaktoren für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn und gute Entwicklung von Kindern einher, zum Beispiel mit Bildungs- und Arbeitsmarktferne der Familien. Fremdsprachige Kinder besuchten im Jahr 2021 mit einem Anteil von 20,2 Prozent in der Sekundarstufe I nur halb so häufig ein Gymnasium wie die Kinder, die zu Hause nur Deutsch sprachen (40,9 Prozent). Kontrolliert man in einer multivariaten Analyse für weitere Aspekte des familiären Hintergrunds, reduziert sich der Unterschied auf 5,3 Prozentpunkte. Bei den zweisprachigen Kindern verschwindet er sogar vollkommen, obwohl sie mit einem Anteil von 30,4 Prozent ebenfalls wesentlich seltener ein Gymnasium besuchen als die rein deutschsprachigen Kinder. Vor diesem Hintergrund sollte sich die Integrationsförderung nicht allein auf den Spracherwerb fokussieren, sondern alle besonderen Herausforderungen der Kinder und Jugendlichen aus Einwandererfamilien ganzheitlich adressieren. Einen wichtigen Beitrag können hier die Kitas leisten. Allerdings besuchten die fremd- und zweisprachigen Kinder im Jahr 2021 deutlich seltener eine Betreuungseinrichtung als die ausschließlich deutschsprachigen Kinder.



Keywords: Bildung und Ungleichheit, Kinder und Jugendliche, Integration
DOI:
https://doi.org/10.2373/1864-810X.25-01-01

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