Nicht-referierte Aufsätze
Maximilian Stockhausen
In: IW-Trends 52 (2025), 4,
Die deutsche Gesellschaft altert und immer mehr Menschen müssen Erwerbsarbeit und Pflege miteinander vereinbaren. Von den rund 5,7 Millionen Pflegenden waren im Jahr 2022 fast drei Viertel unter 66 Jahren alt und damit noch im erwerbsfähigen Alter. Dabei variieren die Pflegelasten nicht nur nach Alter, Geschlecht und Einkommen, sondern auch nach dem Erwerbsumfang. Wer im Jahr 2022 in Vollzeit arbeitete, pflegte gemäß einer Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) mit durchschnittlich 1,9 Stunden pro Werktag nur halb so viele Stunden wie eine nicht erwerbstätige Person. Pflegende Männer gehen dabei häufig einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach, wenngleich der Vollzeitanteil unter nichtpflegenden Männern höher ausfällt. Frauen sind häufiger in Teilzeit tätig, gleichzeitig fallen die Unterschiede zwischen pflegenden und nichtpflegenden Frauen geringer aus. Ein Großteil der Pflegenden im Erwerbsalter verändert seinen Erwerbsumfang mit Eintritt der Pflege kaum: Nur 10 Prozent der Pflegenden im Alter von 18 bis unter 66 Jahren wechselten seit Übernahme der gegenwärtigen Pflegeverantwortung in die Erwerbslosigkeit. Das entspricht knapp 400.000 Personen, denen jedoch rund 260.000 Personen gegenüberstehen, die trotz Pflege eine Erwerbstätigkeit aufnahmen. Gleichzeitig besteht unter den Nicht-Erwerbstätigen im rentennahen Alter in vier von fünf Fällen kaum mehr ein Wiederbeschäftigungswunsch – unabhängig von der Pflegeausübung. Eine weitere Flexibilisierung der Erwerbszeiten könnte helfen, die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Pflege zu erhöhen, damit Pflegende den Arbeitsmarkt erst gar nicht verlassen.
Themen: Arbeit und Beschäftigung
Keywords: Gesundheit und Ungleichheit, Zeitallokation und Arbeitsangebot
DOI:
https://doi.org/10.2373/1864-810X.25-04-01